Der Zaunstreit

Dürfen Nachbarn hinter einem Maschendraht-Grenzzaun einen Sichtschutzzaun errichten?

onlineurteile.de - Das Einfamilienhaus nebenan hatte eine Familie mit Kindern gemietet. Natürlich spielten die Kinder häufig im Garten und tobten herum. Nachbar A, Eigentümer eines Reihenhauses, beschwerte sich immer wieder über Lärmbelästigung: bei den Eltern, beim Vermieter der Familie und sogar beim kommunalen Ordnungsamt. Das Verhältnis der Nachbarn war also bereits getrübt.

Auf der Grenze zwischen den Grundstücken verläuft ein alter Maschendrahtzaun, ca. ein Meter hoch. Hinter dem Drahtzaun errichteten die Mieter des Einfamilienhauses als Sichtschutz einen Holzflechtzaun: 20 Meter lang und etwa 1,80 Meter hoch. Das passte Herrn A überhaupt nicht. Nach erfolglosem Schlichtungsverfahren zog er vor Gericht und forderte von B, dem Vermieter des Einfamilienhauses, den Holzflechtzaun zu beseitigen.

Das Amtsgericht Landshut gab Herrn A Recht: Hätten sich Hauseigentümer ausdrücklich oder stillschweigend auf eine Grenzanlage geeinigt, könne jeder Nachbar verlangen, dass sie gleich bleibe. Und so liege der Fall hier, auch wenn niemand mehr wisse, wer den Maschendrahtzaun auf der Grundstücksgrenze angelegt habe. Jedenfalls sei er seit Jahrzehnten von allen Eigentümern und Bewohnern als Grenzzaun akzeptiert worden.

Gegen dieses Urteil legte Hauseigentümer B Berufung ein und setzte sich beim Landgericht Landshut durch (13 S 2208/15). Der Holzflechtzaun verändere zwar das äußere Erscheinungsbild der Grundstücksgrenze, so das Landgericht. Trotzdem habe A keinen Anspruch darauf, dass er entfernt werde. Gerade dann, wenn das Verhältnis zwischen Nachbarn durch ständige Streitigkeiten belastet sei, sei das Interesse an einem Sichtschutz berechtigt: So würden die Grundstücke optisch und akustisch besser voneinander getrennt.

Dies nur deshalb zu verbieten, weil der Holzflechtzaun die Grenzanlage optisch verändere, sei nicht gerechtfertigt und schränke das Eigentumsrecht von B erheblich ein. Eigentümer dürften ihr Grundstück frei nach ihren Vorstellungen gestalten. Der Holzflechtzaun stehe vollständig auf dem Grundstück von B. Er beeinträchtige weder das Grundstück von A, noch die Grenzanlage. Aus der Gewohnheit, dass allein ein niedriger Maschendrahtzaun die Grenze bildete, sei kein Anspruch auf Unveränderlichkeit abzuleiten.