Der Graf, der keiner war

Gekaufter Adelstitel wird aus dem Melderegister gelöscht

onlineurteile.de - Wer zu den Unglücklichen gehört, die ohne Adelstitel geboren sind, muss heute nicht mehr verzweifeln (oder heiraten): Mittlerweile kann man wohlklingende Titel auch im Internet erwerben. Allerdings kann die deutsche Bürokratie dem vollkommenen Glück trotzdem noch im Wege stehen, wie nun ein frischgebackener Graf am eigenen Leib erfahren musste.

2009 hatte er der Meldebehörde eine englischsprachige Urkunde vorgelegt, die ihn als "Graf von R." ausweisen sollte. Der zuständige Beamte hatte den Namenszusatz ins Melderegister eingetragen. Vier Jahre später kamen der Meldebehörde jedoch Zweifel. Wohl deshalb, weil die Urkunde von "Her Royal Majesty Queen S.A.L., President-United Humanitarian Organization, Queen of the South, Queen Power of F. Faith for Salvation" ausgestellt war.

Nach reiflicher Überlegung kam die Behörde zu dem Schluss, es handele sich nicht um einen Adelstitel, sondern um einen "Phantasietitel", der im Melderegister nichts zu suchen habe. Der Mann sei einem "Titelhändler" auf den Leim gegangen, der im Internet Pseudo-Titel vertreibe.

Der Eintrag wurde gelöscht. Das wollte sich der Internetadlige jedoch nicht bieten lassen. Er legte Widerspruch ein und pochte auf Vertrauensschutz: Der Namenszusatz gehöre seit Jahren zu seiner Identität und tauche auf zahlreichen Urkunden auf, so z.B. im Personalausweis und auf der Kfz-Zulassungsbescheinigung. Doch das Verwaltungsgericht (VG) Regensburg gab der Meldebehörde Recht (RN 9 K 14.1377). Sie dürfe laut Meldegesetz unrichtige Registereinträge korrigieren. Dabei müsse die Behörde die Schreibweise des Familiennamens in den Personenstandsurkunden beachten.

Dazu gehörten z.B. Geburtsurkunden und Eheurkunden, nur sie seien maßgeblich. Ein Personalausweis mit falsch eingetragenem Namen sei schlicht ungültig. Zwar gehöre der Name zur Identität einer Person. Geschützt sei der Name aber nur, wenn er über längere Zeit die Persönlichkeit des Trägers mitbestimmt habe, was hier nicht der Fall sei. Zudem liege eine im August 2014 ausgestellte Eheurkunde vor, in der nur der Familienname des Mannes ohne adeligen Namenszusatz stehe. Gestützt auf diese Personenstandsurkunde habe die Meldebehörde den Adelstitel aus dem Register löschen dürfen.

Der gekaufte Graf muss dennoch nicht verzagen. Tipp des VG: Welcher Familienname rechtmäßig sei, könne man nicht in einem melderechtlichen Verfahren klären. Das erfordere ein Spezialverfahren nach dem Gesetz über die Änderung von Familiennamen oder nach dem Personenstandsgesetz. Wenn überhaupt, könnte der "Graf von R." nur auf diesem Weg eine adelig klingende Personenstandsurkunde und damit einen Titel ergattern.