Da ist der (Holz-)Wurm drin!

Fachwerkhaus mit Schädlingen im Gebälk erworben: Der Käufer kann vom Kauf zurücktreten

onlineurteile.de - Der Käufer eines Fachwerkhauses klagte auf Rückzahlung des Kaufpreises, weil das Gebälk von Schädlingen befallen war: Schimmelpilze und Holzwürmer tummelten sich im Fachwerk. Vergeblich pochte der Verkäufer vor Gericht auf den vertraglich vereinbarten Gewährleistungsausschluss für Mängel. Das Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig kam zu dem Schluss, dass der Verkäufer den Mangel arglistig verschwiegen hatte (9 U 51/17).

Holzwürmer hätten sich soweit durchs Gebälk "gearbeitet", dass das Gebäude nur noch eingeschränkt standsicher sei. Man könne es also nicht mehr bewohnen. Der Bausachverständige habe in seinem Gutachten ausgeführt, dass die Schädlinge bereits 1998 "aktiv waren": Damals habe der Verkäufer die Fraßgänge der Insekten mit Fugenmasse gefüllt und anschließend das Gebälk gestrichen, um die Löcher zu übertünchen. Diese Arbeiten an der Fassade belegten, dass er über den Mangel der Immobilie Bescheid wusste.

Auf den Gewährleistungsausschluss im Kaufvertrag könne sich der Verkäufer also nicht berufen, weil er den Schädlingsbefall arglistig verschwiegen habe. Umstände, die für den Kaufentschluss so wichtig seien, müssten Verkäufer ungefragt offenbaren. Dass er glaubte, den Mangel mit seinen Reparaturarbeiten beseitigt zu haben, sei unglaubwürdig. Ernsthaft bekämpfen könne man die Schädlinge mit solchen Methoden nicht, das sei allgemein bekannt. Mittlerweile seien schon längst wieder neue Löcher zu sehen.

Auch das Argument des Verkäufers, der Kaufinteressent hätte den Schädlingsbefall wegen der Bohrlöcher im Gebälk selbst erkennen können, ließ das OLG nicht gelten. Auch dann, wenn der Käufer einzelne Bohrlöcher im Fachwerk sehen konnte, hätte er daraus nicht auf einen so massiven und seit über 15 Jahren bestehenden Befall schließen müssen. Das wahre Ausmaß des Mangels habe der Käufer eben aufgrund der "Schönheitsreparaturen" des Verkäufers nicht erkennen können.