Büroangestellte rief Gewinnspiel-Hotline an

Rechtfertigen private Telefongespräche in den Arbeitspausen eine fristlose Kündigung?

onlineurteile.de - Frau N arbeitete seit Anfang 2014 in einem Kleinbetrieb als Bürokauffrau, kontrollierte eingehende Rechnungen und scannte sie ein. Private Telefongespräche hatte der Arbeitgeber erlaubt. In Bezug auf kostenpflichtige Sonderrufnummern gab es keine betrieblichen Vorschriften.

Im Januar 2015 rief Frau N mehrmals in Arbeitspausen bei der Hotline eines lokalen Radiosenders an. Sie beteiligte sich an einem Gewinnspiel mit dem Titel "Das geheimnisvolle Geräusch". Jeder Anruf kostete 50 Cent. Auf der Telefonrechnung für Januar 2015 standen schließlich 37 Einheiten für Sonderrufnummern (Kostenpunkt: 18,50 Euro).

Das fiel dem Geschäftsführer des Betriebs auf, der bei Frau N nachfragte. Aus Angst vor Problemen wiegelte die Büroangestellte erst einmal ab. Erst am nächsten Tag gab sie die Anrufe bei der Gewinnspiel-Hotline zu und bot an, die Telefonkosten zu ersetzen. Drei Tage später kündigte ihr der Arbeitgeber fristlos.

Frau N klagte dagegen und hatte beim Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf Erfolg (12 Sa 630/15). Die Bürokauffrau habe zwar ihre arbeitsvertraglichen Pflichten verletzt, so das LAG. Denn es sei nicht korrekt, über die betriebliche Telefonanlage kostenpflichtige Sonderrufnummern anzuwählen. Das gelte selbst dann, wenn der Arbeitgeber privates Telefonieren am Arbeitsplatz prinzipiell genehmigt habe.

Das Fehlverhalten der Arbeitnehmerin sei aber nicht so schwerwiegend, dass es eine fristlose Kündigung rechtfertigen würde. Den geringfügigen Betrag habe sie ersetzt. Der Betrieb habe den Umfang der privaten Telefonnutzung nicht genau geregelt, was das Verschulden von Frau N mildere. Außerdem habe sie nicht ihre Arbeit unterbrochen, um zu telefonieren, sondern die Arbeitspausen dafür benützt.