Brillant oder Diamant?

Kein Brillantschliff wie vereinbart: Käufer kann einen Goldring zurückgeben

onlineurteile.de - Für 650 Euro hatte Herr X bei einem Münchner Schmuckhändler einen gebrauchten Goldring gekauft: Laut Schmuckzertifikat aus 750 Karat Gold, zentral besetzt mit einem Saphir und 31 Diamanten. Im Laden hatte sich der Käufer das Geschenk für seine Ehefrau genau angeschaut und nachgefragt, ob es sich um Brillanten handle. Das bestätigte der Händler und trug es auf Wunsch des Kunden ins Zertifikat ein.

Tatsächlich waren die Steine jedoch Diamanten mit Single-Cut-Schliff, den Fachleute auch als "vereinfachten Brillantschliff" bezeichnen. Merke: Brillant und Diamant ist nicht dasselbe, Brillanten müssen mindestens 57 Facetten aufweisen. Der Single-Cut-Schliff ist weitaus weniger aufwändig. Aus diesem Grund wollte Herr X später vom Kauf zurücktreten.

Doch der Schmuckhändler änderte nur das Schmuckzertifikat und fügte ein, der Ring sei mit Diamanten im Single-Cut-Brillantschliff besetzt. Er fand, auch Steine mit diesem Schliff könne man mit Fug und Recht als Brillanten bezeichnen. Außerdem habe Herr X genau gewusst, wie die Steine aussehen: Da könne man sich doch nicht im Nachhinein auf einen Sachmangel berufen …

Damit gab sich der Käufer nicht zufrieden: Er zog vor Gericht und verlangte den Kaufpreis zurück: Erstens habe er nun ein schlechtes Gefühl, wenn er zu seiner Frau so etwas sage wie "Geh Schatz, tu Deine Brillis hin". Und zweitens liege immer ein Sachmangel vor, wenn das Produkt nicht so beschaffen sei wie vereinbart. Das Amtsgericht München gab ihm Recht (275 C 6717/19). Die Beschreibung im Schmuckzertifikat (31 Brillanten) sei eine Beschaffenheitsvereinbarung und damit verbindlich.

Bekommen habe der Käufer aber 31 Diamanten mit einem nicht so hochwertigen Schliff mit weniger Facetten. Der Unterschied sei auch dann bedeutend, wenn ein Laie die unterschiedlichen Schliffe optisch nicht unterscheiden könne. Wenn in der Beschreibung "Brillant" stehe, dürften Käufer auf jeden Fall einen klassischen Brillantschliff erwarten. Wenn es sich um einen Single-Cut-Schliff handle, müsse dies im Schmuckzertifikat angegeben werden.

Schmuckkäufer orientierten sich an der heutzutage gängigen Bezeichnung. Sollte der Single-Cut-Schliff womöglich früher einmal Brillantschliff geheißen haben, habe sich die Bedeutung des Namens "Brillant" offenkundig im Laufe der Zeit gewandelt. Auch oder gerade dann hätte der Händler klarstellen müssen, dass die 31 Diamanten nicht mit dem Schliff bearbeitet wurden, der aktuell als Brillantschliff bekannt sei. (Der Schmuckhändler hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.)