Bei 100 km/h nach Musikkassette gebückt

Ein Fall von grober Fahrlässigkeit

onlineurteile.de - Ein Autofahrer war gegen 4.30 Uhr in einem Mietauto mit Tempo 100 auf der Autobahn unterwegs. Bei dem Versuch, eine Musikkassette aufzuheben, die ihm bei einem Kassettenaustausch heruntergefallen war, verriss er das Lenkrad und schleuderte mit dem Wagen gegen die linke Leitplanke. Der Autovermieter verlangte von ihm Schadenersatz für die Reparaturkosten.

Zu Recht, entschied das Landgericht Gießen (1 S 257/95). Wer bei schneller Fahrt nach einer Kassette suche, könne die Verkehrssituation nicht mehr aufmerksam genug beobachten und handle deshalb grob fahrlässig. Der Autofahrer habe in "schwerwiegender Weise und unentschuldbar gegen die Anforderungen der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt" verstoßen. Das gelte auch deshalb, weil es in keiner Weise notwendig sei, sich während der Fahrt nach einer heruntergefallenen Musikkassette zu bücken - im Unterschied zu anderen Gegenständen, von denen eine Gefahr ausgehen könnte (z. B. eine brennende Zigarette).