Bankkunde überzieht Guthabenkonto

Lässt eine Bank die Kontoüberziehung zu, ist der Kunde nicht allein fürs "Minus" verantwortlich

onlineurteile.de - 2008 hatte ein arbeitsloser Mann bei der X-Bank ein Giro-Plus-Konto eröffnet. Er vereinbarte mit dem Kreditinstitut, dass das Konto als reines Guthabenkonto geführt werden sollte. Das bedeutet: als Konto ohne Dispositions- oder Überziehungskredit, das nicht ins Minus geraten darf. Das Jobcenter überwies von da an die monatlichen Zahlungen für den Mann auf dieses Konto.

2011 hob der Bankkunde mit seiner X-Bankcard mehrmals am Geldautomaten Geld ab, obwohl er dadurch das Konto überzog. Ende September war er mit 602,19 Euro "in den Miesen". Danach ließ die X-Bank keine Abbuchungen mehr zu. Da der Kunde sein Defizit nicht ausglich, löste die Bank das Konto schließlich auf und verlangte von ihm die entsprechende Summe.

Doch das Amtsgericht Köln gestand der Bank nur einen Betrag von 312,91 Euro zu (142 C 3/14). Einerseits habe der Bankkunde seine vertraglichen Pflichten verletzt, so das Gericht. Kunden müssten Fehlbuchungen und Verfügungen außerhalb des vereinbarten Kreditrahmens vermeiden. Bei einem Konto auf Guthabenbasis müsse der Kunde darauf achten, es nicht zu überziehen. Auf ein Versehen könne sich der Kontoinhaber jedenfalls nicht berufen: Online habe er jederzeit Zugriff auf seine Kontoauszüge gehabt und sich über den Kontostand informieren können.

Andererseits müsse sich die Bank ein Mitverschulden anrechnen lassen, das sich auf ihren Anspruch auswirke. Bei einem "normalen" Konto mit Dispositionskredit werde dem Kontoinhaber das Recht eingeräumt, das Konto in bestimmter Höhe zu überziehen. So eine Art Kreditvertrag habe man hier nicht geschlossen, bei der Kontoeröffnung sei bewusst keine Kreditlinie vereinbart worden. Stattdessen sollten Anweisungen nur bei Guthaben ausgeführt werden. Daran müsse sich auch die Bank halten.

Sie dürfe es nicht zulassen, wenn der Inhaber eines Guthabenkontos ohne Deckung Geld abhebe oder überweise. Das müsse sie im eigenen Interesse verhindern, aber auch im Interesse des Kunden. Der habe ja extra ein Guthabenkonto eingerichtet, um nicht durch unbedachte Abhebungen Schulden zu machen. Schon nach der ersten Überziehung hätte die Bank eingreifen müssen. Stattdessen habe sie den vertragswidrigen Zustand zwei Monate lang geduldet.