Aus der Tankstelle in die Straße eingebogen

Kollidiert der Einfahrende mit einem rückwärts fahrenden Wagen, haben beide gleich viel zum Unfall beigetragen

onlineurteile.de - Autofahrer A hatte getankt und wollte sich danach wieder in den Verkehr einfädeln. Er fuhr vom Tankstellengelände heraus, um nach rechts in die W-Straße einzubiegen. Beim Einfahren bemerkte er, dass auf der rechten Fahrspur - in die sein Wagen schon ein wenig hinein ragte - ein anderes Auto rückwärts fahrend herankam. Auch A legte den Rückwärtsgang ein, doch es war bereits zu spät. Die Fahrzeuge stießen zusammen.

Frau A, Halterin des Wagens, verklagte den Rückwärtsfahrer B und dessen Haftpflichtversicherer auf Schadenersatz. B hafte nur für die Hälfte der Reparaturkosten von Frau A, entschied das Landgericht Karlsruhe (1 S 107/10). Denn beide Fahrer hätten in gleichem Maß zum Unfall beigetragen. B hätte das einfahrende Auto im Rückspiegel sehen können, sei also nicht aufmerksam genug gewesen. Das treffe aber auch auf Herrn A zu.

Wer von einem Grundstück auf eine Straße einfahre, müsse dabei so vorsichtig sein, dass er niemanden gefährde. Das gelte auch für das Ausfahren aus einer Tankstelle. Vorfahrt habe der fließende Verkehr auf der Straße, ob er nun vorwärts oder rückwärts rolle. A habe es an besonderer Aufmerksamkeit beim Einfahren auf die Straße fehlen lassen. Dass er direkt vor dem Zusammenstoß stehen geblieben sei, ändere an diesem Sachverhalt nichts.