Auf der Autobahn zu schnell gefahren

Hohe Geschwindigkeit beweist nicht in jedem Fall einen absichtlichen Verkehrsverstoß

onlineurteile.de - Ein Autofahrer war auf einer Bundesautobahn mit einer Geschwindigkeit von 175 km/h geblitzt worden. Auf diesem Streckenabschnitt war jedoch nur eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h zulässig. Diese Regelung galt immer nur vorübergehend, wenn Polizeibeamte Lkws herauswinkten: Hier war eine polizeiliche Kontrollstelle für Lastwagen eingerichtet.

Gegen den Vorwurf, vorsätzlich die Höchstgeschwindigkeit überschritten zu haben, setzte sich der Autofahrer vor dem Amtsgericht zur Wehr. Ein Verkehrsschild mit einem Hinweis auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung habe er nirgends gesehen, beteuerte er.

Hintergrund: Letztlich entscheidet die Frage "Absicht oder nicht" über die Konsequenzen des Verkehrsverstoßes: nämlich über die Höhe der Geldbuße und darüber, für welche Zeitdauer Fahrverbot verhängt wird.

Im konkreten Fall ging das Amtsgericht Erlangen von Fahrlässigkeit aus und verdonnerte den Rentner zu 700 Euro Geldstrafe und drei Monaten Fahrverbot (6 OWi 911 Js 143459/18). Die Kontrollstelle sei im Vorfeld angekündigt worden — bei aufmerksamer Fahrweise hätte der Autofahrer das Verkehrszeichen erkennen können und müssen.

Dass er den Verkehrsverstoß absichtlich beging, sei aus seiner hohen Geschwindigkeit aber nicht abzuleiten, so das Amtsgericht. Schließlich handle es sich um eine breit ausgebaute Autobahn. Allein aus den baulichen Gegebenheiten habe der Autofahrer also nicht auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung schließen können. Wenn man zu seinen Gunsten unterstelle, dass er die Beschilderung tatsächlich übersehen habe, habe es für ihn keinen Grund gegeben, die Geschwindigkeit herabzusetzen.