Arbeitsunfall in der Reithalle?

Pferdebesitzer verlangt von der gesetzlichen Unfallversicherung Leistungen für eine verletzte Bekannte

onlineurteile.de - Herr F hatte sein Pferd auf einem Reiterhof untergebracht. Da er weiter weg wohnte und beruflich viel zu tun hatte, bat er häufig andere Mitglieder des Reitvereins darum, sein Pferd zu bewegen. Eine befreundete Reiterin führte es immer wieder einmal auf die Weide oder in die Reithalle. Dort ereignete sich der Unfall: Das Pferd erschrak aus unbekannten Gründen, brach aus und zog die Frau an der Leine hinter sich her. Dabei verletzte sie sich. Vom Tierhalter verlangte die Bekannte Schadenersatz für Behandlungskosten.

Um der Haftung zu entgehen, meldete der Mann den Vorfall der zuständigen Berufsgenossenschaft — Versicherungsträger der gesetzlichen Unfallversicherung — und beantragte Leistungen für die Verletzte: Es sei ein Arbeitsunfall gewesen, behauptete er, auch wenn er der Bekannten für die Gefälligkeit nichts gezahlt habe. Sie sei arbeitnehmerähnlich, wie eine Tierpflegerin für ihn tätig gewesen. Wenn er keine Zeit gehabt habe, sei die Reiterin oft eingesprungen. Ohne das Pferd selbst zu reiten, sie habe es nur in seinem Interesse bewegt.

Die Berufsgenossenschaft verneinte einen Arbeitsunfall und lehnte den Antrag ab: Eine Hilfeleistung unter Reitfreunden habe nichts mit einer ernsthaften Beschäftigung zu tun. Das sei keine versicherte, arbeitnehmerähnliche Tätigkeit. Unter Reitern seien solche Gefälligkeiten üblich, das gehöre zum Reitsport.

Gegen diesen Bescheid klagte der Pferdebesitzer beim Sozialgericht, um prüfen zu lassen, ob ein Arbeitsunfall vorlag. So eine Klage war hier zulässig: Er war zwar nicht selbst verunglückt, dennoch betraf ihn der negative Bescheid der Berufsgenossenschaft indirekt, weil ihn die Bekannte auf Schadenersatz verklagt hatte. Als Tierhalter musste er für die Unfallfolgen einstehen — es sei denn, es war ein Arbeitsunfall.

Aber auch das Sozialgericht Detmold entschied, dass hier kein Arbeitsunfall vorlag (S 1 U 18/13). Diese Art von Sonderbeziehung unter Sportkameraden habe keinerlei Ähnlichkeit mit einem Arbeitsverhältnis. Die Reitgemeinschaft habe sich regelmäßig in der Reitanlage getroffen. Der Pferdebesitzer habe die Bekannte geduzt, wie das in einem Sportverein der Brauch sei und habe sie gelegentlich privat eingeladen.

Letztlich habe er ja selbst betont, wie "normal" es in einer Reitgemeinschaft sei, sich gegenseitig zu unterstützen. Wenn ein Reiter keine Zeit habe, sein Pferd zu bewegen, tue ihm ein anderer Reiter diesen Gefallen. Das sei unter Pferdefreunden selbstverständlich, Geld habe die Bekannte dafür nie bekommen.