Arbeitnehmer gibt Sozialversicherungsausweis nicht ab

Arbeitgeber stoppt deshalb die Lohnfortzahlung - Krankenkasse verlangt von ihm Krankengeld zurück

onlineurteile.de - Weil ein erkrankter Bauarbeiter trotz mehrmaliger Aufforderung des Unternehmens seinen Sozialversicherungsausweis nicht beim Arbeitgeber abgab, stellte das Unternehmen die Lohnfortzahlung ein, die dem Arbeitnehmer im Krankheitsfall nach dem Gesetz zusteht. Deshalb musste die gesetzliche Krankenkasse in diesem Zeitraum dem Bauarbeiter Krankengeld zahlen. Sie verlangte vom Bauunternehmen, diesen Betrag zu erstatten. Doch das Unternehmen lehnte ab.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) gab der Krankenkasse Recht (5 AZR 143/94). Arbeitnehmer seien verpflichtet, im Krankheitsfall den Sozialversicherungsausweis beim Arbeitgeber zu hinterlegen. So werde es unmöglich, während der Arbeitsunfähigkeit einer anderen Beschäftigung nachzugehen und gleichzeitig die Lohnfortzahlung zu kassieren. Der Arbeitgeber könne die Zahlung zeitweilig aussetzen, "solange der Arbeitnehmer den Ausweis nicht hinterlegt" - nicht aber endgültig verweigern.

Hätten Arbeitgeber das Recht, die Lohnfortzahlung zu verweigern, könnte man zwar den Missbrauch besser bekämpfen, betonte das BAG - aber nur dann, wenn in diesen Fällen die Krankenkasse auch kein Krankengeld zahlen müsste. Eine so weitreichende Konsequenz sei dem Gesetz aber nicht zu entnehmen. Die Krankenkasse sei vielmehr gesetzlich zur Zahlung verpflichtet, auch wenn ein arbeitsunfähiger Arbeitnehmer seinen Sozialversicherungsausweis nicht abgebe. Daher dürfe konsequenterweise auch der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung nicht ein für allemal ablehnen. Das Bauunternehmen müsse der Krankenkasse das Krankengeld ersetzen.