All-Inclusive-Reisende nach Hause geschickt

Ist es zu tolerieren, wenn sich Urlauber während einer All-Inclusive-Reise daneben benehmen?

onlineurteile.de - Ein deutsches Paar, das im Sommer 2011 Urlaub in der Türkei machte, musste vorzeitig die Koffer packen. Für 1.043 Euro hatten die Urlauber bei einem Reiseveranstalter eine All-Inclusive-Reise gebucht. Angeblich störten sie im Hotel durch lautstarken Streit wiederholt die Nachtruhe anderer Gäste, die sich massiv beschwerten. Dass dies mehrmals passierte, stritt das Paar später ab.

Fest steht jedoch, dass die Hotelleitung mindestens einmal die Polizei rief, um das betrunkene Paar zur Vernunft zu bringen. Der Hotelchef verwies die Urlauber des Hauses. Der Reiseleiter des Reiseveranstalters brachte das Paar in ein anderes Hotel. Sogleich nach der Ankunft kam es dort an der Poolbar wieder zu einer Auseinandersetzung. Daraufhin weigerte sich das zweite Hotel, die Reisenden aufzunehmen.

Sie mussten den Urlaub abbrechen und für die vorzeitige Heimreise Flugtickets kaufen. Vom Reiseveranstalter verlangte der Kunde Ersatz für die zusätzlichen Reisekosten und eine Minderung des Reisepreises. Zu Recht, wie das Amtsgericht Viersen entschied: Der Reiseveranstalter hätte den Reisevertrag mit den Urlaubern nicht kündigen dürfen (2 C 446/11).

Die Begründung des Amtsgerichts klingt wie eine Generalabsolution für All-Inclusive-Urlauber: Eine lautstarke Auseinandersetzung genüge nicht, um eine Kündigung zu rechtfertigen — selbst wenn der Kunde und seine Lebensgefährtin tatsächlich betrunken herumgebrüllt hätten. Denn da sei der Charakter der Reise zu berücksichtigen.

Bei All-Inclusive-Reisen bekomme der Reisende für einen Pauschalpreis Essen und Getränke, auch alkoholische, in unbegrenzter Menge. Bei Billigreisen dieser Art stelle es geradezu ein "typisches Reiseverhalten dar", reichlich Alkohol zu konsumieren. Verfehlungen der Urlauber seien vor diesem Hintergrund zu tolerieren; jedenfalls in einem höheren Maß, als das bei anderen Pauschalreisen der Fall wäre.

Dass ein Beziehungsstreit durch Alkoholgenuss in einem Einzelfall eskaliere, sei zur Nachtzeit für andere Gäste ärgerlich. Die Urlauber deshalb nach neun Tagen Sommerurlaub heimzuschicken, obwohl sie 18 Tage gebucht haben, sei trotzdem überzogen. Dass die Frau in ihrem Ärger "So ein Scheißland" gerufen habe, ändere daran nichts. Das sei kein fremdenfeindliches Auftreten, sondern eine unglückliche Äußerung in emotional aufgeladener Situation.