Versicherung

In Polen zum Zahnarzt

Krankenkassen müssen eine Zahnersatzbehandlung im EU-Ausland nur finanzieren, wenn sie vorher genehmigt wurde

Eine 38 Jahre alte Frau aus Niedersachsen benötigte große Brücken im Oberkiefer und Unterkiefer. Ihr Zahnarzt hatte einen Heil- und Kostenplan dafür erstellt, rund 5.000 Euro sollte die Behandlung kosten. Die gesetzliche Krankenkasse der Patientin bewilligte einen Zuschuss von 3.600 Euro. Um den Eigenanteil von 1.400 Euro nicht zahlen zu müssen, reiste die Frau nach Polen. Dort wurde die Behandlung für 3.300 Euro durchgeführt.

Anschließend reichte die Patientin die Rechnung bei der Krankenversicherung ein. Die Kasse erstattete jedoch nur die Kosten für die Brücke im Oberkiefer. Denn: Nach einem Gutachten ihres Medizinischen Dienstes entsprach die Brücke im Unterkiefer nicht den in Deutschland gültigen Maßstäben für Qualität. Die Klage der Versicherten auf volle Kostenübernahme scheiterte beim Landessozialgericht (LSG) Niedersachsen-Bremen (L 4 KR 169/17).

Nach Ansicht des LSG spielte es allerdings keine Rolle, dass die Brücke mangelhaft angefertigt war. Ausschlaggebend sei vielmehr die Tatsache, dass die Krankenkasse die Behandlung nicht vorher genehmigt habe. Prinzipiell könnten sich Patienten schon im EU-Ausland behandeln lassen. Doch vor der Behandlung hätte die Versicherte einen Heil- und Kostenplan der polnischen Praxis vorlegen müssen — der Heil- und Kostenplan ihres deutschen Zahnarztes ersetze dies nicht.

Das Verfahren der Krankenkassen gelte gleichermaßen für Deutschland wie für das Ausland. Krankenkassen müssten die Möglichkeit haben, vor der Behandlung den geplanten Zahnersatz zu überprüfen. Die wesentlichen Kriterien seien dabei die medizinische Notwendigkeit, die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der Behandlung. Falls es nötig sei, werde ein Sachverständigengutachten angefordert. Wenn der/die Versicherte der Krankenkasse diese Prüfung nicht ermögliche, verliere er/sie den Anspruch auf Kostenübernahme.

Auf Dienstreise beklaut

Verletzt sich ein Arbeitnehmer beim Verfolgen eines Diebes, ist das kein Arbeitsunfall

Ein Angestellter nahm im Auftrag seines Konzerns an einem Kongress in Barcelona teil. Als die offizielle Abendveranstaltung beendet war, besuchte der Mann mit Kollegen noch eine Bar. Bis nach vier Uhr morgens saßen sie zusammen. Dann wollte der Angestellte zu seinem Hotel zurück und rief ein Taxi. Beim Einsteigen wurde er von einem Passanten angerempelt, der sein Portemonnaie "mitgehen ließ".

Obwohl der Barbesucher um diese Zeit wohl nicht mehr topfit war, rannte er hinter dem Dieb her. Doch bei der Verfolgungsjagd stellte ihm jemand ein Bein — vermutlich ein Mittäter. Beim Sturz zog sich der Mann einen Bruch am Ellenbogengelenk zu. Da ihm der Unfall während einer Dienstreise passiert war, nahm er an, Anspruch auf Leistungen von der gesetzlichen Unfallversicherung zu haben.

Doch die Berufsgenossenschaft verneinte einen Arbeitsunfall: Der Arbeitnehmer sei nicht direkt vom Berufskongress ins Hotel zurückgekehrt, sondern habe den Abend mit einer privaten Feier in einer Bar beendet und so den Rückweg unterbrochen. Damit entfalle der Versicherungsschutz. Mit einer etwas anderen Begründung wies das Landessozialgericht Hessen die Klage des Angestellten gegen die Berufsgenossenschaft ab (L 9 U 118/18).

Grundsätzlich seien Arbeitnehmer während einer Dienstreise auf dem Weg vom Hotel zum Tagungsort und auf dem Rückweg unfallversichert. Das gelte jedoch nicht, wenn ein Versicherter auf dem Weg überfallen werde und sich bei dem Versuch verletze, dem Dieb die gestohlene Geldbörse wieder abzunehmen. Da fehle der Zusammenhang zur beruflichen Tätigkeit bzw. den betrieblichen Aufgaben während der Dienstreise.

Das sehr verständliche Motiv, die Geldbörse zurückzubekommen, sei ein rein privates. Wer mit diesem persönlichen Interesse einen Dieb verfolge, stehe dabei nicht unter dem Schutz der Unfallversicherung. Es gebe zwar auch den Ausnahmefall, dass ein Versicherter einen Täter verfolge, um ihn "im Interesse des Allgemeinwohls" der Justiz "zuzuführen". Wenn jemand sozusagen für die Rechtsordnung tätig werde, sei er unfallversichert. Darum sei es dem Angestellten im konkreten Fall aber nicht gegangen.

Rentenversicherung lässt Antragsteller abblitzen

Die Rentenkasse darf von Versicherten nicht verlangen, selbst ärztliche Auskünfte einzuholen

Ein 29 Jahre alter Arbeitnehmer litt unter orthopädischen Beschwerden. Bei der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland beantragte er deshalb eine Rehabilitationsmaßnahme. Die Rentenkasse unterhält deutschlandweit eigene Kliniken für solche Maßnahmen, die erkrankte gesetzlich Versicherte wieder fit fürs Erwerbsleben machen sollen. Doch im konkreten Fall lehnte die Rentenkasse den Antrag des Versicherten ohne weitere Begründung ab.

Der Arbeitnehmer legte gegen den Bescheid Widerspruch ein. Daraufhin forderte ihn die Rentenversicherung auf, Unterlagen der behandelnden Ärzte vorzulegen. Die Kosten dafür könne sie aber nicht erstatten. Da der Versicherte nicht reagierte, ließ ihn die Rentenkasse erneut abblitzen — ohne selbst weitere Ermittlungen durchzuführen. Eine Rehabilitationsleistung sei nicht erforderlich, behauptete sie.

Gegen diesen Bescheid klagte der Arbeitnehmer und bekam vom Sozialgericht Dresden Recht (S 22 R 261/19). Die Rentenversicherung sei "von Amts wegen" verpflichtet, den Gesundheitszustand von Antragstellern zu ermitteln, so das Sozialgericht. Nur auf dieser Grundlage könne sie sachgerecht über Anträge auf Rente oder Reha entscheiden. Diese Pflicht dürfe sie nicht auf die gesetzlich Versicherten abwälzen.

Den Antragsteller aufzufordern, die nötigen ärztlichen Auskünfte selbst und auf eigene Kosten zu beschaffen, sei rechtswidrig. Die Versicherten müssten der Rentenkasse nur ihre Ärzte nennen und die Ärzte von der Schweigepflicht entbinden, damit sie die medizinischen Befunde weitergeben dürften. Einholen müsse die Rentenversicherung die ärztlichen Auskünfte jedoch selbst. Auch die Kosten dafür müsse sie übernehmen.

Wenn plötzlich die Autotür aufgeht

Beim Vorbeifahren an geparkten Autos genügt ein halber Meter Sicherheitsabstand

Kurz vor einer Kreuzung verengte sich die Fahrbahn. Hier parkte Autofahrer A am rechten Straßenrand und wollte aussteigen. In diesem Moment fuhr Frau B vorbei und stieß mit ihrem Wagen gegen die geöffnete Autotür. Die Reparatur des Wagens, der ihrem Ehemann gehörte, kostete rund 2.500 Euro.

Dafür verlangte Herr B Schadenersatz von Autofahrer A, dem er die Schuld am Unfall zuschrieb. Ohne auf den Verkehr zu achten, habe A plötzlich und weit in die Straße hinein die Tür aufgerissen, so habe seine Frau den Unfall geschildert. Dagegen behauptete Herr A, er habe die Tür höchstens 20 Zentimeter aufgemacht, und das schon Minuten vor dem Zusammenstoß.

Gestützt auf das Unfallgutachten eines Kfz-Sachverständigen entschied das Landgericht Hagen den Streit zu Gunsten des Klägers B (3 S 46/17). Der Experte hatte herausgefunden, dass die Fahrertür von A 50 bis 88 Zentimeter geöffnet war. Damit habe A aufs Gröbste gegen die Regel verstoßen, dass parkende Autofahrer beim Aussteigen sorgfältig auf den von hinten kommenden Verkehr achten müssten, erklärte das Landgericht: Vorrang habe immer der "fließende Verkehr".

Frau B sei kein Mitverschulden anzulasten: Laut Gutachten habe sie A’s Wagen mit einem Abstand von 54 bis 80 Zentimetern passiert, sei also nicht zu nah herangefahren. Welcher Sicherheitsabstand zu einem stehenden Fahrzeug eingehalten werden müsse, hänge von den Umständen ab: Handle es sich um einen Pkw oder um einen Bus? Wie breit sei die Straße und sei mit Gegenverkehr zu rechnen?

Wenn da ein Pkw parke, genüge im Prinzip ein Seitenabstand von einem halben Meter. So habe der parkende Autofahrer (oder gegebenenfalls Mitfahrer) die Möglichkeit, vorsichtig die Tür zu öffnen und erst einmal rückwärts nach dem Verkehr zu schauen. Mehr Abstand zu lassen, wäre an dieser Stelle der Straße sogar riskant. Denn die Fahrbahn sei hier nur knapp zwei Meter breit und Frau A habe in der Nähe einer Kreuzung mit Gegenverkehr rechnen müssen.

Ist Schwangerschaft eine Krankheit?

Schwangere Pilotin verlangt Berufsunfähigkeitsrente

Als die Pilotin einer Fluggesellschaft schwanger wurde, beantragte sie Leistungen von ihrer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung. Das Versicherungsunternehmen lehnte den Antrag ab: Wenn die Frau aufgrund einer Schwangerschaft fluguntauglich werde, sei das kein Versicherungsfall. Versichert sei nur der "Verlust der Flugtauglichkeit aus gesundheitlichen Gründen". Die Pilotin habe daher keinen Anspruch auf die Berufsunfähigkeitsrente.

Das Oberlandesgericht Bremen entschied anders - mit einer etwas komplizierten Argumentation (3 U 149/94): Im Versicherungsvertrag werde Berufsunfähigkeit als eine Folge von Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall definiert. Diese Klausel könne man auf zwei Arten interpretieren. Erstens sei die Ansicht vertretbar, eine problemlose Schwangerschaft sei weder eine Krankheit, noch ein "Fehlen von Gesundheit". Zweitens könne man die körperliche Veränderung, die mit der Schwangerschaft verbunden sei, aber auch als als "gesundheitlichen Grund" im Sinne der Versicherungsklausel ansehen.

Für die zweite Auffassung sprächen vor allem die strengen Anforderungen, die Piloten körperlich und geistig erfüllen müssten. Da die Klausel mehrdeutig sei und mindestens zwei Auslegungsmöglichkeiten zulasse, habe das Gericht nach der gesetzlichen Vorschrift die für den Versicherungsnehmer günstigere anzuwenden. Deshalb müsse die Versicherung der Pilotin die Berufsunfähigkeitsrente zahlen.

Krankenkassen müssen Ersatzdrogen bezahlen

Remedacen kommt für Suchtkranke nur ausnahmsweise als Alternative zu Methadon in Frage

Krankenkassen sind verpflichtet, heroinkranken Kunden die Ersatzdroge Methadon zu bezahlen. Die Kosten für eine Behandlung mit Remedacen (900 DM pro Monat) werden regelmäßig nicht übernommen. Remedacen ist ein Hustenmittel. Doch in hoher Dosis stillt es den Heroinhunger von Suchtkranken und kann so die Abhängigen von der "Szene" fernhalten.

Das Bundessozialgericht hatte darüber zu entscheiden, ob das Mittel in die Reihe der kassenpflichtigen Behandlungsmethoden aufgenommen werden soll, wenn es ärztlich verordnet wird. Die Richter in Kassel verwiesen die Streitfrage an die Vorinstanzen zurück: Es müsse anhand des Einzelfalls geklärt werden, ob die Voraussetzungen für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse vorlägen (1 RR 6/93). Dabei sei immer zu berücksichtigen, dass es Ziel der Behandlung bleiben müsse, von der Droge wegzukommen.

Die Sucht nach Remedacen dürfe die ursprüngliche Sucht nicht ersetzen. Außerdem müsse die Einnahme des Stoffes streng kontrolliert werden. Dies sei bei Remedacen schwieriger als beim Ersatzstoff Methadon, weil das Mittel den Drogenhunger immer nur für vier bis sechs Stunden ausschalte. Es regelmäßig in der Arztpraxis einzunehmen, sei also praktisch unmöglich. Methadon halte dagegen etwa 24 Stunden vor. Eine erstattungspflichtige Behandlung mit Remedacen komme deshalb nur in Frage, wenn der Süchtige Methadon nicht vertrage oder wenn nur eine kurze Zeit bis zur Entzugstherapie überbrückt werden müsse.

Kleinkind stellt den Herd an: Brandschaden

Ohne konkreten Anlass müssen Kinder in der Wohnung nicht pausenlos überwacht werden

Mit ihrem 20 Monate alten Jungen besuchte eine Frau ihre Mutter in deren Wohnung. Die beiden Frauen wollten mit dem Kleinkind zu einem Spielplatz gehen. Während sie sich im Flur anzogen, ging der Junge kurz zurück in die Küche und kam nach ungefähr einer Minute mit einer Spielzeug-Lokomotive zurück. Die Frauen dachten, er habe nur sein Lieblingsspielzeug geholt und verließen die Wohnung.

Tatsächlich hatte das Kind aber in der Küche auch den Herd eingeschaltet, auf dem leicht brennbare Sachen standen. Es entwickelte sich ein Wohnungsbrand. Für den Schaden kam die Gebäudeversicherung des Vermieters auf, die anschließend die Kindesmutter auf Schadenersatz verklagte: Sie habe ihre Aufsichtspflicht verletzt, weil sie den Buben allein in der Küche habe hantieren lassen.

Diesen Vorwurf wies das Landgericht Heidelberg zurück: Die Gebäudeversicherung habe keinen Anspruch auf Schadenersatz (3 O 229/16). Mutter und Großmutter hätten überzeugend geschildert, dass der kleine Junge damals die Spielzeug-Lokomotive ständig bei sich trug. Ihre Annahme, er habe sie auf den Spielplatz mitnehmen wollen, sei daher gut nachvollziehbar.

Also habe es für die Frauen keinen Grund gegeben, vor dem Verlassen der Wohnung zu überprüfen, was das Kleinkind in der Küche sonst noch getan haben könnte. Denn der Junge habe noch nie zuvor am Herd oder mit Feuerzeugen herumgespielt. Wenn ein Kind in dieser Hinsicht schon aufgefallen sei, müsse man es selbstverständlich ständig überwachen.

Ohne so einen konkreten Anlass sei es aber nicht notwendig, einem Kleinkind in der Wohnung auf Schritt und Tritt zu folgen. Das schade der Entwicklung des Kindes und sei für die Eltern unzumutbar. Die Mutter habe daher ihre Aufsichtspflicht nicht dadurch verletzt, dass sie den Jungen für ca. eine Minute aus dem Blick verlor. Er habe sich ja nur wenige Meter entfernt.

Vater bleibt Kindesunterhalt schuldig

Löst der Unterhaltsschuldner seine Lebensversicherung auf, kann dieses Vermögen beschlagnahmt werden

Der von seiner Familie getrennt lebende Mann hatte Mühe, den Unterhalt für seine drei minderjährigen Kinder aufzubringen. Dafür reichte sein laufendes Gehalt nicht, also blieb er den Unterhalt oft schuldig und häufte obendrein weitere Schulden an. Eines Tages teilte der Mann seiner Frau mit, er wolle seine Lebensversicherung auflösen und sich die Summe von 37.400 Euro auszahlen lassen.

Daraufhin beantragte die Frau im Namen ihrer Kinder beim Amtsgericht, dieses Vermögen zu beschlagnahmen (juristisch: "Arrest"). Es sei ernsthaft zu befürchten, dass der Vater die Versicherungssumme dazu verwende, seine Schulden zu tilgen — obwohl er in erster Linie verpflichtet sei, den Kindesunterhalt zu zahlen. Erfolglos widersprach der Vater diesem Antrag: Das Amtsgericht Nürnberg gab der Mutter Recht und entschied im Interesse der Kinder (103 F 1446/17).

Der Vater sei verpflichtet, den Unterhalt für seine minderjährigen Kinder sicherzustellen. Dafür müsse er Einkommen und Vermögen einsetzen. Verschuldet, wie der Mann sei, müsse man aber damit rechnen, dass er mit der Versicherungssumme aus der Lebensversicherung seine Schulden bedienen werde. Würde man dann erst Zwangsvollstreckung anordnen, um den Unterhalt einzutreiben, liefe sie wahrscheinlich ins Leere. Um das zu verhindern, müsse man den Zugriff auf das Vermögen von vornherein durch Beschlagnahme sichern.

Radfahrer stürzt beim Ausweichen

Auf dem Feldweg entgegenkommende Autofahrerin haftet zu 50 Prozent für die Folgen

Eine Begegnung der unangenehmen Art — dabei hatten sich die beiden Verkehrsteilnehmer gar nicht berührt! Ein Radfahrer war auf einem ca. zwei Meter breiten, befestigten Feldweg in der Umgebung des hessischen Städtchens Gelnhausen unterwegs. Dort kam ihm eine Autofahrerin entgegen, die für Gelnhausen eine Kontrollfahrt ausführte. Der Radfahrer wich nach rechts aus: auf den unbefestigten und vom Regen matschigen Seitenstreifen.

Problemlos kam er so am Wagen vorbei. Doch als er wieder auf den befestigten Weg auffahren wollte, stürzte der Mann und zog sich dabei einige Verletzungen zu. Von der Autofahrerin und deren Kfz-Haftpflichtversicherung forderte er Schadenersatz für Behandlungskosten und die Fahrradreparatur. Zu Recht, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt (16 U 57/18).

Allerdings müsse sich der Verletzte wegen seines Mitverschuldens mit 50 Prozent Schadenersatz begnügen. Wenn der Platz so knapp sei, sei es allemal ratsam, mit dem Fahrrad stehenzubleiben und das entgegenkommende Auto vorbeifahren zu lassen. Jedenfalls habe der Radfahrer wohl den rutschigen Boden nicht beachtet und beim Wiederauffahren auf den Feldweg nicht die nötige Sorgfalt walten lassen.

Sein Sturz sei aber auch der Autofahrerin zuzuschreiben, obwohl sie nichts falsch gemacht habe und mit dem Radfahrer nicht zusammengestoßen sei. Zunächst habe das Wechseln auf den Seitenstreifen zwar geklappt, dennoch habe sich beim Sturz des Radfahrers noch eine vom Auto ausgehende Gefahr ausgewirkt. Denn das Fahrzeug habe das Ausweichmanöver ausgelöst und dieses Manöver habe der Radfahrer beenden wollen, indem er wieder auf den befestigten Weg auffuhr. "Letztlich liegt ein insgesamt missglücktes Ausweichmanöver vor, das … der Betriebsgefahr des Fahrzeugs zuzurechnen ist".

Reiseveranstalterin pleite, Romfahrt storniert

Kundengeldversicherer muss den Reisepreis auch ersetzen, wenn die Kundin mit Gutschein bezahlt hat

Für 438 Euro hatte Frau R einen Gutschein für eine Rom-Reise erworben: zwei Übernachtungen für zwei Personen im Doppelzimmer in einem 4-Sterne-Hotel. Sie buchte die Reise bei einer Reiseveranstalterin, die per Mail den Zahlungseingang durch den Gutschein bestätigte. Per Post schickte sie der Kundin eine Buchungsbestätigung, die Rechnung und den gesetzlich vorgeschriebenen Sicherungsschein.

Mit diesem Schein garantieren Versicherungsunternehmen dafür, dass Kunden den Reisepreis zurückbekommen, wenn der Reiseveranstalter "pleite" geht und die Reise deswegen storniert wird. Auch die Rom-Reise von Frau R fiel aus diesem Grund ins Wasser. Kurz vorher teilte die Veranstalterin mit, sie müsse die Reise absagen — es laufe gegen sie bereits ein Insolvenzverfahren. Nun forderte Frau R vom Reisepreisversicherer das Geld zurück.

Doch das Unternehmen rückte die 438 Euro nicht heraus, weil die Kundin die Reise nicht mit Geld bezahlt hatte. Bei so genannten "Kundenbindungsmaßnahmen" wie Reisegutscheinen und Rabatten fließe kein Geld, erklärte die Versicherung: Also gelte für sie Absicherung des Reisepreises nicht. Mit diesem Argument war das Amtsgericht Frankfurt nicht einverstanden (30 C 3256/17).

Frau R habe den Reisegutschein als Zahlungsmittel für eine zu buchende Reise erworben. Dass sie bei der Reiseveranstalterin einen bei Firma X gekauften Gutschein einlöste, ändere nichts daran, dass sie den Reisepreis bezahlt habe. Das Reiseunternehmen habe den Gutschein als Zahlung akzeptiert, dies mit der Rechnung untermauert und den Zahlungseingang per Mail nochmals ausdrücklich bestätigt. Also müsse der Reisepreisversicherer den Reisepreis ersetzen.

Hartz-IV-Empfänger setzt auf homöopathische Mittel

Das Jobcenter muss keine anderen Medikamente finanzieren als die gesetzliche Krankenkasse

Ein 64 Jahre alter Hartz-IV-Empfänger aus Bremen beantragte bei seinem Jobcenter 150 Euro pro Monat zusätzlich. Diesen Mehrbedarf begründete er damit, dass er keine herkömmlichen Medikamente vertrage. Um seine diversen Leiden zu lindern, benötige er pflanzliche und alternativmedizinische Präparate (so z.B. Kytta, Quark, Ingwer, Zeel, Neurexan, Magnesium, Arnika, Dekristol).

Da seine Krankenkasse unverständlicherweise für diese Arzneimittel nicht zahle, müsse das Jobcenter die Kosten übernehmen. Das sah der Sachbearbeiter im Jobcenter allerdings anders und die Justiz gab ihm Recht: Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen wies die Klage des Hilfeempfängers auf Kostenübernahme ab (L 15 AS 262/16).

Das Jobcenter finanziere für die Hilfeempfänger die Beiträge zur Krankenversicherung: Damit sei deren medizinische Versorgung im Prinzip gesichert. Arzneimittel, die im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen nicht enthalten seien, müssten die Hartz-IV-Empfänger selbst zahlen — wie alle anderen gesetzlich Versicherten auch. Hilfeempfänger hätten keinen Anspruch auf Wunschmedizin aus Steuermitteln.

Wer Mehrbedarf anmelde, müsse dafür eine dringende medizinische Indikation nachweisen. Pauschal eine Unverträglichkeit "normaler" Medikamente zu behaupten, genüge nicht. Ärztlich festgestellt sei nur, dass der Hartz-IV-Empfänger entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente brauche. Diese Wirkung sei mit homöopathischen Produkten gar nicht zu erzielen, dafür fehle jeder wissenschaftliche Beweis. Lebensmittel (Quark, Ingwer) müsse der Hilfeempfänger ohnehin selbst zahlen.

Geparktes Auto ausgeräumt

Muss die Hausratversicherung des Autobesitzers die gestohlenen Gegenstände ersetzen?

Ein Versicherungsnehmer forderte von seiner Hausratversicherung 3.000 Euro Schadenersatz: Unbekannte Täter hatten aus seinem geparkten Auto Gegenstände "mitgehen lassen". Aufbruchspuren hatte die Polizei allerdings nicht festgestellt.

Nach den Versicherungsbedingungen musste das Unternehmen bei Diebstahl einspringen, wenn dabei das verschlossene Fahrzeug aufgebrochen wurde. Oder wenn dabei "falsche Schlüssel oder andere, nicht zum ordnungsgemäßen Öffnen bestimmte Werkzeuge" verwendet wurden.

Das Amtsgericht Frankfurt wies die Zahlungsklage des Autobesitzers gegen die Hausratversicherung ab (32 C 2803/18 (27)). Versichert sei nur Einbruchdiebstahl. Dass der Wagen aufgebrochen wurde, sei aber mangels einschlägiger Spuren nicht bewiesen. Dass Diebe den Verriegelungsmechanismus elektronisch manipuliert hätten, sei zwar durchaus möglich. Es stehe hier jedoch nichts sicher fest.

Täter könnten den Wagen mittels "Relay Attack" geöffnet haben. "Relay Attack" bedeute: Der Täter fange das Funksignal des Autoschlüssels ab, um mit den ausgespähten Daten das verschlossene Auto zu öffnen. Dieses Vorgehen könnte man als Einsatz "eines nicht zum ordnungsgemäßen Öffnen bestimmten Werkzeugs" ansehen. Allerdings sei nicht nachgewiesen, dass diese Methode angewandt wurde und das Auto tatsächlich verschlossen gewesen sei.

Eventuell könnten die Täter auch mit einem "Jammer" (= ein Sender) die Funkfernbedienung des Schlüssels blockiert haben. Das würde wiederum bedeuten, dass das Fahrzeug gar nicht erst abgeschlossen worden sei. Da nur ein Diebstahl aus dem verschlossenen Wagen versichert sei, entfiele dann schon aus diesem Grund der Versicherungsschutz. Fazit: Wenn Aufbruchspuren fehlten, müsse die Hausratversicherung aus dem Auto gestohlene Sachen nicht ersetzen.

Eltern zahlen Krankenversicherungsbeiträge: Steuerabzug?

Kurzartikel

Zahlen Eltern die Beiträge zur (gesetzlichen oder privaten) Kranken- und Pflegeversicherung für ein volljähriges Kind, das sich noch in Ausbildung befindet, können sie die Summe als Sonderausgabe vom zu versteuernden Einkommen abziehen. Das gilt auch dann, wenn die Beiträge von der Ausbildungsvergütung des Kindes einbehalten und direkt an die Krankenversicherung abgeführt werden — unter der Bedingung, dass die unterhaltspflichtigen Eltern dem Kind die Beiträge "in bar" erstatten und dadurch "wirtschaftlich belastet" sind.

Betriebsrente wegen Erwerbsminderung

Die Rente erst ab dem Tag des Antrags zu gewähren, kann Mitarbeiter unangemessen benachteiligen

Arbeitnehmer A, geboren 1957, war von 1973 bis Ende September 2005 bei der Firma X beschäftigt. Ihm stand von der Firma und deren Pensionskasse eine Betriebsrente zu. Ab 2005 arbeitete A zunächst für ein anderes Unternehmen. Im Februar 2013 beantragte der erkrankte 56-Jährige eine gesetzliche Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung. Sie wurde von der Deutschen Rentenversicherung im November 2015 bewilligt — rückwirkend ab Februar 2013.

Daraufhin beantragte A im November 2015 auch seine Betriebsrente. Ab 1. November 2015 erhielt er sie — allerdings nicht rückwirkend ab 2013. Das lehnten Firma X und die Pensionskasse unter Verweis auf die Allgemeinen Versicherungsbedingungen der Pensionskasse ab: An Antragsteller, die vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden, werde die Betriebsrente erst ab dem Monat gezahlt, in dem sie beantragt wurde.

Damit gab sich der Rentner nicht zufrieden und verlangte Zahlung ab Februar 2013. Seine Klage hatte beim Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf Erfolg (6 Sa 983/16). Die Versicherungsbedingungen legten fest, die Rente erst ab der Antragstellung zu gewähren und machten zugleich die Antragstellung abhängig davon, ob der Arbeitnehmer Nachweise für die Erwerbsminderung vorlegen könne. Diese Klauseln seien unwirksam, weil sie die Arbeitnehmer unangemessen benachteiligten, urteilte das LAG.

Einen Antrag auf Betriebsrente ohne Nachweise auszuschließen, sei unzulässig. Denn auf diese Weise hätte ein Arbeitnehmer selbst dann keinen Anspruch auf Betriebsrente, wenn der Rentenversicherungsträger und/oder ein Amtsarzt bzw. Werksarzt zunächst zu Unrecht eine Erwerbsminderung verneinten. In so einem Fall könne der Arbeitnehmer der Pensionskasse natürlich erst einmal keine Nachweise vorlegen. Dürfe er deshalb keinen Antrag stellen, würde er also zu Unrecht die Betriebsrente erst später erhalten.

Die Klausel mache den Beginn der Bezugsberechtigung davon abhängig, wie zügig und sorgfältig ein Sachbearbeiter bei der Rentenversicherung bzw. ein Amts- oder Werksarzt im konkreten Fall arbeite. Für den Arbeitnehmer bestehe dadurch das Risiko, schuldlos einen finanziellen Nachteil zu erleiden. Ein Interesse der Pensionskasse, das diesen Nachteil rechtfertigen könnte, sei nicht ersichtlich.

Dass die Pensionskasse bzw. Firma X die Betriebsrente nur dann vorzeitig auszahlen wolle, wenn die Erwerbsminderung eines Arbeitnehmers belegt sei, sei zwar verständlich. Dieses Ziel werde aber auch erreicht, wenn der Antragsteller die Belege nachreiche.

Ehemaliger Dachdecker arbeitet als Rettungsassistent

Darf die Berufsunfähigkeitsversicherung deshalb seine Rente streichen?

Seinen erlernten Beruf als Dachdecker hatte der Mann aus gesundheitlichen Gründen 2006 aufgeben müssen. Seitdem bezog der ehemalige Geselle eine kleine Rente von 348 Euro aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei einer Überprüfung seiner Lebensumstände stellte das Unternehmen zehn Jahre später fest, dass der Versicherungsnehmer mittlerweile bei einem Landkreis als Rettungsassistent angestellt war.

Daraufhin teilte ihm die Versicherung mit, dass sie nun ihre Leistungen einstellen werde, weil er eine andere Tätigkeit ausübe. Vergeblich wehrte sich der Mann dagegen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf gab der Versicherung Recht (I-24 U 4/18). Seine jetzige Berufstätigkeit als Rettungsassistent entspreche weitgehend seiner früheren Lebensstellung.

Beide Berufe setzten eine qualifizierte Ausbildung voraus, genießen vergleichbares soziales Ansehen. Auch das Einkommen sei vergleichbar. Die Versicherung habe ausgerechnet, dass ein Dachdeckergeselle heute 33.306 Euro verdienen könne. Der Rettungsassistent verdiene sogar mehr. Allerdings arbeite er nicht mehr tarifvertraglich garantierte 39 Stunden pro Woche wie früher, sondern 48 Stunden.

Auf einen sehr niedrigen Stundenlohn komme der Versicherungsnehmer bei seiner Rechnung aber nur deshalb, weil er die Zulagen für Wochenend- und Nachtdienste nicht berücksichtige. Da er diese Dienste regelmäßig leiste, seien aber auch die Zulagen fester Bestandteil seines Einkommens und müssten dazugezählt werden.

Dann sehe das Ergebnis anders aus: Der Rettungsassistent verdiene nur ca. fünf Prozent weniger, als er aktuell als Dachdecker verdienen würde. Ein Einkommensverlust von weniger als zehn Prozent sei jedoch vom Versicherten als zumutbar hinzunehmen.

Auch ein weiterer Einwand gegen die Vergleichbarkeit der beiden Berufe sei nicht stichhaltig: Als Rettungsassistent könne er seine Freizeit kaum planen, oft müsse er am Wochenende arbeiten. Schon möglich, dass darunter mancher soziale Kontakt leide. Aber der Beruf des Dachdeckers sei genauso von wechselnden Arbeitszeiten und deren Wirkung auf die Freizeit geprägt. Laut Tarifvertrag für das Handwerk werde die wöchentliche Arbeitszeit flexibel, je nach betrieblichen Notwendigkeiten und jahreszeitlichen Wetterbedingungen, verteilt und umverteilt.

Versicherungsnehmer nicht (mehr) berufsunfähig?

Will eine Versicherung ihre Leistungen einstellen, muss sie das gut begründen

Weil er nach einem Unfall gesundheitlich beeinträchtigt war, erhielt ein Versicherungsnehmer zunächst Leistungen aus seiner Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung. Die Versicherung hatte seine Berufsunfähigkeit und damit ihre Leistungspflicht vorbehaltlos anerkannt. 11 Monate später teilte sie dem Versicherungsnehmer jedoch mit, die Voraussetzungen für den Bezug der Berufsunfähigkeitsrente lägen nicht mehr vor.

Gegen die Einstellung der Zahlungen wehrte sich der Mann vor Gericht. Das Oberlandesgericht Celle bejahte seinen Anspruch auf Berufsunfähigkeitsrente (8 U 139/18). Wenn ein Versicherer uneingeschränkt anerkannt habe, dass die beruflichen und gesundheitlichen Voraussetzungen für die Berufsunfähigkeit gegeben seien, dürfe er das nicht so einfach zurücknehmen: Er müsse sich an seine Versicherungsbedingungen halten.

Demnach könne sich die Versicherung von der einmal anerkannten Leistungspflicht nur befreien, wenn sich der Gesundheitszustand des Versicherten spürbar verbessert habe, so dass er nun nicht mehr berufsunfähig sei. Das müsse sie schriftlich und so nachvollziehbar begründen, dass der Versicherungsnehmer sein Prozessrisiko einschätzen könne — wenn er gegen diese Entscheidung klagen wolle.

Daher müsse die Versicherung dem Versicherten Gutachten oder ärztliche Bescheinigungen zugänglich machen, auf die sie ihre Ansicht stütze, dass sich sein Gesundheitszustand seit der Anerkennung der Berufsunfähigkeit erheblich geändert habe. Das sei im konkreten Fall unterblieben. Die Versicherung habe nicht ausreichend dargelegt, auf Grund welcher Veränderungen der Versicherte nun wieder "berufsfähig" sei.

Insbesondere genüge es nicht, nur die von ärztlichen Gutachtern geschätzten Grade der Berufsunfähigkeit zum damaligen und zum aktuellen Zeitpunkt einander gegenüber zu stellen. Ärzte hätten einen Beurteilungsspielraum: Wegen der subjektiven Maßstäbe der Gutachter komme es nicht selten vor, dass verschiedene Ärzte demselben Gesundheitszustand unterschiedliche Grade der Berufsunfähigkeit zuordneten.

"Unvorhersehbar eintretende Krankheit"?

Schlaganfall während des Urlaubs: Reisekrankenversicherung will nicht für die Behandlung aufkommen

Ein Mann, der seit Jahren an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße und des Gehirns litt, plante eine Reise nach Kanada und versicherte sich vorher gegen "im Ausland unvorhergesehen eintretende Krankheiten". Im gleichen Jahr hatte er schon einen Schlaganfall erlitten, während der Urlaubsreise ereilte ihn ein zweiter Schlaganfall. Als der Herzkranke wenige Monate später verstarb, verlangten die Erben von der Reisekrankenversicherung Ersatz für die Kosten der stationären Behandlung in Kanada.

Die Versicherung lehnte jede Zahlung ab, da die Erkrankung des Mannes bekannt gewesen sei. Mit weiteren Problemen und Behandlungen hätte er daher rechnen müssen. Doch das Landgericht Köln entschied, dass die Versicherung die Kosten ersetzen muss (23 O 330/94). Für den Mann sei es nicht absehbar gewesen, dass es während seines Auslandsaufenthalts zu einem zweiten Schlaganfall kommen würde.

Dass er schon seit Jahren herzkrank gewesen sei und bereits einen Schlaganfall erlitten habe, mache den zweiten Schlaganfall noch nicht "vorhersehbar" im Sinne der Versicherungsbedingungen. Darauf könnte sich die Reisekrankenversicherung nur berufen, wenn die Behandlung des ersten Schlaganfalls noch nicht abgeschlossen gewesen wäre. Aus dem Bericht des behandelnden Arztes ergebe sich jedoch, dass nach der Entlassung aus dem Krankenhaus keine weiteren Behandlungen erfolgt seien.

Krankenkasse "cancelt" Familienversicherung

Mitversicherte Ehefrau bezog mehr Einkommen, als sie bei der Krankenkasse angegeben hatte

Die 78-Jährige war über ihren Ehemann in der gesetzlichen Krankenkasse als Familienangehörige kostenlos mitversichert. Angeblich war die Seniorin bei ihrem Mann geringfügig beschäftigt und bezog 325 Euro im Monat. Die Einkommensgrenze für die Familienversicherung lag im Jahr 2011 bei einem Verdienst von 365 Euro monatlich.

Bei einer Prüfung der Steuerbescheide für 2011 stellte die Krankenkasse des Ehepaares fest, dass die Frau aus drei Immobilien Mieteinnahmen bezog. Ihr Einkommen lag weit über der 365-Euro-Grenze, bis zu der sich Angehörige "familienversichern" können. Deshalb wandelte die Krankenkasse die beitragsfreie Familienversicherung der Seniorin in eine beitragspflichtige Mitgliedschaft um.

Dagegen klagte die Frau: Sie sei nur "formal" Miteigentümerin dreier Mietshäuser. Die Mietzahlungen ständen jedoch allein ihrem Ehemann zu. Dass das Finanzamt sie und ihren Mann zusammen veranlagt habe, spiele doch bei der Sozialversicherung keine Rolle. Mit diesem Argument war das Sozialgericht Düsseldorf überhaupt nicht einverstanden (S 8 KR 412/16).

Die steuerrechtliche Zuordnung sei hier sehr wohl entscheidend: Da die Immobilien zur Hälfte der Ehefrau gehörten, sei ihr auch die Hälfte der Mieteinnahmen zuzurechnen. Sie könne sich nicht durch "selektive", unterschiedliche Angaben beim Finanzamt und bei der gesetzlichen Krankenkasse Vorteile "herauspicken".

Bei der Krankenversicherung habe die Versicherte die tatsächliche Höhe ihres Einkommens verschwiegen. Zu Recht habe die Krankenkasse deshalb rückwirkend die Familienversicherung aufgehoben. Da sie zu ihrem Einkommen unzutreffende Angaben gemacht habe, könne sich die Versicherte nicht darauf berufen, dass sie auf den Bestand der Familienversicherung vertraut habe.

Automatikauto macht sich selbständig

Wagen fährt führerlos gegen Toreinfahrt: Muss die Vollkaskoversicherung einspringen?

Autofahrer A fuhr mit seinem Automatikauto in einen Hof. Um etwas zu erledigen, stieg er aus, nachdem er den Schalthebel auf "N" gestellt hatte. Plötzlich setzte sich der Wagen in Bewegung — ohne Fahrer am Steuer. A riss die Fahrertür wieder auf und versuchte, das Auto zu stoppen. Doch damit machte er alles noch schlimmer. Denn in der Hektik erwischte der Autobesitzer mit dem Fuß nicht das Bremspedal, sondern das Gaspedal.

Nun schoss der Wagen nach vorne und gegen die Toreinfahrt, beschädigte einen Torflügel und zwei Stützpfeiler. Diesen Vorfall schilderte A seiner Vollkaskoversicherung: Doch die weigerte sich, den Schaden zu ersetzen, weil sie die "ganze Geschichte" für unglaubwürdig hielt. Doch gestützt auf das Gutachten eines Kfz-Sachverständigen entschied das Oberlandesgericht Braunschweig den Streit zu Gunsten des Versicherungsnehmers (11 U 74/17).

Die Kfz-Vollkaskoversicherung müsse auch dann für einen Schaden aufkommen, wenn der Sachverhalt nicht in allen Einzelheiten aufzuklären sei. Auf jeden Fall stehe hier fest, dass die Schäden an der Toreinfahrt und am Wagen nur auf einem Unfall beruhen könnten. Das reiche aus, um die Zahlungspflicht der Versicherung zu bejahen. Was der Autofahrer über den Unfallhergang berichtet habe, stimme mit den Angaben überein, die er direkt nach dem Unfall gegenüber verschiedenen Zeugen gemacht habe.

Darüber hinaus habe der gerichtliche Sachverständige bestätigt, dass die Spuren am Fahrzeug und in der Toreinfahrt zueinander passten und der Bericht von A "plausibel" sei. Der Kfz-Experte habe außerdem mit dem Auto einige Versuche durchgeführt. Mindestens einmal habe es sich — mit einem auf "N" gestellten Schalthebel — selbständig in Bewegung gesetzt. Das Unternehmen dürfe Versicherungsschutz auch nicht deshalb verweigern, weil A selbst das Gaspedal betätigt habe: Das sei bei dem Versuch, das allein fahrende Auto anzuhalten, versehentlich geschehen.

Standgebühren für Unfallwagen

Kfz-Versicherung spart Geld und wirft dem Unfallgeschädigten vor, er habe den Schaden erhöht!

Bei einem Verkehrsunfall hatte der VW Golf Variant von Autofahrer A Totalschaden erlitten. Der Kfz-Sachverständige ermittelte einen Restwert von nur 280 Euro. Doch die Kfz-Versicherung des Unfallverursachers unterbreitete dem Unfallgeschädigten nach einigen Wochen ein Restwertangebot von 3.200 Euro, das er annahm. Der Käufer holte das Schrottauto zehn Tage später ab.

Da Herr A kein eigenes Grundstück besitzt, stellte er den Unfallwagen nach dem Unfall bis zur Abholung 40 Tage lang kostenpflichtig bei einem Händler ab. Die Standgebühren von 573 Euro wollte die Kfz-Versicherung jedoch nicht ersetzen. Sie zahlte nur 200 Euro und warf dem Unfallgeschädigten vor, er habe gegen seine Pflicht verstoßen, den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Diesen Vorwurf wies das Amtsgericht Bruchsal zurück (30 C 570/17). Es sei zwar ungewöhnlich, wenn ein Autobesitzer den beschädigten Wagen 40 Tage lang auf einem gemieteten Platz stehen lasse, ohne ihn zu verkaufen. Dadurch, dass Herr A den Golf nicht sofort zu dem geringen, gutachterlich ermittelten Restwert verkauft habe, sei aber im Endeffekt der Schaden für die Kfz-Versicherung nicht erhöht, sondern verringert worden.

Hätte der Unfallgeschädigte den Golf sofort zum Restwert von 280 Euro verkauft, hätte er keine Standgebühren zahlen müssen. Dann hätte er aber für den Unfallwagen eben nur 280 Euro bekommen und der reine Sachschaden wäre um fast 3.000 Euro höher ausgefallen.

Um das zu verhindern, habe ihm die gegnerische Kfz-Versicherung ja wohl das höhere Restwertangebot eines Dritten vermittelt. Dass der Golfbesitzer abwartete und das höhere Restwertangebot annahm, habe die Schadenshöhe erheblich reduziert. Deshalb müsse die Versicherung die so entstandenen Stellplatz-Kosten in voller Höhe ersetzen.