Tierhaltung

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Büroverbot für einen Hund

Weil sich Mitarbeiter vor ihm fürchten, darf ihn die Tierhalterin nicht mehr mitbringen

Eine Tierhalterin arbeitet als persönliche Assistentin der Geschäftsführer für eine Werbeagentur. Drei Jahre lang brachte sie ihren Hund ins Büro mit, wie andere Kollegen auch. Ihr dreibeiniger Hund "Kaya" jagte einigen Mitarbeitern richtig Angst ein: knurrend, bellend und zähnefletschend bewachte er Frauchens Büro. Dennoch zeigte die Arbeitgeberin viel Geduld.

Erst einmal forderte sie die Assistentin nur auf, den Hund besser zu erziehen. Es wurde sogar ein Tiertrainer engagiert. Doch der Lerneffekt blieb aus. Kaya betrachtete weiterhin Büro und Flur als sein eigenes Revier. Angestellte flüchteten sich panisch in den Aufzug, wenn der Hund bellte; einer der Geschäftsführer erledigte seine Sachen lieber selbst, weil er sich dem Hund nicht nähern wollte; Kollegen schoben ängstlich Papiere unter der Tür durch.

Die Assistentin wies alle Beschwerden uneinsichtig zurück: Mal hatte der Hund nur auf "raschelndes Papier" reagiert, mal waren es die laut klappernden Schuhe einer Kollegin, die ihn angeblich aggressiv machten. Ein IT-Experte, der ihren Computer nicht mehr betreuen mochte, weil ihn der Hund schon mal bellend an die Wand gedrängt hatte, musste sich anhören "Ist doch gut, dass der Hund sein Revier verteidigt".

Schließlich zogen die Geschäftsführer die Reißleine und verboten der Frau, den Hund ins Büro mitzubringen. Dagegen klagte die Assistentin und Kaya wurde ein Fall für das Arbeitsgericht Düsseldorf (8 Ca 7883/12). Da es in der Agentur Mitarbeiter gebe, die sich mit gutem Grund vor dem Hund fürchteten, sei das Hausverbot gerechtfertigt, urteilte das Gericht. Die Arbeitgeberin habe in deren Interesse für Abhilfe sorgen müssen.

Der Hund habe sich so "daneben benommen", dass es für die Kollegen und die Geschäftsführer unzumutbar sei, ihn länger zu ertragen. Niemand habe sich mehr ins Büro der Assistentin getraut, die eigentlich die Anlaufstelle für jeden sein sollte, der mit der Geschäftsführung zu tun habe. Dass viele Mitarbeiter versuchten, diese Etage zu meiden, um dem Hund nicht zu begegnen, beeinträchtige den Arbeitsablauf in der Agentur.

Das Hausverbot für Kaya verstoße auch nicht gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung. Denn die Hunde der Kollegen stellten sich nicht zähnefletschend vor Mitarbeiter und Besucher. Arbeitnehmer hätten Anspruch auf einen "angstfreien Arbeitsplatz", den die Arbeitgeberin durchsetzen müsse. Dieses Interesse habe Vorrang vor dem Anliegen der Tierhalterin, ihren Hund im Vorzimmer der Geschäftsleitung bei sich zu haben.

Hund des Nachbarn gefüttert

Der überzieht die Nachbarin deshalb mit einer Unterlassungsklage!

Wer sagt denn, dass sich Nachbarn immer um Gartenzwerge oder Bäume am Zaun streiten müssen? Es geht auch origineller: Herr A hielt in einem Zwinger neben seinem Haus einen Beagle. Nachbarin B gab dem Hund gelegentlich mal ein "Hundeleckerli", was der Hundehalter missbilligte. Bei einer Geburtstagsfeier im Haus der Eltern verbot er Frau B ausdrücklich, sein Tier zu füttern.

Fast ein Jahr verstrich ohne weiteren "Fehltritt". Doch Anfang 2012 passierte es wieder: Frau B spazierte am Zwinger vorbei, während A anwesend war. Sie wollte dem Hund ein Hundeleckerli zustecken, A gab es ihr sofort zurück. Nun ging der Hundehalter in die Offensive.

Sein Anwalt schickte der Nachbarin eine Erklärung zu: Darin sollte sich Frau B verpflichten, den Hund nicht mehr zu füttern und bei einem Verstoß eine Vertragsstrafe zu zahlen. Herr A behauptete, es bestehe "Wiederholungsgefahr", weil die Nachbarin seinen Beagle mehrfach mit "nicht artgerechtem Hundefutter" traktiert habe (d.h. mit Wurstresten und Leberwurstbroten!).

Als sich Frau B weigerte, die Erklärung zu unterschreiben, erhob der Hundehalter Unterlassungsklage. Sie scheiterte beim Landgericht Meiningen (3 S 65/13 (18)). Grundsätzlich könne A als Eigentümer des Beagle bestimmen, dass Dritte seinen Hund nicht füttern dürften, so das Landgericht. Das gelte selbst dann, wenn dem Tier dadurch kein Schaden drohe. Schon der Umstand, dass es gegen den Willen des Hundehalters geschehe, beeinträchtige dessen Verfügung über sein Eigentum.

Anspruch auf Unterlassung habe Herr A trotzdem nicht, das würde "Wiederholungsgefahr" voraussetzen. Es bestehe aber keine Gefahr, dass sich dieser "Eingriff in sein Eigentum" wiederholen könnte. Zum einen habe die Tierfreundin B dies vor Gericht zugesichert. Zum anderen habe der Hundehalter nicht beweisen können, dass sie den Beagle mit Leberwurstbroten gefüttert habe.

Und allein aus dem "einmaligen Vorfall" mit dem Hundeleckerli sei nicht abzuleiten, dass Frau B sich dem Fütterungsverbot weiterhin widersetzen werde. Genau genommen habe die Nachbarin den Hund auch bei diesem Aufeinandertreffen gar nicht gefüttert, da A ihr das Hundefutter sofort zurückgab. In dieser Situation hätte er, anstatt die Justiz zu bemühen, die Frau an das Fütterungsverbot erinnern können. Das hätte durchaus gereicht.

Falsches Geburtsdatum im Pferdepass

Der Tierarzt hätte bei der Ankaufsuntersuchung der Stute den Fehler be- und vermerken müssen

Frau A kaufte im Sommer 2010 für 2.700 Euro eine Stute als Reitpferd. Laut Pferdepass sollte das Tier vier Jahre alt sein. So stand es auch im Kaufvertrag, der erst gelten sollte, wenn die Ankaufsuntersuchung ergab, dass das Pferd gesund war.

Der Verkäufer beauftragte damit eine Tierarztpraxis. Für Fehler bei der Ankaufsuntersuchung sollte die Tierarztpraxis nur gegenüber dem Verkäufer haften, so wurde es vereinbart. Ansprüche der Käuferin gegen die Praxis sollten dagegen ausgeschlossen sein.

Bei der Untersuchung übersah der Tierarzt eine wichtige Tatsache (oder er vergaß zumindest, sie zu protokollieren): Die Stute hatte ein vollständiges Milchgebiss. Sie konnte demnach noch nicht vier Jahre alt sein, auch wenn das laut Geburtsdatum im Pferdepass ihr Alter war. Als Frau A später davon erfuhr, verlangte sie Schadenersatz von der Tierarztpraxis.

Ihre Begründung: Das Pferd sei beim Kauf höchstens zweieinhalb Jahre alt gewesen, sie habe es als Reitpferd (noch) nicht einsetzen können. Daher müsse ihr die Tierarztpraxis die Summe ersetzen, die sie bis zum vierten Geburtstag für den Unterhalt des Tieres ausgegeben habe. Hätte sie ihr tatsächliches Alter gekannt, hätte sie die Stute nicht erworben.

Die Kosten schätzte das Oberlandesgericht (OLG) Hamm auf ca. 4.500 Euro für Unterbringung, Futter und Arztkosten (21 U 143/12). Der Tierarzt hätte die Käuferin darüber informieren müssen, dass das Milchgebiss mit dem Geburtsdatum im Pferdepass nicht zusammen passte, so das OLG. Da sein Befund fehlerhaft gewesen sei und Frau A die Stute aufgrund dieses Befundes gekauft habe, schulde die Tierarztpraxis der Käuferin Schadenersatz für ihre Ausgaben.

Vergeblich pochte der Tierarzt auf den vereinbarten Haftungsausschluss. Wenn der Verkäufer mit dem Tierarzt eine Ankaufsuntersuchung vereinbare, dürften sie die Haftung gegenüber dem Käufer nicht einseitig ausschließen, heißt es in dem Urteil. So ein Vertrag entfalte grundsätzlich auch Schutzwirkung zu Gunsten des Kaufinteressenten.

Was den Haftungsausschluss gegenüber dem Käufer betrifft, widersprach der 21. Senat des OLG Hamm mit diesem Urteil einer anderen Kammer des OLG Hamm, die eine derartige Vereinbarung zwischen Verkäufer und Tierarztpraxis für wirksam erklärt hatte (vgl. Artikel Nr. 53178: Beschluss vom 29.5.2013, AZ.: 12 U 178/12). Der Dissens innerhalb des OLG wird über kurz oder lang vom Bundesgerichtshof geklärt werden müssen.

Polizeihund beißt Demonstranten

Der Gebissene erhält als Trostpflaster 300 Euro Entschädigung

Im Herbst 2011 fand in Gießen eine Demonstration statt. Etwa 500 Personen protestierten gegen eine Festveranstaltung des Konsulats von Eritrea. Es kam zu aggressiven Wortgefechten zwischen Demonstranten und Teilnehmern an dem Fest. 50 Polizisten und einige Diensthunde waren im Einsatz, um die zwei Gruppen auseinanderzuhalten.

Die Diensthunde wurden an der Leine geführt und trugen einen Maulkorb. Sie sind so trainiert, dass sie auf Kommando Störer anspringen und verbellen. Demonstrant D bemühte sich, aufgebrachte Mit-Demonstranten zurückzuhalten, die zum Tor des Konsulats vordringen wollten. D forderte sie auf, den Anordnungen der hinter ihm stehenden Polizeibeamten zu folgen.

Just in diesem Augenblick biss ihn einer der Hunde von hinten in den Arm. Das war nur möglich, weil ein anderer Demonstrant den Hund zuvor so getreten hatte, dass sein Maulkorb verrutscht war. D erlitt eine Fleischwunde und musste sich ärztlich behandeln lassen. Dem Hundeführer warf er grobes Verschulden vor. Vom Bundesland Hessen als Dienstherrn des Beamten forderte der Gebissene 3.000 Euro Schmerzensgeld.

Das Landgericht Gießen hatte seine Klage abgewiesen, weil es keine Pflichtverletzung des Hundeführers erkennen konnte. Beim Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt hatte die Berufung des Demonstranten teilweise Erfolg (1 U 69/13). Das OLG sprach ihm immerhin eine kleine Entschädigung von 300 Euro zu, obwohl es ein grobes Verschulden des Beamten ebenfalls verneinte. Nicht der Hundeführer, sondern das Fehlverhalten eines unbesonnenen Demonstranten und eine unglückliche Verkettung von Umständen hätten die Attacke ausgelöst.

Dennoch seien Biss und Verletzung dem Bundesland zuzurechnen: Mit dem Einsatz von Polizeihunden sei nun einmal eine besondere Gefahr verbunden, die im konkreten Fall zur Verletzung geführt habe (juristisch: zu einem "Sonderopfer" von D). D habe, wenn auch aus achtenswerten Gründen, keinen ausreichenden Sicherheitsabstand zu dem Hund eingehalten. Trotzdem habe er nicht damit rechnen müssen, wegen des Fehlverhaltens anderer Demonstrationsteilnehmer gebissen zu werden.

2.000 Euro Steuer für Kampfhund

Das bedeutet praktisch ein Haltungsverbot für bestimmte Rassen und überschreitet kommunale Kompetenzen

Als das Ehepaar in die bayerische Gemeinde Bad Kohlgrub umzog, sollten die Halter einer Rottweiler Hündin plötzlich 2.000 Euro Hundesteuer zahlen. So sieht es die kommunale Satzung vor: für "normale" Hunde 75 Euro, für Kampfhunde 2.000 Euro. Das konnte und wollte sich das Ehepaar nicht leisten und zog gegen den Steuerbescheid der Gemeinde vor Gericht.

Der Verwaltungsgerichtshof München stellte sich auf die Seite der Tierhalter (4 B 13.144). Wenn Kommunen für so genannte Kampfhunde einen erhöhten Steuersatz festlegten, sei das zwar rechtens. Das gelte sogar dann, wenn ein "positiver Wesenstest" einem bestimmten Hund bescheinige, nicht besonders aggressiv zu sein und für Menschen oder andere Tiere keine Gefahr darzustellen.

Denn Ausnahmefälle änderten nichts daran, dass man bei Kampfhunden prinzipiell von gesteigerter Aggressivität ausgehen müsse. Daher sei es gerechtfertigt, wenn Gemeinden versuchten, ihre Zahl mit Hilfe einer erhöhten Hundesteuer einzudämmen ("Lenkungssteuer"). Dieser Zweck dürfe aber nicht so dominieren, dass die Steuer faktisch auf ein Verbot hinauslaufe.

Die kommunale Satzung von Bad Kohlgrub wirke so, dass es Normalverdienern praktisch unmöglich gemacht werde, einen Kampfhund zu halten. Das gehe zu weit und sei nicht mehr zu rechtfertigen. Für den Erlass eines Haltungsverbots fehle Gemeinden die Regelungskompetenz, das sei Sache der Bundesländer.

Jagdhund beißt Joggerin

Fahrlässige Körperverletzung des Tierhalters, der die Hündin frei laufen ließ

Weimaraner hatten es dem alten Herrn besonders angetan, Hündin E war nicht sein erstes Tier dieser Rasse. Die Jagdhunde mit grauem Fell können bis zu 65 cm groß und 35 kg schwer werden und haben einen ausgeprägten Jagdinstinkt. So auch E — allerdings beschränkte sich dieser Instinkt nicht auf Wild, wie eine Joggerin am eigenen Leib erfuhr.

Dabei wurde das junge Tier von einer Hundetrainerin erzogen, benahm sich im Unterricht auch ganz umgänglich und lernbegierig. Doch außerhalb des Trainings verhielt sich die Hündin öfters ausgesprochen rüpelhaft und sprang fremde Menschen an. Von dieser Seite lernte sie ein Jogger kennen, dem sie ins Gesäß biss — ohne gravierende Folgen. Bei einer anderen Gelegenheit sprang die Hündin ein Kind an und verletzte es leicht.

Ein paar Tage später war die Joggerin an der Reihe: Auf einem schmalen Waldweg ließ der Besitzer seine Hündin laufen — ob an einer ganz langen Leine oder völlig frei, war nachträglich umstritten. Jedenfalls konnte der Rentner wegen einer Wegbiegung noch nicht sehen, was sein Hund schon entdeckt hatte: die Joggerin Dr. K.

Die Weimaraner-Hündin sprang die Frau an, biss dreimal zu und hinterließ Quetschungen mit Blutergüssen und eine Bisswunde. Die Tierhaftpflichtversicherung des Hundehalters zahlte der Joggerin 600 Euro Schmerzensgeld. Darüber hinaus verurteilte das Landgericht Bonn den alten Herrn wegen fahrlässiger Körperverletzung, der Staatskasse und einem Heim für Behinderte je 3.000 Euro zu spenden (25 Ns 665 Js 315/12 — 207/12).

Er habe die "stürmischen Neigungen" seiner Hündin gekannt und sie eigens deswegen trainieren lassen, damit sie besser gehorchte, so das Gericht. Also hätte der Tierhalter vorsichtiger sein müssen. Ein Tierarzt, den das kommunale Veterinäramt nach den ersten Vorfällen zur Kontrolle geschickt habe, habe E zwar nicht als gefährlich eingestuft. Wie er als Zeuge vor Gericht bestätigte, habe er aber den Tierhalter ausdrücklich ermahnt, den Hund kontrolliert zu führen.

Weimaraner Hunde seien nun einmal Jagdhunde, die Jogger instinktiv als Beute wahrnehmen, die es zu stellen gelte. Bleibe ein Jogger stehen, wollten sie die "Beute fixieren". Diese Warnungen habe der Hundehalter ignoriert und die Hündin an einer Wegbiegung im Wald mehr oder weniger frei laufen lassen. Daher sei er für die Verletzungen der Joggerin verantwortlich.

Das Geschehen sei vorhersehbar und vermeidbar gewesen. In unübersichtlichem Gelände müsse man einen Hund mit ausgeprägtem Jagdinstinkt — zumal einen jungen, noch nicht vollständig ausgebildeten Hund — an der kurzen Leine führen. Das gelte auch dann, wenn in dem Gelände kein allgemeiner Leinenzwang bestehe.

Reitunfall mit ungeklärter Ursache

Das geht zu Lasten der verletzten Reiterin: Tierhalter haftet nicht für die Folgen

Ereignet sich ein Reitunfall mit einem geliehenen Pferd, hat die verunglückte Reiterin nur Anspruch auf Schadenersatz vom Tierhalter, wenn sie beweisen kann, dass der Unfall durch "unberechenbares, tierisches Verhalten des Pferdes" ausgelöst wurde, so das Oberlandesgericht Hamm. Bitter für die Reiterin im konkreten Fall, denn sie blieb auf den Behandlungskosten sitzen, weil die Unfallursache nicht zu klären war.

Schon häufig hatte die Agrarwissenschaftlerin und erfahrene Reiterin auf einem Reiterhof in Rheda-Wiedenbrück ein Pferd ausgeliehen. Im Dezember 2007 unternahm sie allein einen Ausritt in den Wald bei Rheda. Einige Stunden später fand man die Reiterin bewusstlos am Rande eines Reitweges liegend. Da sie schwere Kopfverletzungen erlitt, konnte sie sich später an den Unfallhergang nicht mehr erinnern.

Dennoch behauptete die Reiterin, das Pferd habe plötzlich gescheut und sei unkontrolliert durchgegangen. Das Tier sei ins Unterholz durchgebrochen, weshalb sie mit einem Ast zusammen gestoßen und vom Pferd gefallen sei. Für Behandlungskosten und Verdienstausfall sollte der Inhaber des Reiterhofs als Tierhalter einstehen.

Schadenersatz stünde der Reiterin nur zu, wenn sich in dem Unfall eine "typische Tiergefahr" verwirklicht hätte, erklärte das Oberlandesgericht Hamm (9 U 162/11). Doch nicht jeder Sturz sei auf die Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens zurückzuführen. Reiter könnten auch selbst einen Unfall auslösen. Dass hier die Ursache nicht feststehe, gehe zu Lasten der Reiterin.

Kein Zeuge habe den Unfall beobachtet. Auch ein Sachverständigengutachten habe dessen Hergang nicht klären können. Die Kopfverletzungen der Reiterin legten nahe, dass sie mit einem Ast oder Baumstamm kollidiert sei. Doch das Verletzungsbild sage nichts darüber aus, wie es dazu kam.

Auch der Zustand des Reitweges, an dem man die Reiterin fand, habe keinen Rückschluss auf die Umstände des Sturzes ermöglicht. Die Frau könne auch unabhängig vom Verhalten des Pferdes an einen Baum geraten oder von einem herab fallenden Ast getroffen worden sein.

Fünfjährige Reitschülerin fällt vom Pony

Kein Schmerzensgeld für gebrochenen Arm, wenn die Reitlehrerin den Unfall nicht verschuldet hat

Ein kleines Mädchen von fünf Jahren nahm an einer Reitstunde für Kinder teil, die eine Reitschule am Möhnesee organisierte. Den Unterricht leitete eine 20-jährige Aushilfe. Die Reitlehrerin führte ein Pony mit einer ca. eineinhalb Meter langen Longe im Kreis. Die Kinder ritten abwechselnd auf dem Pony und hielten sich dabei an einer Decke mit Haltegriff fest.

Dann kündigte die Reitlehrerin eine Balanceübung an: Auf Kommando sollten die Kinder kurz den Griff loslassen und in die Hände klatschen. Die Fünfjährige verlor bei dieser Übung das Gleichgewicht und rutschte vom Pony. Bei dem Sturz brach sich das Mädchen den Arm.

Im Namen des Kindes forderten die Eltern von der Inhaberin der Reitschule 5.000 Euro Schmerzensgeld. Sie hätte die Reitschüler keiner unerfahrenen Aushilfe anvertrauen dürfen, kritisierten die Eltern. Deren Verschulden am Unfall sei der Arbeitgeberin zuzurechnen. Das Oberlandesgericht Hamm wies jedoch die Zahlungsklage der Eltern ab (12 U 130/12).

Dass sie eine Aushilfe beauftragte, sei der Schulleiterin nicht anzulasten. Die 20-Jährige sei nach ihrem Alter und ihren Kenntnissen in der Lage gewesen, die Reitstunde korrekt durchzuführen. Der Reitlehrerin selbst sei auch kein Fehlverhalten vorzuwerfen. Das kleine Mädchen habe schon vor dieser Reitstunde ein Pony geritten und sei mit der Übung keineswegs überfordert gewesen. Gleichgewichtsübungen seien im Reitunterricht üblich und sachgerecht.

Vor dem Unfall sei das Kind gut auf dem Pony gesessen und bereits im Trab und im Galopp geritten. Die Reitlehrerin habe also keine Anhaltspunkte dafür gehabt, dass die Fünfjährige die Gleichgewichtsübung am Ende der Stunde nicht bewältigen würde, die alle anderen Kinder vor ihr problemlos absolvierten. Unaufmerksam sei die Aushilfe auch nicht gewesen — sie habe versucht, den Sturz abzufangen. Dass ihr das bei einem so plötzlichen Absturz nicht gelungen sei, stelle kein Verschulden dar.

Wallach als Triebtäter?

Inhaber einer Pferdepension fordert Schadenersatz für Verletzung seiner Stute

Tierhalterin T hatte ihren Wallach — so nennt man kastrierte Hengste — in einer Pferdepension untergebracht. Nach Angaben des Inhabers der Pension soll er auf der Weide neben den Ställen eine Stute attackiert haben: Aggressiv, wie sich sonst nur ein Hengst verhalte, habe sich der Wallach losgerissen, einen durch Elektrodraht gesicherten Weidezaun durchbrochen und sei auf die Stute losgegangen. Mit den Vorderhufen sei er auf sie aufgestiegen und habe sie schwer verletzt — ein sehr talentiertes Springpferd im Wert von 150.000 Euro.

Als Ausgleich forderte der Pferdepensionswirt von Tierhalterin T 40.000 Euro Schadenersatz. Doch damit kam er nicht weit: Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm drehte den Spieß um und hielt dem Pferdepensionswirt vor, er hätte den Wallach besser beaufsichtigen müssen (24 U 112/12).

Ein Pferdeexperte habe den von ihm und seiner Ehefrau geschilderten "hengstischen Ausbruch" des Tieres für sehr zweifelhaft erklärt. Nach einer Hormonuntersuchung des Wallachs habe es der Sachverständige mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen, dass der Wallach "sexuell motiviert" mehrere Hindernisse überwunden habe, um zur Stute zu gelangen und sie zu besteigen.

Doch selbst wenn das zuträfe, haftete nicht Frau T für den so verursachten Schaden, stellte das OLG fest. Der Inhaber einer Pferdepension müsse für die bei ihm untergebrachten Pferde sorgen und auf sie aufpassen. Als Tierhüter müsse er auch Gefahren abwenden, die von ihnen ausgehen.

Nach Ansicht des Sachverständigen sei er für die Verletzung seiner Stute selbst verantwortlich. Vermutlich habe er den Wallach trotz erkennbarer Unruhe zu der ihm nicht vertrauten Stute auf eine Weide gelassen — und das ohne Schutzvorkehrungen.

Krankes Pferd gekauft

Stellt sich das bei der Ankaufsuntersuchung heraus, muss die Käuferin den Mangel sofort rügen

Für 6.000 Euro hatte eine Reiterin im Juni 2008 einen Wallach gekauft. Im Kaufvertrag stand: Der Wallach ist frei von gesetzlichen Fehlern. Allerdings fand die vereinbarte Ankaufsuntersuchung erst zwei Tage später statt. Der Tierarzt in der Pferdeambulanz diagnostizierte ein Kehlkopfleiden.

Drei Wochen später schrieb die Reiterin der Verkäuferin, sie wolle das Pferd operieren lassen. Auf jeden Fall müsse "man sich noch einmal über den Kaufpreis unterhalten". Erst im April 2009 meldete sich die Käuferin wieder. Nun erklärte sie den Rücktritt vom Kaufvertrag: Das Leiden des Wallachs habe sich nicht gebessert. Da sich die Verkäuferin weigerte, den Kaufpreis herauszugeben, landete der Streit vor Gericht.

Die Käuferin hätte den bei der Ankaufsuntersuchung festgestellten Mangel des Pferdes "unverzüglich rügen müssen", so das Oberlandesgericht Hamm (19 U 140/09). Dann hätte sie das Recht gehabt, den Kauf rückgängig zu machen. "Unverzüglich" bedeute: In den zwei Wochen, nachdem die Käuferin von dem Befund bei der Untersuchung erfahren habe. Später könne sie keine Gewährleistungsansprüche mehr geltend machen.

Sinn einer Ankaufsuntersuchung sei es, den gesundheitlichen Zustand des Pferdes zu klären. Das liege im Interesse des Käufers und des Verkäufers. In der Regel werde der Kaufvertrag unter der Bedingung geschlossen, dass die Ankaufsuntersuchung ohne besonderen Befund bleibe bzw. der Käufer mit dem Befund zufrieden sei.

Im konkreten Fall sei die Reiterin trotz des negativen Befunds unschlüssig gewesen und habe lange überlegt, ob sie das Pferd zurückgeben oder es behalten und operieren lassen solle. Trotzdem hätte sie den Mangel sofort reklamieren müssen, um ihr Recht auf Gewährleistung zu sichern. Später hätte die Käuferin immer noch entscheiden können, ob sie das Pferd zurückgeben oder doch nur den Kaufpreis mindern wollte.

Fehlerhafte Ankaufsuntersuchung eines Pferdes

Urteile in einem Satz

Führt ein Tierarzt im Auftrag eines Pferdehändlers eine Ankaufsuntersuchung bei einem Pferd durch und bescheinigt ihm einen guten Gesundheitszustand, obwohl der Wallach an Arthrose leidet, schuldet der Tierarzt der Käuferin für diesen Fehler keinen Schadenersatz, wenn er mit dem Verkäufer eine Haftungsbeschränkung vereinbart hat: Demnach sollte er nur gegenüber dem Verkäufer und namentlich im Auftrag erwähnten dritten Personen für Fehler haften; die Käuferin war weder im Auftragsformular erwähnt, noch war sie Vertragspartnerin des Tierarztes, weil dieser allein vom Pferdehändler beauftragt wurde; einen Käufer per vertraglicher Abrede aus dem Schutzbereich des Vertrags zwischen Verkäufer und Tierarzt auszuklammern, ist rechtlich zulässig.

Pferd abgelenkt — Reitschülerin abgestürzt

Für die Folgen muss ein Reitlehrer nur einstehen, wenn er für den Sturz verantwortlich war

Das Land Hessen verklagte einen Reitlehrer, weil sich eine hessische Finanzbeamtin bei Reitstunden schwer verletzt hatte. Nun verlangte ihr Dienstherr Schadenersatz für die Arztkosten und für das während der Heilbehandlung gezahlte Gehalt.

Der Reitlehrer hatte die Beamtin auf einem trabenden Wallach im Kreis herum geführt. Da durchquerte die Frau des Lehrers mit einer Stute und einem Fohlen die Reithalle und kreuzte die Kreisbahn. Kurz darauf änderte der Wallach seinen Kurs und brach aus dem Reitzirkel aus. Das brachte die Reitschülerin aus dem Gleichgewicht. Sie fiel so unglücklich vom Pferd, dass sie sich einen Lendenwirbel brach.

Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt wies die Klage des Bundeslandes ab: Der Reitlehrer sei für den Unfall nicht verantwortlich (4 U 162/12). Er hätte zwar die Schülerin auffordern müssen, langsamer zu reiten. Als erfahrener Pferdehalter und Reitlehrer hätte er damit rechnen müssen, dass die Frau bei einem abrupten Richtungswechsel des Pferdes stürzen könnte.

Wenn zwei andere Pferde seine Bahn kreuzten, sei es zumindest wahrscheinlich, dass der Wallach seinem Herdentrieb folgen und sich ihnen anschließen würde. Im Trab oder im Galopp sei ein plötzlicher Richtungswechsel des Pferdes für den Reiter riskant. Mit weniger Schwung hätte sich die Reitschülerin vielleicht durch das Verlagern des Gewichts auf dem Tier halten können.

Das Versäumnis des Reitlehrers habe aber den Unfall nicht verursacht, so das OLG. Deshalb schulde er dem Dienstherrn der Beamtin trotz seines Fehlers keinen Schadenersatz.

Schließlich sei der Wallach erst ausgebrochen, als die beiden Artgenossen schon die Halle verlassen hatten und sogar das Tor wieder geschlossen war. Also wäre er auch ausgebrochen, wenn der Lehrer korrekte Anweisungen gegeben hätte. Dann hätte die Reitschülerin vorübergehend das Tempo verlangsamt, wäre erst nach dem Schließen des Tores wieder im Trab geritten — und wäre dann doch gestürzt.

Jägerlatein

Jäger schildert Unfall falsch und täuscht den Jagdhaftpflichtversicherer

Jäger X meldete seiner Haftpflichtversicherung einen Jagdunfall. Nach dem Ende einer Gesellschaftsjagd habe er seine beiden (nicht geprüften) Jagdhunde an der Leine gehalten. Plötzlich seien die Tiere hinter einem Reh hergejagt — und hätten Frau S mit der Leine umgerissen, die als Treiberin an der Jagd teilgenommen habe. Die Bekannte habe sich Meniskus- und Bänderrisse zugezogen, sei mehrmals operiert worden. Als Ausgleich verlange sie von ihm 10.000 Euro Schmerzensgeld.

Da sich der Jagdhaftpflichtversicherer weigerte, für den Unfall einzustehen, verklagte ihn Jäger X auf Deckungsschutz. Im Rechtsstreit musste X allerdings einräumen, dass sich der Vorfall anders abgespielt hatte: Tatsächlich habe er seine Hunde nicht selbst an der Leine geführt, gab er zu. Schon am frühen Morgen vor Beginn der Jagd habe er sie Frau S mitgegeben. Er habe die Bekannte und die Tiere erst nach dem Unfall wieder gesehen.

Trotz der erfundenen "Story" fand das Landgericht, dass X Versicherungsleistungen zustehen. Begründung: Die falsche Schilderung des Unfalls habe sich auf die Interessen des Versicherers nicht nachteilig ausgewirkt. Mit dieser Argumentation war das Oberlandesgericht Karlsruhe nicht einverstanden (12 U 204/12). Die Versicherung müsse nicht zahlen, weil der Versicherungsnehmer sie über den Unfallhergang arglistig getäuscht habe.

X habe eine falsche Schadensanzeige abgegeben, um Versicherungsleistungen zu erschleichen. Denn er habe angenommen, dass er sie bei wahrheitsgemäßer Darstellung des Sachverhalts nicht erhalten würde. In dem Punkt habe er sich geirrt. Doch der Versicherungsschutz entfalle bei bewusster Täuschung sogar dann, wenn der wirkliche Schadensfall versichert wäre. Weil eine arglistige Täuschung grundsätzlich geeignet sei, die Interessen des Versicherers ernsthaft zu gefährden.

Anders als das Landgericht annehme, sei die Täuschung im konkreten Fall keineswegs folgenlos. Nach seiner falschen Darstellung habe der Versicherungsnehmer die Hunde selbst an der Leine geführt: Unter diesen Umständen müsste er als Tierhalter für den von ihnen verursachten Schaden haften. Wenn dagegen Frau S die Hunde beaufsichtigte, komme durchaus ein Mitverschulden der Verletzten — als Tieraufseherin — in Betracht. Und das wirke sich auf die Höhe der Entschädigung aus.

Pferdetrainerin von Pferd verletzt

Wer allein ein Pferd aus einem Transporter auslädt, handelt auf eigenes Risiko

Wer seinen Lebensunterhalt als Pferdetrainer(in) verdient, muss von vornherein ein gewisses Risiko einkalkulieren, das der Umgang mit unberechenbaren Tieren so mit sich bringt. Frau R verhielt sich zudem besonders leichtsinnig, weil sie versuchte, ein Pferd allein aus einem Transporter zu lotsen.

2005 hatte die Trainerin den Auftrag erhalten, einen "Grauschimmel" unter ihre Fittiche zu nehmen. Sie holte das Tier auf einem Bauernhof ab, das dem Bruder des Landwirts gehörte. Er half Frau R beim Einladen des Pferdes in den Transporter. Auf ihrem Gelände angekommen, wollte sie es ohne jede Hilfe ausladen. Dabei trat das Tier gegen ihr rechtes Kniegelenk und verletzte es schwer.

Für den Unfall wollte die Trainerin den Eigentümer haftbar machen. Da ihr für einen Rechtsstreit die finanziellen Mittel fehlten, beantragte sie Prozesskostenhilfe. Die wurde ihr jedoch vom Landgericht und vom Oberlandesgericht Koblenz mangels Erfolgsaussichten einer Klage versagt (2 W 600/12).

Im Tritt des Grauschimmels verwirkliche sich die für Tiere (und für Pferde ganz besonders) typische Unberechenbarkeit ihres Verhaltens: Weil das generell ein Risiko darstelle, müssten Tierhalter im Prinzip für Schäden durch ihre Tiere haften. Allerdings falle dieses Unglück aus dem üblichen Rahmen, deshalb stehe Frau R keine Entschädigung vom Tierhalter zu.

Als Pferdetrainerin habe sie die Ausbildung des Pferdes übernommen und sich freiwillig einem gewissen Risiko ausgesetzt, weil sie so ihr Einkommen erziele. Beim Ausladen auf dem Reiterhof habe allein die Trainerin die Möglichkeit gehabt, auf das Tier einzuwirken — weder der Tierhalter, noch sein Bruder seien dabei gewesen.

Wer allein, ohne die Hilfe anderer Personen, ein Pferd aus einem Transporter ziehe, bringe sich selbst in Gefahr und handle auf eigenes Risiko. Da die leichtsinnige Pferdetrainerin so ein hohes Risiko bewusst in Kauf genommen habe, hafte sie für die Unfallfolgen selbst — und nicht der Tierhalter.

Tierquälerin muss Pferde weggeben

Das Veterinäramt verlangt von der Halterin Auskunft über ihren Aufenthaltsort

Nebenbei leitete die Geschäftsführerin eines Bauunternehmens ein Gestüt mit 22 Pferden. Doch eine Pferdeliebhaberin schien die Frau nicht zu sein. Bei einer Kontrolle stellte der Amtstierarzt zahlreiche Missstände fest. Zwei Stuten hatten so verformte Hinterhufe, dass sie nur unter starken Schmerzen stehen und gehen konnten. Die Situation war so aussichtslos, dass der Tierarzt nur eine Möglichkeit sah, um diesem Schrecken ein Ende zu bereiten. Er ordnete die Euthanasie der beiden Tiere an.

Bei anderen Stuten wurde Hufkrebs festgestellt, was die Tierhalterin aber nicht dazu veranlasste, den Tierarzt zu bemühen. Damit nicht genug — das Stroh war verfault, die Tränken waren verdreckt, die zum Teil überbelegten Einzelboxen baufällig und defekt. Bei weiteren Kontrollen bot sich das gleiche, traurige Bild. Schließlich wurde es der Gestütsleiterin verboten, Pferde zu halten und zu betreuen. Die Behörde kündigte an, die Tiere abzuholen.

Daraufhin teilte die Frau mit, sie habe die Pferde bereits an andere Halter abgegeben. Die Behörde verlangte Einzelheiten: an wen und wohin? Man müsse sicher gehen, dass sie die vernachlässigten Pferde tatsächlich weggegeben habe und prüfen, ob die Tiere nun so gehalten würden, wie es dem Tierschutzgesetz entspreche.

Doch nun berief sich die Tierquälerin ihrerseits auf das Tierschutzgesetz: Es enthält nämlich das Recht, auf behördliche Nachfragen die Auskunft zu verweigern, wenn die Antwort Strafverfolgung nach sich ziehen kann. Gegen die Frau und ihren Lebensgefährten liefen wegen ihrer Verstöße gegen den Tierschutz strafrechtliche Verfahren. Sie zog vor Gericht, um das Verlangen nach Auskunft abzuwehren.

Mit der Auskunft über die neuen Halter belaste sich die Tierhalterin nicht zusätzlich, erklärte das Verwaltungsgericht Minden (2 K 314/12). Daher habe sie nicht das Recht, die angeforderten Informationen zu verweigern: Wenn die Frau an ihrer Ablehnung festhalte, drohten 2.000 Euro Zwangsgeld.

Das Veterinäramt müsse kontrollieren, ob die Pferdehalterin den Tierbestand wirklich aufgelöst habe. Und es müsse den Aufenthalt der Pferde klären, um künftige Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zu verhindern.

Außerhalb der Weidesaison sei es schwierig, so viele Tiere auf einmal in Ställen unterzubringen. Daher gebe es begründete Zweifel daran, dass die Gestütsleiterin geeignete Halter mit geeigneten Ställen gesucht und gefunden habe — zumal die Pferde aufgrund ihres schlechten Zustands keinen großen Marktwert mehr hätten.

Wallach wird mit Beinbruch eingeschläfert

Er klemmte sich einen Fuß in der Pferdebox ein: Dafür haftet der Inhaber des Pferdestalls

Für stolze 12.000 Euro hatte der Wallach gerade den Besitzer gewechselt. Der neue Eigentümer stellte ihn im Stall des B unter. Fünf Tage später klemmte sich das Tier den Vorderfuß in einem Spalt an der Tür der Pferdebox ein. Bei dem verzweifelten Versuch, sich zu befreien, brach sich das Pferd das rechte Vorderbein und musste eingeschläfert werden.

Der Käufer forderte vom Betreiber des Pferdestalls 12.500 Euro Schadenersatz (Kaufpreis plus Tierarztkosten): Er habe ihm für den Wallach eine ungeeignete Box vermietet, mit einem neun Zentimeter breiten Spalt zwischen Tür und Türpfosten. Dass da ein Pferd hängen bleiben könne, wenn es sich auf die Hinterbeine stelle, sei doch klar.

B änderte zwar die Pferdebox, wies aber jede Verantwortung für den Tod des Tieres weit von sich: Die Box sei so konstruiert, wie es Standard sei. Der verhängnisvolle Spalt befinde sich immerhin in einer Höhe von über zwei Metern. Der Pferdebesitzer hätte ihn auf die Unart des Wallachs, extrem in die Höhe zu steigen, hinweisen müssen. Dann hätte er eine andere Box bekommen.

Ein im Rechtsstreit um Schadenersatz befragter Sachverständiger fand das "extreme Steigen" jedoch gar nicht extrem. Vielmehr sei es arttypisch: Das komme häufig vor, wenn Pferde sich zu wenig bewegten, wenn sie aus irgendeinem Grund nervös oder aggressiv seien. Nach einem Stallwechsel müsse man gerade bei einem relativ jungen Tier von drei Jahren mit nervösen Reaktionen rechnen.

Für das Oberlandesgericht Köln stand nach dieser Aussage des Experten fest, dass der Stallbetreiber für den Unfall verantwortlich war (15 U 138/12). Es sei seine Aufgabe, das Tier sicher unterzubringen und dabei auch das Pferd "quasi vor sich selbst zu schützen". Eine Box müsse so beschaffen sein, dass sich ein Pferd darin nicht verletzen könne — auch nicht beim Hochsteigen.

Von einer Mitschuld des Pferdebesitzers — weil er vor der Unart des Pferdes nicht gewarnt habe — könne keine Rede sein. Da er den Wallach erst fünf Tage vor dem Unfall gekauft habe, habe er über die Eigenarten des Tieres nicht besser Bescheid gewusst als der Betreiber des Pferdestalls, der es immerhin fünf Tage lang beobachten konnte.

Einziger Wermutstropfen für den Käufer: Das Gericht sprach ihm nur 7.000 Euro Schadenersatz zu. Denn nach Ansicht des Pferdeexperten war der Wallach nicht mehr wert.

Züchter darf Damwild nicht erschießen

Diese Schlachtmethode ist in der Nähe von Wohnhäusern zu riskant

Am Ortsrand, allerdings nicht weit von Wohnhäusern entfernt, hielt Züchter X Damwild in einem etwa 0,8 Hektar großen Gehege. Er ist kein Jäger, wollte sich aber eine Schusswaffe zulegen, um einzelne Tiere zu töten. Nach der Tierschutz-Schlachtverordnung ist es zulässig, Wild auf diese Weise zu schlachten und das Fleisch zu verkaufen.

Zu diesem Zweck beantragte der Mann einen Waffenschein, den ihm der Landkreis Kaiserslautern jedoch verweigerte. Auch das Verwaltungsgericht Neustadt und das Oberverwaltungsgericht (OVG) Koblenz lehnten es ab, ihm das Schießen zu erlauben (7 A 10188/13.OVG).

Das Interesse des Antragstellers daran, den Tierbestand auf diese Weise zu begrenzen und das Fleisch zu verwerten, sei zwar nachvollziehbar, so das OVG. Doch das Gehege sei nicht sonderlich groß und liege sehr nah an Wohnbauten. Daher wäre es riskant, dort das Schießen zuzulassen. Die Gefahr, dass Menschen durch verirrte Kugeln verletzt werden, sei zu groß — zumal der Züchter weder Jäger, noch Sportschütze sei und keine Erfahrung im Schießen habe.

X habe an der breitesten Stelle des Geheges einen vier Meter hohen Schießstand geplant. Von dort lägen die nächsten Wohnhäuser nur 180 Meter entfernt. Der Einwand des Züchters, dass die Kugel bei einem Fehlschuss vom Hochstand aus in der Erde landen würde, sei zwar nicht abwegig. Aber es sei umgekehrt auch nicht auszuschließen, dass bei Fehlschüssen oder Abprallern Kugeln über das Gelände hinaus fliegen könnten.

Stute tritt Hengst bei der Paarung

Schwer verletzter Araberhengst eingeschläfert: Haftet die Halterin der Stute für den Verlust?

Die Inhaberin eines Gestüts im Rheingau vereinbarte mit der Besitzerin einer Stute, dass ihr Araberhengst die Stute decken sollte. Keine künstliche Besamung also, wie heutzutage üblich. Die Pferdebesitzerinnen wollten auch keine Paarung im "Probierstand" und beschlossen, die Stute nicht durch Spannstricke zu sichern. Allerdings sollten Hengst und Stute am langen Zügel gehalten werden.

Dieses Arrangement sollte die Besitzerin des Hengstes bitter bereuen. Nachdem sich die Pferde auf einer Wiese des Gestüts beschnuppert hatten, signalisierte die Stute Paarungsbereitschaft und der Hengst sprang von hinten auf sie auf. Als er von ihr abließ und mit den Vorderbeinen wieder auf dem Boden aufkam, trat die Stute heftig nach hinten aus. Sie traf den Hengst am rechten Vorderbein. Der Tritt zertrümmerte es so, dass eine Operation nicht mehr in Frage kam. Der Hengst musste eingeschläfert werden.

Seine Besitzerin verlangte von der Halterin der Stute 25.000 Euro Schadenersatz. Die wandte dagegen ein, es sei völlig normal, dass eine Stute während der Paarung auskeile. Trotzdem habe die Betreiberin des Gestüts auf alle Maßnahmen verzichtet, die ihren Hengst vor Verletzungen hätten schützen können. So argumentierten letztlich auch das Landgericht Mainz und das Oberlandesgericht Koblenz (3 U 1486/12).

Beim Deckakt träten Stuten häufig um sich. Diese natürliche Reaktion sei typisch für das generell unberechenbare tierische Verhalten. Für dessen Folgen müssten Tierhalter in der Regel haften. Trotzdem könne im konkreten Fall die Inhaberin des Gestüts von der Halterin der Stute keine Entschädigung für den Wertverlust verlangen — weil sie dafür selbst verantwortlich sei. Sie sei das Verletzungsrisiko "sehenden Auges eingegangen".

Hätte man die Pferde beim Decken sich selbst überlassen, hätten sie die Zwischenschritte der Kontaktaufnahme frei ausleben können. Dann wäre wohl nichts passiert. Doch wenn man Pferde bei der Paarung am Zügel führe, müsse man Sicherungsmaßnahmen gegen das Auskeilen ergreifen. Wenn die Besitzerin des Hengstes auf Vorsichtsmaßnahmen wie z.B. Spannstricke verzichte, handle sie bewusst auf eigene Gefahr. Daher hafte die Halterin der Stute nicht für die Konsequenzen der Attacke.

Vorsicht, Schäferhund!

Kundin stürzt im Eingang eines Geschäfts über schlafenden Hund: Haftung der Tierhalterin?

"Bissig" war diese Schäferhündin keineswegs, im Gegenteil: Sie schlief friedlich im Eingang des Reitsportgeschäfts. Dennoch wurde das Tier einer Kundin zum Verhängnis, die mit dem Rücken zur Eingangstür an der Kasse stand. Als die Frau ihre Rechnung bezahlt hatte, wollte sie den Laden verlassen — und übersah den auf der Schwelle liegenden Hund. Die 61-Jährige stürzte über das Tier und verletzte sich dabei am Knie.

Der Hund gehört einer Verkäuferin, die ihn mit Erlaubnis des Chefs regelmäßig ins Geschäft mitnahm. Mitten im Eingang — eineinhalb Meter von der Kasse entfernt — lag die Schäferhündin am liebsten. Dafür muss nun die Tierhalterin büßen. Denn nach einem Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm muss sie für die Behandlungskosten der Kundin aufkommen (19 U 96/12).

Ein Hund, der so im Eingangsbereich eines Ladens ruhe, dass er praktisch den Zugang versperre, stelle ein gefährliches Hindernis dar, fand das OLG. Dieses unbekümmerte Verhalten ohne Rücksicht auf die Kundschaft sei "typisch für die tierische Natur". Zwar habe die Hündin regungslos auf dem Boden geschlafen und zu dem Unfall keinen "aktiven Beitrag" geleistet.

Dennoch sei der Kundin kein Mitverschulden anzukreiden: Für sie sei das Tier schwer wahrnehmbar gewesen. Wieso ein Schäferhund beträchtlicher Größe in einer Glastür "schwer wahrnehmbar" sein soll, bleibt wohl das Geheimnis des OLG.

Den schwarzen Peter schoben die Richter der Tierhalterin zu: Sie habe den Unfall fahrlässig verschuldet, weil sie die Hündin nicht aus dem Eingang weggeschafft habe. Zumindest hätte die Verkäuferin die Kundin vor dem Tier warnen müssen. Der Hund habe an seinem Lieblingsplatz so oft gelegen, dass die Hundehalterin damit rechnen musste, dass er den Ausgang versperrte.

Hengst mit Hodenkrebs

Käufer verzichtete auf eine Ankaufuntersuchung: Rücktritt vom Kaufvertrag?

Ein Hengst mit dem klangvollen Namen "Fönix Du Patural" wurde mitsamt Sattel für 5.500 Euro verkauft. Laut Kaufvertrag haftete der Verkäufer nicht für Mängel, auch nicht für "versteckte". Allerdings sollte — wie beim Pferdekauf üblich — eine Ankaufuntersuchung durch einen Tierarzt stattfinden. Doch der Käufer wollte Kosten sparen und ließ die Untersuchung ausfallen. Auch das wurde im Vertrag vermerkt.

Der Käufer brachte den Hengst zu einer Pferdezüchterin. Man kam überein, den Hengst kastrieren zu lassen. Als der Tierarzt zur Tat schritt, stellte er fest, dass das Pferd an Hodenkrebs litt. Also war "Fönix" als Deckhengst nicht mehr zu gebrauchen.

Nach Ansicht des Käufers lag darin ein Mangel — er verlangte sein Geld zurück: Das Tier sei sicher schon zum Zeitpunkt des Kaufs krank gewesen. Beim Termin zur Kastration sei der Hengst vom Tierarzt untersucht worden, das ersetze die erforderliche Ankaufuntersuchung.

Das sah das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz anders (2 U 1066/12). Wochen nach dem Kauf sei die Krankheit diagnostiziert worden. Das sei logischerweise keine Ankaufuntersuchung, der Kaufvertrag sei wirksam. Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben müsse sich der Käufer so behandeln lassen, als wäre eine Ankaufuntersuchung durchgeführt und das Tier für gesund erklärt worden.

Die Ausrede des Käufers, dass er darauf wegen des schlechten Wetters verzichtet habe, ließ das OLG nicht gelten: Klipp und klar habe er seinerzeit dem Verkäufer gesagt, er wolle dafür kein Geld ausgeben. Da keine Untersuchung stattfand, stehe nicht mit Sicherheit fest, dass der Hengst schon bei der Übergabe vor einigen Monaten krank (= mangelhaft) gewesen sei. Nur dann hätte der Käufer ein Recht darauf, das Geschäft rückgängig zu machen.

Wie der Kaufvertrag insgesamt sei auch der vereinbarte Ausschluss der Gewährleistung für Mängel gültig: Der wäre nur unwirksam, wenn der Hengst beim Kauf bereits Krebs gehabt hätte, der Verkäufer darüber Bescheid gewusst und dies dem Käufer arglistig verschwiegen hätte. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte. Der Verkäufer könne den Kaufpreis behalten.

"Fönix Du Patural" bekam vom Rummel um sein Gemächt nichts mehr mit: Er war wegen eines Beinbruchs vorher eingeschläfert worden.