Sonstiges

Mit Hunderudel an der Isar

Geldbuße für Tierhalterinnen, die ihren Hunden im Jagdrevier freien Lauf lassen

Ein Vogelfreund war im Mai 2017 nahe Schäftlarn am Isarufer mit dem Rad unterwegs. In der Gerichtsverhandlung berichtete er später, er habe die zwei Frauen zuerst an der Dürnsteiner Brücke gesehen. Sie standen neben ihren geparkten Autos — mit zehn frei laufenden braunen Hunden. Dann habe er sich auf eine Bank gesetzt. Plötzlich sei ein Schwan flügelschlagend und erschreckt vorbei gelaufen.

In kurzen Abständen hintereinander seien die Hunde bellend hinter dem Schwan hergelaufen. Nach einigen Minuten hätten die Frauen nach ihnen gerufen, doch kein Hund habe reagiert. Ungefähr 20 Minuten später seien die Frauen mit ihren Hunden zurückgekommen. Am Ufer habe er den Schwan tot vorgefunden und fotografiert. Dann sei er zum Parkplatz zurückgeradelt, habe die Autos der Hundehalterinnen fotografiert und die Polizei verständigt. Denn an der Isar dürfe man Hunde nicht frei laufen lassen.

Ein Polizeibeamter ermittelte die zwei Hundehalterinnen, eine 44-jährige Krankenpflegerin und eine 50-jährige Selbständige aus München. Vor Gericht wurde auch ein Mitarbeiter des Landratsamts Bad Tölz befragt, der den toten Schwan untersucht hatte. Nach den Bissspuren am Hals sei der Schwan gerissen worden, bestätigte der Mann. Ob aber von den Hunden oder später von anderen Wildtieren, könne er nicht sagen.

Beide Frauen müssten je 200 Euro Geldbuße berappen, urteilte das Amtsgericht München, weil sie ihre Hunde in einem Jagdrevier nicht anleinten (1123 OWi 237 Js 220488/17). Nach bayerischem Jagdrecht seien Wälder, Wiesen und Äcker, Gewässer und deren Uferbereiche einerseits Erholungsflächen für die Allgemeinheit, andererseits Jagdreviere. Hunde dürften hier nicht unbeaufsichtigt herumlaufen.

Dass die zehn Hunde in einem Wald- und Wiesengebiet mit Uferböschungen jede Menge Gelegenheit hätten, aus dem Blickfeld ihrer Halterinnen zu verschwinden, liege auf der Hand. Wer hier einen Hund von der Leine lasse, nehme dies billigend in Kauf und handle somit vorsätzlich rechtswidrig. Deshalb sei eine Sanktion angebracht — auch wenn nicht 100-prozentig feststehe, dass der Schwan von den frei laufenden Hunden totgebissen wurde.

Am Straßenrand Autotür aufgerissen

Wer haftet für den Schaden, wenn ein vorbeifahrender Wagen gegen eine geöffnete Autotür stößt?

Frau T fuhr mit ihrem kleinen Peugeot nach rechts in eine Bushaltebucht der kommunalen Verkehrsbetriebe. Kaum hatte sie den Wagen angehalten, öffnete sie schwungvoll die Fahrertüre — ohne auf den Verkehr zu achten. Hätte Frau T kurz über die Schulter zurückgeblickt, hätte sie den Citroen Berlingo gesehen, der sich gerade von hinten näherte. Fahrerin M stieß mit dem Citroen gegen die weit geöffnete Peugeot-Autotür.

Ihr Lebensgefährte, dem der beschädigte Citroen gehörte, forderte von der Kfz-Haftpflichtversicherung der Peugeot-Fahrerin Schadenersatz. Das Unternehmen erstattete allerdings nur die Hälfte, weil es davon ausging, dass die Citroen-Fahrerin für den Schaden mit-verantwortlich war: Frau M sei wohl mit zu wenig Seitenabstand am Peugeot vorbeigefahren. Mit dem halben Schadenersatz gab sich der Citroen-Besitzer nicht zufrieden.

Er klagte den restlichen Betrag ein und bekam vom Landgericht Saarbrücken Recht (13 S 69/17). Beim Vorbeifahren dürfe der Seitenabstand auch schon mal geringer sein als der Mindestabstand von einem Meter, der z.B. beim Überholen verlangt werde, erklärte das Landgericht. Wie groß der Abstand sein müsse, hänge von den Umständen im Einzelfall ab. Da komme es auf die Verkehrslage an, auf die Geschwindigkeit, die beteiligten Fahrzeuge, die Straßenbreite.

Nach den Berechnungen des Unfallsachverständigen habe Frau M einen Abstand von rund 80 Zentimetern eingehalten. Das erscheine bei einer sieben Meter breiten Straße angemessen. Selbst wenn man dies als zu knapp ansähe, würde dieses geringfügige Mitverschulden angesichts des krassen Fehlverhaltens von Frau T nicht ins Gewicht fallen.

Wer ein- oder aussteige, müsse sich so verhalten, dass er andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährde. Frau T habe dagegen rücksichtslos die Fahrertür des Peugeot weit geöffnet, ohne nach hinten zu schauen. Hätte sie die gebotene Vorsicht und Sorgfalt an den Tag gelegt, hätte sie den nahenden Wagen gesehen. Ihre Kfz-Versicherung müsse daher den Schaden am Citroen zu 100 Prozent ersetzen.

Siebenjähriger verkratzt Auto mit Kickboard

Kinder müssen für solche Schäden nicht haften, weil sie den Verkehr noch nicht richtig einschätzen können

Der Stiefvater des Kindes schilderte der Polizei den Vorfall so: In der Wohnstraße mit Tempo 30 sei der Junge mit seiner älteren Schwester Kickboard gefahren. Dann lehnten die Kinder die Gefährte an einen Zaun. Als der Siebenjährige die Kickboards wieder holen wollte, habe ein Auto ausgeparkt. Es sei langsam an dem Jungen vorbeigefahren, als er mit den Kickboards an beiden Händen die Straße überqueren wollte.

Das Kind habe sich "schmal gemacht", um dem Auto auszuweichen und sei mit einem Lenker gegen den geparkten Wagen geraten. Der Lenker habe leider keine Gummigriffe und habe deshalb Lackkratzer hinterlassen. Der Besitzer des Wagens musste für die Lackreparatur fast 1.500 Euro ausgeben und verklagte den siebenjährigen Schüler auf Schadenersatz.

Das Amtsgericht München wies die Klage ab (345 C 13556/17). Bis zum 10. Geburtstag hafteten Kinder für solche Schäden nur, wenn sie diese absichtlich verursachten. Das könne man hier ausschließen. Der Gesetzgeber habe Kinder dieses Alters ansonsten von der Haftung befreit, weil sie von den Risiken des Autoverkehrs überfordert seien: Sie könnten Entfernungen und Geschwindigkeiten noch nicht richtig einschätzen.

Zwar gelte das nicht automatisch auch für geparkte Autos, die sich naturgemäß nicht bewegten. Aber im konkreten Fall habe - auch nach Aussage des Autobesitzers selbst - ein fahrendes Auto den Schaden am geparkten Wagen ausgelöst. Der sei entstanden, weil der Junge einem fahrenden Auto ausweichen wollte. Er sei nicht einfach so gegen den geparkten Wagen gestoßen, weil er nicht aufgepasst habe. Entscheidend sei also die mangelnde Fähigkeit des Kindes gewesen, Abstände im Straßenverkehr richtig einzuschätzen und sich entsprechend zu verhalten.

Boardinghaus in der Wohnanlage

Kurzartikel

Eine Wohnungseigentümergemeinschaft kann den Betrieb eines Boardinghauses für wechselnde Arbeitnehmer von Zeitarbeitsfirmen im Hinterhaus der Wohnanlage nicht verhindern, wenn die Teilungserklärung der Anlage gewerbliche Nutzung aller Art im Hinterhaus erlaubt. Die Nutzung von Teileigentum als Boardinghaus ist nicht störender als die zulässige Nutzung von Räumen als Heim, als Pension oder als Restaurant mit Abendbetrieb.

TV-"Top Flops"

Fernsehsender muss für die unkommentierte Ausstrahlung von Pannen anderer Sender Lizenzgebühr zahlen

Der NDR produzierte aus Pannen anderer Fernsehsender eine Sendereihe mit dem Titel "Top Flops", die auch von weiteren öffentlich-rechtlichen Sendern ausgestrahlt wurde. Gezeigt wurden Ausschnitte von Fernsehbeiträgen, bei denen etwas schief gegangen war: Pannen mit Tieren, gähnende Moderatoren, Moderatorin hat etwas zwischen den Zähnen … Und viele andere Szenen, die man lustig finden kann oder auch nicht.

Gar nicht lustig fand die RTL-Gruppe, dass unter den Flops auch Pannen von RTL-Sendern waren. Sie verklagte den NDR (und andere ausstrahlende Sender) auf Zahlung von Lizenzgebühr für die ausgestrahlten Sequenzen. Dagegen wehrten sich die öffentlich-rechtlichen Sender mit dem Argument, die Schnipsel seien im Rahmen einer Parodie gesendet worden, das sei kostenfrei. Außerdem seien Zitate im Sinn des Urheberrechts sowieso zulässig und kostenfrei.

Das Oberlandesgericht Köln konnte in "Top Flops" jedoch keine Parodie erkennen (6 U 116/17). Eine Parodie spiele auf ein anderes Werk an, um es zu verspotten. Dabei unterscheide sich die Parodie deutlich vom parodierten Werk. Das sei in der Sendereihe "Top Flops" jedoch nicht der Fall. Moderatoren kündigten die Beiträge nur an, ohne sich irgendwie damit auseinander zu setzen. Die Sequenzen würden einfach unkommentiert aneinander gereiht.

Daher handle es sich auch nicht um Zitate: Zitate könne jeder frei verwenden, das solle die geistige Auseinandersetzung mit fremden Werken erleichtern. Die finde hier aber nicht statt: Die Sendung "Top Flops" verbinde die Ausschnitte nicht mit eigenen Gedanken dazu. Die Schnipsel würden einfach um ihrer selbst willen vorgeführt. Auf diese Weise dürften Fernsehsender "Flops" der Konkurrenz nicht kostenfrei ausstrahlen. Die Forderung nach Lizenzgebühr sei berechtigt.

Kindergeld trotz unterbrochener Ausbildung

Kurzartikel

Die Familienkasse darf die Zahlung von Kindergeld für eine volljährige Frau nicht einstellen, wenn sie ihre Ausbildung an einer Berufsfachschule krankheitsbedingt unterbrechen muss. Die junge Frau habe - amtsärztlich bestätigt - aus objektiven Gründen aussetzen müssen, so das Finanzgericht. Dass ihr Wiedereinstieg derzeit nicht kalkulierbar sei, ändere nichts am Anspruch auf Kindergeld. Derzeit gebe es jedenfalls keine Anhaltspunkte dafür, dass die Erkrankte die Absicht aufgegeben habe, ihre Ausbildung nach der Genesung fortzusetzen.

Vereitelte Karibik-Kreuzfahrt

Reiseveranstalter muss den Reisepreis zurückzahlen und die Kunden obendrein "angemessen entschädigen"

Bei einem Reiseveranstalter hatte ein Ehepaar für November 2015 eine zweiwöchige Karibik-Kreuzfahrt gebucht, zum Gesamtpreis von 4.998 Euro. Doch drei Tage vor der Abreise erfuhren die Eheleute, dass es die Mitarbeiter des Veranstalters versäumt hatten, für sie Plätze auf dem Schiff zu reservieren. Sie konnten die Reise nicht antreten.

In Windeseile organisierte das Paar selbst im gleichen Zeitraum eine Reise mit dem Mietwagen durch Florida. Ob der Ersatzurlaub gelungen und erholsam war, ist nicht bekannt. Jedenfalls entstanden dadurch Mehrkosten von fast 900 Euro. Vom Reiseveranstalter verlangten die Kunden nicht nur den Reisepreis zurück, sondern darüber hinaus Entschädigung für den Ausfall der Kreuzfahrt.

Zu Recht, urteilte der Bundesgerichtshof (X ZR 94/17). Werde eine Reise durch Versäumnisse des Veranstalters vereitelt, könnten Reisende ebenso wie bei einer Reise mit erheblichen Mängeln zusätzlich zur Erstattung des Reisepreises eine angemessene Entschädigung verlangen.

Den Reisenden stehe ein Ausgleich für die (immaterielle) Unbill zu, dass sie ihre Urlaubszeit nicht so verbringen konnten wie mit dem Veranstalter vereinbart - eine Art Schmerzensgeld für die Enttäuschung, vergeblich Pläne geschmiedet und sich auf eine Traumreise gefreut zu haben.

Allerdings könne die Beeinträchtigung bei einer Reise mit groben Mängeln erheblich größer sein, als wenn eine Reise komplett ausfalle. Entwerteten mangelhafte Reiseleistungen eine Reise fast vollständig, sei eine Entschädigung in Höhe des vollen Reisepreises angemessen. Das sei bei einer vereitelten Reise nicht immer der Fall. Im konkreten Fall seien die 3.685 Euro (73 Prozent des Reisepreises), die das Oberlandesgericht Köln den Kunden zugesprochen habe, durchaus angemessen.

Bei der Berechnung komme es auf den Reisepreis und den Nutzen an, der den Kunden entgangen sei: hier also eine sehr attraktive und hochwertige Kreuzfahrt. Zudem habe der Reiseveranstalter die Kreuzfahrt ausgesprochen kurzfristig abgesagt. So habe er es den Kunden zusätzlich erschwert, die vorgesehene Reisezeit in einer anderen Weise zu nutzen, die ihnen zusagte.

Coca-Cola-Schrift bleibt exklusiv

Getränkehersteller klagt gegen syrisches "Trittbrettfahrer"-Unternehmen

Ein Markenrechtsstreit, bei dem es ausnahmsweise nicht um die Markennamen geht, sondern um die für Coca-Cola typische, schwungvolle Schrift: Die syrische Gesellschaft Modern Industrial & Trading Investment (Mitico) benutzt sie im Handel und auf ihrer Webseite (mastercola.com) fürs Marketing.

Als Mitico beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) den Begriff "Master" als EU-weite Marke für Getränke und Nahrungsmittel registrieren lassen wollte, widersprach die Gesellschaft Coca-Cola dem Eintrag.

Sie pochte auf ihre älteren Markenrechte: Mitico benutze die Marke "Master" in einer Schrift, die bewusst an die Marke Coca-Cola erinnere. Das EUIPO wies den Vorwurf mit der Begründung zurück, die Markennamen seien so unterschiedlich, dass keine Gefahr bestehe, sie zu verwechseln — obwohl beide Marken in der gleichen Schriftart dargestellt würden und die von den Unternehmen angebotenen Waren identisch seien.

Beim Gericht der Europäischen Union hatte Coca-Cola dagegen mit seiner Klage Erfolg (T-61/16). Das Schriftbild sei sehr ähnlich, betonte das Gericht, schon weil beide Unternehmen eine in der heutigen Geschäftswelt wenig geläufige Schriftart einsetzten (Spencer-Schrift). Zudem verlängere bei beiden Schriftzügen eine "Schlange" in weitem Bogen den Anfangsbuchstaben. Diese Ähnlichkeit im Schriftzug genüge, um Assoziationen zu Coca-Cola zu wecken.

Verbraucher könnten durchaus einen Zusammenhang zwischen der Marke "Master" und den älteren Marken von Coca-Cola herstellen. Coca-Cola habe deshalb dem Eintrag der Marke "Master" ins EU-Markenregister zu Recht widersprochen. Zwar werde der Markenname "Master" bisher nur in Syrien und im Mittleren Osten in der Coca-Cola-ähnlichen Form benutzt, so das Gericht.

Doch die Annahme sei logisch, dass sich dies durch den europäischen Markenschutz ändern und "Master" künftig auch in der EU benutzt werden solle. Insofern bestehe durchaus die Gefahr, dass hier ein "wirtschaftlicher Trittbrettfahrer" die Berühmtheit einer geschätzten Marke in unlauterer Weise ausnutzen könnte.

Offene Bodenluke im Modehaus

Kundin stürzt in den Keller: Das Bekleidungsgeschäft haftet für die Behandlungskosten

Eine Frau suchte ein Modehaus auf, um für ihre Tochter einen Pullover zu kaufen. Im Gang zur Kasse befand sich im Boden ein (2 m x 80 Zentimeter großer) Schacht, der in den Bügelkeller führte. Dessen Abdeckung stand offen. Die Kundin übersah die offene Luke, weil sie auf dem Weg zur Kasse kurz auf die Seite schaute — auf den Geschäftsinhaber, der sich mit einer Verkäuferin unterhielt. Dieser Seitenblick wurde ihr zum Verhängnis.

Die Frau stürzte in den Schacht und erlitt mehrere Knochenbrüche. Die gesetzliche Krankenkasse der Rentnerin bezahlte die Behandlungskosten von 21.000 Euro. Die Hälfte dieses Betrags übernahm der Haftpflichtversicherer des Modehauses freiwillig. Den restlichen Betrag müsse er ebenfalls erstatten, forderte die Krankenkasse. Vor Gericht ging es im Wesentlichen um die Frage, ob der Kundin Mitverschulden vorzuwerfen ist — was den Anspruch der Krankenkasse gemindert hätte.

Das Oberlandesgericht Hamm verneinte dies (9 U 86/17). In einem Bekleidungsgeschäft konzentrierten sich die Kunden auf die Waren, auf Preisschilder und Hinweisschilder. Sie seien naturgemäß abgelenkt. In so einem Laden müssten Kunden allenfalls mit heruntergefallenen Kleidungsstücken rechnen, aber nicht mit einer offenen Bodenluke. Auf so eine überraschende Gefahrenquelle könnten sich Kunden nicht einstellen.

Die Tatsache, dass sich die verletzte Frau durch die Unterhaltung in der Nähe zu einem Seitenblick verleiten ließ, sei nicht als Mitverschulden zu bewerten. Selbst wenn das zum Unfall beigetragen haben sollte: Ihre geringfügige Unachtsamkeit trete angesichts der grob fahrlässigen Nachlässigkeit des Modehauses völlig in den Hintergrund.

Das Unternehmen hafte daher zu 100 Prozent für die Behandlungskosten. Eine Bodenluke dürfe nur außerhalb der Geschäftszeiten geöffnet werden. Nach Angaben des Geschäftsführers werde im Modehaus normalerweise auch so verfahren.

"30 Prozent Rabatt auf (fast) alles"

Diese Reklame eines Möbelhauses ist irreführend, wenn der Rabatt für Waren von 40 Herstellern nicht gilt

Ein Möbelmarkt ließ einen Werbeprospekt verteilen, indem er Verbrauchern "30 Prozent Rabatt auf fast alles" versprach. Dabei war das Wort "fast" senkrecht im Knick des gefalteten Prospekts gedruckt — außerdem deutlich kleiner und dünner als der restliche Text. Ein Konkurrent beanstandete die Reklame als irreführend: Immerhin sei dem Kleingedruckten zu entnehmen, dass der Rabatt für die Produkte von 40 Herstellern nicht gelte.

Hier würden Verbraucher verkohlt, fand auch das Oberlandesgericht Köln (6 U 153/17). Schon die Gestaltung des Aufmachers mit dem fast verschwindenden "fast" sei grenzwertig. Die zugehörige Sprechblase führe die Adressaten der Werbung endgültig auf eine falsche Fährte: Hier werde aufgelistet, dass es Rabatt gebe "auf Polstermöbel, Wohnwände, Küchen, Schlafzimmer, Stühle, Tische … einfach auf fast alles".

Diese Aufzählung könne der Verbraucher nur so verstehen: Mit Ausnahme von Produktkategorien wie z.B. Gartenmöbel, die auf dieser Liste nicht auftauchten, gelte der Rabatt für alle Produkte. Tatsächlich seien aber viele Waren vom Rabatt ausgenommen, so etwa bereits reduzierte Ware und Artikel von 40 namentlich genannten Herstellern.

"Rabatt auf fast alles" sei also eine dreiste Lüge als Blickfang vorne auf dem Prospekt. Dass der Händler diese objektiv falsche Angabe dann im Kleingedruckten richtigstelle, ändere nichts am irreführenden Charakter des Prospekts. Die Reklame sei unzulässig.

Verlust der Bahncard

Bahn-AG darf Ersatz für verlorene Bahncards nicht ausschließen

In den "Hinweisen zum Gebrauch Ihrer Bahncard", die Kunden beim Kauf einer Bahncard erhalten, druckte die Deutsche Bahn AG bis Ende September 1993 folgende Klausel ab: "Für abhanden gekommene Bahncards wird kein Ersatz geleistet". Dagegen wandte sich ein Verbraucherschutzverein: Nach dem "Gesetz zur Regelung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen" sei diese Klausel unwirksam.

Das Oberlandesgericht Frankfurt bestätigte diese Auffassung (1 U 67/94): Die beanstandete Klausel benachteilige die Kunden unangemessen. Die Bahncard diene lediglich dazu, das Recht des Kunden auf den ermäßigten Fahrpreis nachzuweisen. Die Bahn-AG habe alle wichtigen Daten der Kunden gespeichert, so dass sie auch ohne die Bahncard herausfinden könne, wem eine Fahrpreisermäßigung zustehe und wem nicht.

Der Zweck der Bahncard liege darin, den Bediensteten der Bahn auf einfache Weise eine Kontrolle zu ermöglichen. Laut Bahncard-Vertrag müsse der Benutzer, um sich auszuweisen, nicht nur die Bahncard selbst, sondern auch einen amtlichen Lichtbildausweis vorlegen. Es sei also Sache der Bahn-AG, das Risiko des Kartenmissbrauchs dadurch zu verringern, dass korrekt kontrolliert werde. Das Bahnunternehmen könne dieses Risiko nicht einfach per Klausel in den Geschäftsbedingungen einseitig auf die Kunden abwälzen, die vielleicht ohne Verschulden ihre Karte verloren haben.

Jäger gegen Jagdzeitverlängerung

Oberbayerische Verordnung zum Schutz der Wälder gegen Wildverbiss ist wirksam

Nur auf den ersten Blick erscheint es paradox, dass ein Jäger eine Verordnung bekämpft, die die Jagdzeiten für Schalenwild verlängert. Die Regierung von Oberbayern hat die Verordnung für 105 Bereiche der Alpen erlassen, in denen Schutzwald saniert wird. Durch längere Jagdzeiten soll der Wildbestand reduziert werden, um so bestandsgefährdeten Schutzwald und Nachpflanzungen vor Wildverbiss zu schützen.

Der Inhaber eines Jagdreviers focht die Verordnung an. Seine Begründung: Wenn das Schalenwild auf den Sanierungsflächen verschärft gejagt werde, wechsle es das Revier. Vertrieben von den Sanierungsflächen, würde es dann seinen Waldbesitz schädigen. Doch der Verwaltungsgerichtshof München fand an der Verordnung nichts auszusetzen (19 N 14.1022).

Das Unternehmen Bayerische Staatsforsten bewirtschafte für den Freistaat Bayern 755.000 Hektar Wald gemäß dem Grundsatz "Wald vor Wild". Die Sanierung des Schutzwaldes stimme mit dem EU-Naturschutzrecht überein. Es gebe also inhaltlich keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Verordnung unwirksam sein könnte.

Letztlich sei aber der Antrag des Jägers schon aus formellen Gründen zurückzuweisen. Denn die allermeisten betroffenen Waldgebiete lägen weit von seinem Jagdrevier entfernt, die Verordnung werde sich auf sein Eigentum also gar nicht auswirken.

Im Verfahren habe sich ohnehin gezeigt, dass es dem Jäger nicht wirklich — wie von ihm behauptet — um den Wildverbiss in den Wäldern seines Jagdreviers gehe. Vielmehr lehne er die nachhaltige Waldbewirtschaftung der Jagdbehörden und der Bayerischen Staatsforsten ab, weil sie voraussetze, dass der Wildbestand gesenkt werde. Anscheinend entspreche der überhöhte Wildbestand dem trophäenorientierten Jagdinteresse des Jägers. Doch der Anspruch auf überhöhte Wildbestände sei rechtlich nicht geschützt.

Kleinkind erschreckt Pferd

Pferd scheut wegen Poltergeräuschen in der Reithalle und verletzt die Tierhalterin

Eine Großmutter besuchte mit ihren drei und fünf Jahre alten Enkelkindern eine Nürnberger Reithalle. Damit der Dreijährige die Pferde besser sehen konnte, setzte sie ihn auf die Holzbande, die den Zuschauerbereich vom Reitfeld trennte. Der Junge ließ die Füße baumeln und schlug mit seinen Turnschuhen gegen die Bande. Das leichte Poltern erschreckte ein Pferd, das die Halterin gerade am Zügel durch die Halle führte.

Es scheute und zog unvermittelt rückwärts. Durch diese plötzliche Bewegung wurde die Tierhalterin mit dem Zügel nach hinten gerissen und verletzte sich an der Schulter. Von der Großmutter forderte die Reiterin rund 1.900 Euro Schadenersatz für die Kosten einer Haushaltshilfe und obendrein 3.000 Euro Schmerzensgeld. Das Amtsgericht Nürnberg wies ihre Klage ab (239 C 1390/17).

Der Besucherin könne man kein schuldhaftes Verhalten vorwerfen, entschied das Amtsgericht, auch wenn das polternde Kleinkind wohl die Reaktion des Pferdes ausgelöst habe. Besucher seien in der Reithalle prinzipiell zugelassen. Dass die Großmutter dem Enkel ermöglichen wollte, den Reitern zuzuschauen, sei nachvollziehbar — auch wenn sie das Kind nicht auf die Holzbande hätte heben sollen.

Letztlich sei es aber das für Pferde typische unberechenbare Verhalten, das zu dem Unfall geführt habe. Die Großmutter habe nicht vorhersehen können, dass das Tier auf das Poltergeräusch so schreckhaft reagieren würde.

Besucher der Reithalle sollten darüber informiert werden, dass sie sich dort leise verhalten müssten. Das sei dort bisher nicht üblich, wäre aber angebracht. Schließlich wüssten viele Leute nicht, dass ganz alltägliche Geräusche — wie z.B. Schreien von Kleinkindern oder das Treten gegen die Innenseite der Holzbande — Pferde erschrecken könnten.

Zug verspätet, Flug verpasst

Reiseveranstalter muss für zusätzliche Reisekosten nicht haften, wenn die Kunden zu spät gestartet sind

Ein Würzburger Ehepaar hatte bei einem Reiseveranstalter eine Thailand-Reise gebucht. Der Flug nach Phuket startete in Bonn. Für die Anreise zum Flughafen bot der Reiseveranstalter ein kostenloses Zugticket (Rail & Fly). Mit einem ICE fuhr das Paar am Abflugtag von Würzburg nach Bonn. Doch der Zug kam um 103 Minuten zu spät an. Als die Thailand-Reisenden den Check-In-Schalter am Flughafen erreichten, war das Einchecken bereits beendet.

Sie übernachteten in Bonn und buchten für den nächsten Tag einen Ersatzflug. Nach dem Urlaub verklagten die Kunden den Reiseveranstalter auf Schadenersatz für die zusätzlichen Reisekosten. Bei Rail & Fly seien Flug und Zuganfahrt als einheitliche Reiseleistung anzusehen, meinten sie. Daher müsse der Reiseveranstalter für die Folgen der Zugverspätung aufkommen.

Tatsächlich sei Rail & Fly ein Service, bei dem die Zugfahrt gemeinsam mit dem Flug als eine Reiseleistung zähle, bestätigte das Amtsgericht Frankfurt (32 C 1966/17). Daher müsste im Prinzip der Reiseveranstalter für Mehrkosten infolge einer Zugverspätung geradestehen — wenn die Urlauber einen früheren Zug genommen hätten. Doch das Paar müsse sich Mitverschulden an dem Malheur vorwerfen lassen. Anspruch auf Schadenersatz bestehe daher nicht.

Der Reiseveranstalter habe in den Reiseunterlagen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Kunden einen Zug nehmen müssten, der — zumindest nach regulärem Fahrplan — drei Stunden vor Abflug des Fluges am Flughafen ankomme. Diese Empfehlung habe das Paar ignoriert und so die Mehrkosten durch den verpassten Flug mit-verursacht. Die Urlauber hätten Verspätungen im Bahnverkehr einkalkulieren müssen.

Blumen gegossen, Teppich versaut

Bekannter kümmert sich während des Urlaubs der Wohnungsinhaberin um Pflanzen: Haftet er für Schäden?

Aus dem Urlaub zurückgekehrt, musste eine frisch erholte Konstanzerin feststellen, dass ihr Teppichboden und ein Orientteppich beschädigt waren. Der Bekannte, der während des Urlaubs ihre Wohnung gehütet hatte, hatte ihre Pflanzen überreichlich gegossen. Sie verklagte ihn auf Ersatz für die Wasserschäden.

Das Amtsgericht Konstanz entschied, dass die Wohnungsinhaberin darauf keinen Anspruch hat (5 C 608/93). Wenn bei einer Gefälligkeit unter Freunden oder Bekannten Schaden entstehe, hafte der Verursacher dafür nicht. Der Bekannte habe für die Wohnungseigentümerin jahrelang das Blumengießen übernommen, wenn sie abwesend war.

In solchen Fällen gehe man davon aus, dass die Beteiligten - unausgesprochen - einen Haftungsausschluss für Schäden vereinbart haben. Wenn der Bekannte die Frau vorher auf das Risiko, durch übermäßiges Gießen die Teppiche zu beschädigen, direkt angesprochen und einen Haftungsausschluss verlangt hätte, hätte sie dieses Verlangen auch nicht ablehnen dürfen.

Unfall auf der Hoteltreppe

Urlauber müssen damit rechnen, dass Außentreppen morgens vom Hotelpersonal gereinigt werden

Frau W hatte bei einem Reiseveranstalter eine zweiwöchige Türkei-Pauschalreise gebucht, mit Aufenthalt in einem Robinsonclub. Außen am Gebäude führte eine Natursteintreppe von der zweiten Ebene des Hotels mit verschiedenen Geschäften zur untersten Ebene mit einer Bar. Sie wurde jeden Morgen vom Hotelpersonal mit Wasser abgespritzt. Danach stand das Wasser eine Weile in den Vertiefungen des Bruchsteins, bis es verdunstete.

Auf dieser Treppe rutschte Frau W gegen 9.30 Uhr aus und brach sich einen Fußknöchel. Den Reiseveranstalter machte sie für die "Sicherheitsdefizite" in seinem Vertragshotel verantwortlich und forderte eine Entschädigung von 12.320 Euro. Die Treppe sei total glatt gewesen, die Nässe nicht erkennbar. Trotzdem habe das Hotelpersonal kein Warnschild aufgestellt, wie es hier notwendig gewesen wäre.

Doch das Oberlandesgericht (OLG) Celle verneinte eine Pflichtverletzung des Hotels und entschied den Streit zu Gunsten des Reiseveranstalters (11 U 65/17). Das Risiko, auf einer nassen Treppenstufe auszurutschen, zähle zum allgemeinen Lebensrisiko, so das OLG. Damit müsse man auch im Alltag rechnen.

Von einer besonderen Gefahr im Urlaubshotel könne keine Rede sein: Die Fotos zeigten einen Naturstein mit unregelmäßiger Oberfläche und Kanten. Dass er nach dem Abspritzen eisglatt gewesen sein könnte und das Wasser nicht zu sehen, sei schon sehr unwahrscheinlich. Mit Feuchtigkeit müssten Hotelgäste in der Nähe von Schwimmbädern oder auf einer Außentreppe rechnen.

Im Mittelmeerraum sei es allgemein üblich, Außentreppen und Terrassen morgens abzuspritzen, um Staub und Sand vom Vortag zu entfernen. Darauf müssten sich Urlauber einstellen. Das Hotelpersonal sei nicht verpflichtet, auf diesen Umstand extra aufmerksam zu machen und Warnschilder aufzustellen.

Mäuse im Altenteilerhaus

Vermieter wollen Schädlingsbekämpfer nicht länger finanzieren: Mietminderung

Ein Ehepaar hat ein Altenteilerhaus gemietet — so nennt man ein separates Gebäude auf einem Bauernhof, das in der Regel nach der Hofübergabe vom Austragsbauern bewohnt wird. Seit Jahren wird das Häuschen regelmäßig im Winter von einer Mäuseplage heimgesucht. Die Tiere krabbeln vor allem nachts in den Zwischendecken herum, man hört sie ständig schaben. In den Wandecken sammeln sich Flüssigkeiten.

Zunächst kümmerten sich die Landwirte und Hauseigentümer um das Problem und beauftragten einen Schädlingsbekämpfer. Doch dem Mann gelang es nicht, die Mäuse dauerhaft zu vertreiben. Im Winter kamen sie immer wieder. Mehrmals riefen die Vermieter den Kammerjäger, ohne durchschlagenden Erfolg. Dann hatten die Mieter genug und minderten die Miete um 50 Euro (6,5 Prozent der Kaltmiete).

Erfolglos klagten die Vermieter den Differenzbetrag ein. Eine Minderung in dieser Höhe sei angemessen, urteilte das Amtsgericht Neustadt/Rübenberge (40 C 330/17). Zweifellos stellten Mäuse im Haus einen Mangel der Mietsache dar. Das kontinuierliche Krabbeln und Kratzen störe die Nachtruhe. Mäuse-Urin in Decken und an Wänden führe zu Geruchsbelästigung. Exkremente in der Wohnung seien unhygienisch und könnten sogar die Gesundheit gefährden.

Die Mieter seien an der Mäuseplage ebenso wenig schuld wie die Vermieter. Dass die Eigentümer nun behaupteten, die Mieter würden häufig die Türen lange offen stehen lassen und so die Mäuse quasi "einladen", sei lebensfremd. Das Ehepaar könne die Rückkehr der Mäuse in den Wintermonaten nicht verhindern.

Vermieter müssten den vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache gewährleisten. Daher seien die Eigentümer verpflichtet, beim Auftauchen der Mäuse auf ihre Kosten einen Schädlingsbekämpfer zu beauftragen. Sie hätten diese wiederholt auftretenden Kosten durchaus auf die Mieter abwälzen können. Dazu hätten die Vermieter aber im Mietvertrag entsprechende Regelungen treffen müssen.

Baum in der Loggia

Kurzartikel

Ist ein Mieter rechtskräftig dazu verurteilt worden, einen in der Loggia seiner Mietwohnung gepflanzten Ahornbaum mitsamt Erdreich und Wurzeln zu beseitigen, und lehnt dies hartnäckig ab, obwohl ihm der Vermieter obendrein zwei Mal eine Frist dafür gesetzt und im Weigerungsfall die Kündigung angedroht hat, kann der Vermieter fristlos kündigen. Eine so grobe Pflichtverletzung macht es für den Vermieter unzumutbar, das Mietverhältnis fortzusetzen.

Skiunfall auf vereister Piste

Anfänger haftet für die Folgen einer "unangemessenen" Fahrweise

Nachdem sie den Skihang hinuntergekurvt war, querte eine Skifahrerin die Piste, um zum Lift zu kommen. Dabei stieß sie mit einem Anfänger zusammen, der mit seinen Skiern auf einer Eisplatte ausgerutscht war. Die Frau erlitt beim Aufprall ein Schleudertrauma, Prellungen und Schnittverletzungen im Gesicht. Vom Unfallgegner forderte die Skifahrerin 2.875 DM Entschädigung.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth entschied zu ihren Gunsten (13 S 1729/94). Mitunter stürzten zwar auch geübte Skifahrer auf einer Eisplatte, räumte das Gericht ein, sogar Profiskirennfahrern misslinge manchmal der richtige Kanteneinsatz. Trotzdem sei dem Mann ein Vorwurf nicht zu ersparen: Gerade für Anfänger sei es ein "Muss", ihrem Können angemessen vorsichtig und aufmerksam zu fahren - insbesondere auf vereisten Pisten. Wäre er langsam und vorausschauend gefahren, hätte der Mann die Eisplatte frühzeitig sehen, sie umfahren und einen Sturz verhindern können. Deshalb schulde er der verletzten Frau die geforderte Entschädigung.

"Diana"-Tattoo auf dem Unterarm

Bewerber um eine Stelle im Berliner Polizeidienst wegen "sexistischer" Tätowierung abgelehnt

Passt eine Tätowierung mit einer barbusigen Frau zu einem Objektschützer in Diensten der Berliner Polizei? Mit dieser Frage musste sich das Arbeitsgericht Berlin befassen (58 Ga 4429/18). Die Berliner Polizei hatte einen Bewerber abgewiesen, auf dessen Unterarm eine Frau mit entblößten Brüsten zu sehen war. Auf Nachfrage teilte man ihm mit, er sei wegen des Tattoos im Auswahlverfahren ausgeschieden.

Der abgewiesene Bewerber wandte sich ans Arbeitsgericht und erklärte, das Tattoo sei nicht sexistisch oder frauenfeindlich, sondern einfach eine Darstellung der Kriegsgöttin Diana, wie sie in der Antike üblich gewesen sei. Außerdem könne er die Tätowierung mit einem langärmligen Diensthemd verdecken.

Doch das Arbeitsgericht fand die Entscheidung der Berliner Polizei nachvollziehbar. Es komme nicht darauf an, wie der Tätowierte sein Motiv sehe, sondern darauf, wie Bürgerinnen und Bürger empfinden würden, wenn ihnen ein so tätowierter Angestellter der Polizei gegenüber träte.

Den meisten sei der historische Kontext der Kriegsgöttin Diana wohl nicht bekannt. Also bliebe als Eindruck das Bild einer kämpferisch dargestellten Frau mit entblößten Brüsten übrig. Dieses Bild würden vermutlich viele Bürgerinnen und Bürger als sexistisch ansehen.

Den Vorschlag, das Tattoo bei der Arbeit mit einem langärmligen Diensthemd zu verdecken, hielt das Gericht für nicht praktikabel — jedenfalls nicht bei Einsätzen im Außendienst oder in nicht klimatisierten Räumen bei heißen Sommertemperaturen.