Sonstiges

Brand zerstörte die Ernte

Die Versicherung kürzt ihre Leistungen, weil der Landwirt seine Heuballen nicht richtig kontrolliert hatte

In der Lagerhalle eines landwirtschaftlichen Betriebs hatten sich im Sommer 2014 Heuballen entzündet. Bei dem Brand wurde die gesamte Ernte zerstört, der Schaden belief sich auf rund 445.000 Euro. Die Landwirtschaftsbetriebs-Versicherung des Landwirts ersetzte nur 355.000 Euro. Sie begründete dies damit, dass der Versicherungsnehmer das Heu nicht richtig eingelagert und kontrolliert habe. Vergeblich forderte der Landwirt den restlichen Betrag.

Das Landgericht Braunschweig wies seine Klage ab und das Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig billigte die Kürzung der Versicherungsleistungen um 20 Prozent ebenfalls (11 U 68/19). Warum stete Kontrolle wichtig sei, habe der gerichtliche Sachverständige überzeugend ausgeführt: Bei falscher Lagerung könne sich Heu leicht selbst entzünden. Ein bestimmter Feuchtigkeitsgehalt im Erntegut begünstige Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien. Sei das Heu gleichzeitig stark verdichtet oder gepresst, gerate es schnell in Brand.

Daher müsse man nach der Einlagerung von Heu regelmäßig die Temperatur messen. Nach den Versicherungsbedingungen müsse der Versicherungsnehmer das getrocknete Erntegut ständig durch Messgeräte wie z.B. Heumesssonden kontrollieren. Heustapel seien so anzulegen, dass jeder Punkt des Stapels überprüft werden könne. Diese Pflichten aus dem Versicherungsvertrag habe der Landwirt grob fahrlässig verletzt, so das OLG.

Er habe nämlich über 3.000 Heuballen so gelagert, dass nur die obersten Ballen der "Heutürme" erreichbar gewesen seien. Die unteren Ballen habe man weder sehen, noch mit einer Messlanze überprüfen können. Fehlerhafte Lagerung und Kontrolle hätten den Brand verursacht.

Die einschlägigen Klauseln im Versicherungsvertrag, die Landwirten vorschreiben, wie sie Heu einlagern und kontrollieren müssten, seien nicht zu beanstanden, erklärte das OLG: Sich an diese Auflagen zu halten, verringere das Risiko der Selbstentzündung erheblich und das liege auch im Interesse des Versicherungsnehmers.

"Käpt’n Iglo" nachgeahmt?

Hersteller von Fischkonserven streiten über angeblich irreführende Werbung

Wer öfter mal tiefgekühlten Fisch kauft, kennt wohl auch "Käpt’n Iglo", die Werbefigur des Tiefkühlkost-Herstellers Iglo. Meistens grüßt er im blauen Anzug und weißem Rolli von der Verpackung — ganz der authentische Seemann, mit Meer im Hintergrund. Und dann das: Auch die Konkurrenz, Feinkostfirma Appel, wirbt mit maritimen Motiven und einer männlichen Werbefigur!

Das sei eine irreführende Kopie seiner Werbung, fand das Unternehmen Iglo und klagte auf Unterlassung: Die Reklame von Appel sei darauf angelegt, dass Verbraucher sie mit der Werbe-Ikone "Käpt’n Iglo" verwechselten und deshalb Appel-Fischprodukte kauften. Doch das Landgericht München I konnte keine unlautere Nachahmung des Iglo-Werbekonzepts erkennen und wies die Klage ab (17 HK O 5744/20).

Dass Hersteller von Fischprodukten mit maritimen Motiven werben (Küste, Himmel, Wetter, Wellen), sei naheliegend, so das Landgericht. Alle Produzenten der Branche machten das und es sei auch zulässig: Auf solche Motive könne kein Unternehmen allein Anspruch erheben. Im Übrigen unterscheide sich die Appel-Reklame so deutlich von der Iglo-Reklame, dass von Irreführung der Verbraucher hier keine Rede sein könne.

Im Hintergrund der Appel-Werbung sei stets ein bekannter Leuchtturm aus dem Landkreis Cuxhaven zu sehen, dem Sitz des Unternehmens Appel. Auch der Firmenname sei gut wahrnehmbar und weise eindeutig auf Appel hin. Und die männliche Werbefigur sehe keineswegs wie ein Seemann aus. Das sei ein eher vornehm wirkender Herr im eleganten, grauen Dreiteiler und karierter Weste mit Krawatte oder Seidenschal.

Kein Verbraucher werde diesen Herrn mit "Käpt’n Iglo" verwechseln, bloß deswegen, weil auch die Appel-Werbefigur eine Elblotsen-Mütze trage. Es sei eindeutig zu erkennen, dass diese Reklame weder mit der Figur des Iglo-Seemannes, noch mit dem Unternehmen Iglo in Verbindung stehe.

Der eingeschlafene Schöffe

Schlummert ein Laienrichter während der Verlesung der Anklage, muss neu verhandelt werden

Wer mag es dem Laienrichter verdenken: Schließlich verlas der Staatsanwalt in der Sitzung vor dem Landgericht Kassel eine Anklage, in der es um 180 (!) Fälle vermuteter Steuerhinterziehung ging. Das war wohl so öde, dass der Schöffe irgendwann gelangweilt weg-döste.

Bei Tatvorwurf Nr. 177 unterbrach ein Verteidiger den Staatsanwalt und bat den Vorsitzenden Richter zu prüfen, ob der Schöffe noch wach sei. Denn der saß mit geschlossenen Augen und leicht geöffnetem Mund zusammengesunken auf der Richterbank.

Der Vorsitzende sprach den Laienrichter an, der eine Weile brauchte, um wieder zu sich zu kommen. Dann verlas der Staatsanwalt die restliche Anklageschrift. Wiederholt wurden die Anklagepunkte nicht, die der Schöffe verschlafen hatte. Dieser Umstand verhalf der Revision des Steuerhinterziehers zum Erfolg, den das Landgericht zu vier Jahren Gefängnis verurteilt hatte.

Schlafe ein Richter ein, während die Anklage vorgetragen werde, müsse diese erneut verlesen werden, urteilte der Bundesgerichtshof (1 StR 616/19). Die Verlesung der Anklageschrift sei ein wesentlicher Teil der Hauptverhandlung. Könne sie ein Schöffe nicht zur Kenntnis nehmen, weil er schlafe, sei das Gericht "nicht ordnungsgemäß besetzt". Und das sei ein zwingender Grund, den Fall neu aufzurollen, betonten die Bundesrichter.

Unter diesen Umständen werde das Urteil aufgehoben — ohne dass noch geprüft werden müsse, ob es überhaupt auf diesem Fehler beruhe. Der Bundesgerichtshof verwies das Steuerverfahren an eine andere Kammer des Landgerichts Kassel zurück. Einmal in Fahrt, rügten die Bundesrichter bei der Gelegenheit auch noch zahlreiche inhaltliche Mängel des Urteils.

Große Treibjagd in Corona-Zeiten?

Der Landkreis darf die Teilnehmerzahl bei einer Gesellschaftsjagd beschränken

Gesellschaftsjagden durchzuführen, ist im Landkreis Gießen trotz der Pandemie grundsätzlich zulässig. Aber der Landkreis hat die Teilnehmerzahl eingeschränkt: In einem Revier mit weniger als 100 Hektar Jagd-Waldfläche dürfen nur bis zu zehn Personen teilnehmen (Jäger, Treiber, Hundeführer). In größeren Revieren darf es pro zehn Hektar zusätzlicher Waldfläche je eine Person mehr sein.

Gegen diese Auflage wandte sich ein Jagdpächter. Per Eilantrag wollte er die Erlaubnis durchsetzen, Mitte November 2020 eine Gesellschaftsjagd mit bis zu 20 Schützen, vier Treibern und einem Hundeführer zu veranstalten. Es sei völlig unnötig, die Teilnehmerzahl so eng zu fassen wie im Landkreis Gießen, erklärte der Jagdpächter. Um Infektionsschutz zu gewährleisten, sei das nicht erforderlich. Und in benachbarten Landkreisen dürften Jagden mit bis zu 50 Jägern stattfinden.

Doch das Verwaltungsgericht Gießen genehmigte die Treibjagd nicht im beantragten Umfang (9 L 3889/20.GI). Der Landkreis habe die Teilnehmerzahl keineswegs willkürlich eingeschränkt, sondern um mögliche Infektionen mit dem Corona-Virus von vornherein auszuschließen.

Die Einschränkung komme keinesfalls einem Jagdverbot gleich. Zum einen sei die Jagdzeit im Dezember noch nicht vorbei. Der Beschluss des Landkreises sei bis Ende November begrenzt (wenn auch mit der Option auf Verlängerung — je nach Pandemie-Lage). Zum anderen sei es auch mit weniger Schützen sehr wohl möglich, eine Treibjagd sinnvoll zu organisieren.

Brutale Grätsche

Fußballspieler haftet für die Folgen eines groben Foulspiels

Es war das letzte Punktspiel zweier Mannschaften der Kreisklasse und für den Ausgang der Saison 2016/2017 belanglos. In der 8. Spielminute nahm Stürmer A in Höhe des Mittelkreises den Ball von einem Mitspieler an. Kaum hatte er den Ball weitergespielt, wurde er vom gegnerischen Verteidiger B brutal gefoult. B wurde vom Schiedsrichter mit einer roten Karte des Feldes verwiesen — Spieler A vom Rettungsdienst mit gebrochenem Schienbein ins Krankenhaus gebracht.

Mehrfach musste der Verletzte operiert werden, insgesamt war er 14 Monate krankgeschrieben. Bis Ende 2017 benötigte er Krücken, er kann bis heute nicht Fußball spielen oder joggen. Von Übeltäter B forderte Spieler A 7.500 Euro Schmerzensgeld: B sei ihm mit gestrecktem Bein und voller Wucht gegen das Standbein gesprungen, ohne Möglichkeit, noch an den Ball zu kommen.

Das Landgericht (LG) Kiel ging von einem unglücklichen Zusammenprall aus und wies die Klage ab. Doch vom Oberlandesgericht (OLG) Schleswig bekam Sportler A Recht (7 U 214/19). Das LG habe die Zeugenaussagen nicht richtig gewürdigt, so das OLG. Der Schiedsrichter habe B wegen "übertriebener Härte" und brutalem Spiel vom Platz gestellt (gemäß Regel 12 des DFB). Sein Kommentar: So eine Grätsche habe er in 28 Jahren noch nicht gesehen.

Mehrere Zeugen hätten ausgesagt, B habe A mit "offener Sohle" regelrecht "umgesägt". Dass der Verteidiger mit Wucht in das Bein hineingesprungen sei, stehe auch wegen der Wirkung fest, erklärte das OLG: Ein Schienbeinbruch setze naturgemäß eine erhebliche Einwirkung auf den Knochen voraus. Den Ball habe B auch nach Ansicht von Mitspielerin aus der eigenen Mannschaft mit dieser "sinnfreien Aktion" nicht erreichen können.

Fußball sei bekanntlich ein Kampfsport, bei dem sich Spieler auch bei kleinen Fouls gegenseitig verletzen könnten oder sogar dann, wenn sie die Regeln befolgten. Wer diesen Sport mit all seinen Härten betreibe, nehme daher auch Verletzungen in Kauf. Daher müssten Fußballspieler für Fouls und deren Folgen grundsätzlich nur haften, wenn sie Gegenspieler grob fahrlässig oder vorsätzlich schädigten.

Im konkreten Fall treffe das zweifellos zu. Mit Spieleifer oder technischem Unvermögen sei so eine Grätsche nicht zu erklären. Wer in so einer Spielsituation ein derart brutales Foul begehe, nehme billigend eine schwere Verletzung des Gegenspielers in Kauf und handle mit bedingtem Vorsatz. B schulde dem A das geforderte Schmerzensgeld.

Mieter renovierten "grundlos"

Kurzartikel

Renovieren Mieter nach dem Ende des Mietverhältnisses die Wohnung, weil sie irrtümlich annehmen, sie seien zu Schönheitsreparaturen verpflichtet, besteht keine Pflicht des Vermieters aus dem Mietvertrag, die Renovierungskosten zu ersetzen. Die einzige Chance der Mieter, Geld zurückzubekommen: Sie können sich unter Umständen darauf berufen, dass der Vermieter durch ihre Leistungen "ohne rechtlichen Grund" bereichert ist. Das setzt aber voraus, dass die Mieter genau belegen, dass und mit welchem Aufwand eine Wertverbesserung der Mietsache erreicht wurde.

Kette vom Hals gerissen

Ist das ein in der Hausratversicherung versicherter Raub?

Angeblich war einem Mann auf der Straße von einer Frau die Goldkette vom Hals gerissen worden. Er habe sich nicht gewehrt und die Unbekannte auch nicht verfolgt, teilte er seiner Hausratversicherung in der Schadenanzeige mit. Denn: "Im ersten Moment habe er gar nicht bemerkt, dass die Kette weg war". Von der Versicherung verlangte der Mann Ersatz für den Verlust.

Doch das Unternehmen winkte ab: In diesem Fall bestehe kein Versicherungsschutz. Die Zahlungsklage des Versicherungsnehmers blieb beim Oberlandesgericht (OLG) Hamm ohne Erfolg (I-20 U 4/20). Auch das OLG verwies nur auf die Versicherungsbedingungen.

Ein Raub außerhalb des Versicherungsortes — d.h. außerhalb der Wohnung des Versicherungsnehmers — sei nur versichert, wenn Sachen mit Gewalt entwendet würden. Gewaltanwendung im Sinne dieser Vertragsklausel setze nach herrschender Rechtsprechung voraus, dass der Beraubte bewusst Widerstand leiste. Nur, wenn der Straftäter Widerstand seines Opfers überwinden müsse, gehe man von Raub aus.

Das sei hier jedoch selbst nach den Angaben des Klägers nicht der Fall gewesen: Ganz und gar verblüfft, habe er sich nicht gewehrt — so stehe es in der Schadensmeldung. Das Argument des Versicherungsnehmers, er habe doch durch das Verschließen der Halskette sozusagen "gewissen vorbeugenden Widerstand" geleistet, sei nicht nachvollziehbar. Halsketten verschließe man vor dem Tragen, weil sie sonst abfallen würden.

Wenn ein Täter Gewalt nur einsetze, um die begehrte Sache vom Körper des Opfers wegzureißen, und dabei das Moment der Überraschung ausnütze, liege kein versicherter Raub vor. Egal, ob es sich um eine Halskette oder um andere Sachen handle, die am Körper getragen werden wie z.B. eine teure Uhr.

Voreilige Kommunalbehörde unterliegt vor Gericht

Müllbescheid darf nicht vor Inkrafttreten seiner Rechtsgrundlage verschickt werden

Ein Bürger erhielt einen Bescheid von der kommunalen Verwaltung, datiert auf den 13. Dezember 1993: Demnach war er verpflichtet, ab Anfang des Jahres 1994 zwei Müllbehälter aufzustellen. Rechtsgrundlage für diesen Bescheid war die vom Gemeinderat Mitte Mai 1993 beschlossene Abfallsatzung - die sollte aber erst am 1. Januar 1994 in Kraft treten.

Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen entschied, dass eine Verpflichtung dieser Art rechtswidrig ist (22 B 997/94). Eingriffe in die Rechtssphäre der Bürger setzten eine gesetzliche Grundlage voraus. Die Bescheide seien im vorliegenden Fall aber ohne gültige Rechtsgrundlage ergangen. Die Abfallsatzung könne erst mit dem Zeitpunkt ihres Inkrafttretens (1. Januar 1994) als Rechtsgrundlage für Müllbescheide dienen.

Das Testament auf der Tischplatte

Der "letzte Wille" muss nicht unbedingt auf Papier verfasst, aber unterschrieben sein

Ein kinderloser, alleinstehender Mann war Anfang 2019 tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Und mit ihm mehrere Testamente, die sich widersprachen. Mit Filzstift hatte er auf seinen Holztisch geschrieben: "Testament Köln, 22.4.2017: C.F.B. … ist alleinige Erbin meines Vermögens". C.F.B. war eine Bekannte. Auf dem Tisch lagen außerdem zwei auf Papier verfasste Testamente, in denen der Mann 2015 seinen Bruder als Alleinerben eingesetzt hatte.

Andererseits hatte der Erblasser auf der Rückseite eines dieser beiden Testamente den Bruder ausdrücklich enterbt, mit Datum vom 23.4.2018. Die Bekannte B. beantragte mit Verweis auf das "Tischtestament" einen Erbschein. Doch das Amtsgericht Köln wies ihren Antrag ab (30 VI 92/20). Die Erbeinsetzung sei nicht wirksam, weil das auf dem Holztisch verfasste Testament nicht unterschrieben sei, so das Amtsgericht.

Ein Testament müsse nicht zwingend auf Papier verfasst werden. Der "Stoff einer Urkunde" spiele für die Gültigkeit des Testaments keine Rolle, sei es nun auf Holz, Glas oder auf eine Schiefertafel geschrieben. Die eigenhändige Unterschrift des Erblassers sei aber unbedingt erforderlich. Nur sie gewährleiste ein Mindestmaß an Rechtssicherheit: Die Unterschrift erlaube es, den Erblasser zu identifizieren und stelle sein Bekenntnis zum Inhalt der Verfügung sicher.

Anders als Frau B. meine, ergebe sich die Gültigkeit der Erbeinsetzung auch nicht aus dem Zusammenhang mit den anderen Testamenten. Das lose auf den Tisch gelegte, mit Kugelschreiber geschriebene Testament vom 2018 und das "Tischtestament" mit Filzstift bildeten keine Einheit: Es gebe keine Seitennummerierung und die Schriftstücke nähmen nicht aufeinander Bezug. Sie könnten nicht als zusammengehörige, einheitliche Willenserklärung angesehen werden. Zudem fehle eben eine Unterschrift, die am Ende des Textes diesen sozusagen "räumlich abschließe".

Sollte sich die Enterbung des Bruders als wirksam herausstellen, was in einem zweiten Verfahren geprüft werde, falle das Vermögen im Weg gesetzlicher Erbfolge an andere Verwandte.

Bettwanzen im Hotelbett

Kurzartikel

Bisse von Ungeziefer können Reisenden den Urlaub vermiesen: Die Bisse jucken und tun weh. Während eines Pauschalurlaubs auf Kuba wurde ein Paar im Hotelbett von Bettwanzen geplagt. Dem Paar stehe trotzdem keine Minderung des Reisepreises um 100 Prozent zu, fand das OLG Celle: Schmerzen stellten sich erst einige Tage nach dem Stich ein. Daher komme für die ersten Tage der Beschwerden nur eine Kürzung des Reisepreises um die Hälfte in Betracht, für die folgenden Tage eine Kürzung um 80 Prozent.

Radfahrer stürzt über umgekipptes Verkehrsschild

Kommune muss mobile Verkehrsschilder nach Bauarbeiten rasch entfernen lassen

Mit einem Klapprad fuhr Herr F gegen 2.45 Uhr einen Radweg entlang. Bei Nieselregen war die Sicht schlecht und so übersah er das mobile Verkehrsschild, das quer über dem Radweg lag. Der Radfahrer stürzte über den Edelstahlpfahl des Schildes und flog über den Lenker. Obwohl er einen Helm trug, musste ihn ein Rettungsdienst mit abgebrochenen Zähnen und Schürfwunden im Gesicht ins Krankenhaus bringen.

Das Verkehrsschild gehörte einem Bauunternehmen, das dort im Auftrag des Tiefbauamts Kiel Bauarbeiten ausgeführt hatte. Die Baustelle war allerdings schon Wochen zuvor aufgehoben worden. Als kommunale Mitarbeiter zwei Tage vor dem Unfall die Straße kontrollierten, stand das Verkehrsschild noch am Rand des Gehwegs. Da war es auch Herrn F aufgefallen, der den Radweg öfter benutzte.

Der Verletzte verlangte von der Stadt Schadenersatz: Sie hätte das Schild entfernen müssen, meinte er. Die Kommune wies jede Verantwortung für den Unfall von sich: Offenbar sei das Verkehrsschild mutwillig umgestürzt worden. Sie könne nicht alle Straßen permanent und lückenlos überwachen. Außerdem wäre es die Sache des Bauunternehmers gewesen, nach den Arbeiten das Schild wegzuschaffen.

So einfach könne es sich die Stadt nicht machen, urteilte das Oberlandesgericht Schleswig (7 U 260/19). Mit Schildern den Verkehr zu regeln, sei eine hoheitliche Aufgabe. Schilder nach Straßenbauarbeiten zu entfernen, gehöre ebenfalls zu den Aufgaben der Straßenbaubehörde. Der Bauunternehmer handle bei solchen Aufträgen nur als Helfer der kommunalen Verwaltung und habe deren Anordnungen strikt einzuhalten. Es sei daher die Stadt, die hier ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt habe.

Schon Wochen vor dem Unfall sei die Baustelle aufgehoben und die Straße wieder für den Verkehr freigegeben worden. Das Schild habe also lange komplett nutzlos herumgestanden und das sei gefährlich. Mobile Verkehrsschilder seien zum einen windanfällig und forderten zum anderen erfahrungsgemäß Vandalismus heraus. Kommunen seien deshalb verpflichtet, sie sofort nach dem Ende der Arbeiten zu entfernen bzw. dafür zu sorgen, dass der beauftragte Bauunternehmer diese Aufgabe erledige.

Gemeinde erleichtert Wohnungsbau im Außenbereich

Landwirt möchte die Gemeindesatzung prüfen lassen, weil er Konflikte befürchtet

Eine Gemeinde erließ eine so genannte Außenbereichssatzung. So nennt man eine Gemeindesatzung, die in Siedlungen im Außenbereich — wo eigentlich nur landwirtschaftliche Bauten zulässig sind — das Errichten von Wohnbauten erleichtert. So eine Satzung darf nur für bereits bebaute Gebiete im Außenbereich erlassen werden, die nicht mehr überwiegend durch Landwirtschaft geprägt sind.

Im konkreten Fall handelte es sich um ein Gebiet mit elf Wohnhäusern und einem landwirtschaftlichen Betrieb. Dessen Inhaber wandte sich gegen die Außenbereichssatzung, weil er befürchtete, mit neuen Nachbarn würde es Konflikte wegen Geruchsbelästigungen und in der Folge Einschränkungen für seinen Betrieb geben.

Die Gemeinde hätte die Satzung gar nicht erlassen dürfen, erklärte der Landwirt, denn im landwirtschaftlich geprägten Außenbereich existiere keine "Wohnbebauung von einigem Gewicht". Er beantragte, die Satzung gerichtlich auf ihre Rechtmäßigkeit hin zu prüfen (juristisch: Normenkontrolle). Doch das Oberverwaltungsgericht Münster ließ ihn abblitzen (7 D 64/17.NE).

Wenn ein einziger landwirtschaftlicher Betrieb elf Wohnhäusern gegenüberstehe, könne man nicht von einem "landwirtschaftlich geprägten Außenbereich" sprechen. Der Antrag des Landwirts auf Normenkontrolle sei unzulässig, weil ihn die Außenbereichssatzung nicht in seinen Rechten verletze. Sie ermögliche einige Bauvorhaben, beschränke aber nicht die Nutzung seiner landwirtschaftlichen Grundstücke.

Bei den Genehmigungsverfahren für die begünstigten Bauvorhaben müsse die Gemeinde die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen. Sollte die Baubehörde seine Rechte nicht genügend beachten, könne der Landwirt diese durch Klagen gegen die Baugenehmigungen geltend machen. Wenn sich später Konflikte entwickeln sollten, seien diese gemäß dem Gebot der Rücksichtnahme unter Nachbarn zu bewältigen.

Ryanair muss Steuern und Gebühren erstatten

Airlines dürfen Fluggästen nicht verbieten, ihre Ansprüche an einen Dienstleister abzutreten

Fluggäste, die einen gebuchten und bezahlten Flug nicht antreten, können von der Fluggesellschaft verlangen, die im Flugpreis enthaltenen Steuern und Gebühren zu erstatten. Doch wie sollen Kunden diesen Anspruch geltend machen, wenn die Airline entgegen europäischem Recht in der Buchungsbestätigung nicht offenlegt, welcher Anteil des Flugpreises auf Steuern und Gebühren entfällt — so wie die irische Fluglinie Ryanair?

Eine Dienstleistungsfirma X, die darauf spezialisiert ist, die Ansprüche von Fluggästen gegen Fluggesellschaften durchzusetzen (neudeutsch: "claim-handling-company"), nahm sich dieses Problems an. Sie ließ sich die Rechte von Passagieren abtreten, die bei Ryanair gebuchte Flüge nach Frankfurt nicht wahrnehmen konnten und keine Erstattung erhielten. Firma X verklagte die Fluggesellschaft auf Auskunft, in welcher Höhe Steuern und Gebühren bei den einzelnen Buchungen angefallen waren, und forderte Zahlung des entsprechenden Betrags.

Zu Recht, entschied das Landgericht Frankfurt (2-24 O 100/19). Die Firma X benötige die Auskunft, um die Rechte der Fluggäste durchsetzen zu können. Denn das Flugunternehmen habe in den Buchungsbestätigungen rechtswidrig die Steuern und Gebühren nicht ausgewiesen. Dabei könne Ryanair über deren Höhe unschwer Auskunft geben: Welche Steuern und Gebühren an die jeweiligen Flughafengesellschaften bzw. Staaten abzuführen seien, könne die Airline problemlos aus ihren Datenbanken abrufen.

Anders als Ryanair meine, sei die Firma X auch befugt, im Namen der Kunden zu klagen. Dass die Airline in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) den Kunden verbiete, ihre Rechte gegenüber dem Unternehmen an Dienstleister abzutreten, benachteilige die Fluggäste in unangemessener Weise.

Die AGB-Klausel sei unwirksam, denn ein schützenswertes Interesse des Unternehmens an diesem Verbot sei nicht ersichtlich. Anfragen von "claim-handling-companies" zu beantworten, sei für Airlines nicht aufwendiger, als die Anfragen von Fluggästen zu bearbeiten. Dagegen sei es für die Fluggäste von großem Interesse, sich die mühsame Auseinandersetzung mit Flugunternehmen zu ersparen und die Durchsetzung ihrer Ansprüche einem Dienstleister zu überlassen.

Elfjähriger lädt Computerspiel herunter

Versteht ein Kind, dass das Nutzen einer Filesharing-Plattform illegal ist?

Ein elfjähriger Junge hatte 2014 an einem Wochenende seinen Opa besucht. Über den Internetanschluss des Großvaters hatte das Kind das Programm "Bittorent" installiert und damit ein (urheberrechtlich geschütztes) Computerspiel heruntergeladen. Wie das funktioniert, ließ sich der Junge von einem Anleitungsvideo auf Youtube vorführen.

"Bittorent" ist eine Art Vermittlungs-Netzwerk. Die Software hilft Nutzern, die z.B. einen Film oder ein Musikstück suchen, die Datei auf den Rechnern anderer Netzwerk-Teilnehmer zu finden und herunterzuladen. Andere Nutzer können dann wiederum diese Datei auf dem Rechner des Herunterladenden finden … So wird sie illegal im Netz verbreitet. Illegal, soweit es sich um urheberrechtlich geschützte Werke handelt.

Die X-GmbH, Inhaberin der Rechte am Computerspiel, verklagte den Elfjährigen und seinen Großvater auf Schadenersatz: den Jungen wegen illegalen Filesharings und den Großvater, weil er seine Aufsichtspflicht verletzt habe. Er habe dem Kind den Internetanschluss zur Verfügung gestellt, ohne sich um sein Treiben zu kümmern. Doch das Landgericht Frankfurt wies die Klage ab (2-03 O 15/19).

Für Straftaten seien nur Personen verantwortlich, die deren Unrecht einsehen könnten. Auch wenn der Junge intelligent sei: Mit elf Jahren fehle ihm das Verständnis dafür, dass das Herunterladen eines Spiels rechtswidrig sei. Eine Urheberrechtsverletzung sei etwas sehr Abstraktes und nicht ansatzweise zu vergleichen mit einer Körperverletzung. So etwas geschehe in der "realen Welt" und sei für Kinder begreifbar. Wie solle aber ein Kind verstehen, dass es sich bei der Plattform "Bittorent" um ein illegales Filesharing-Netzwerk handle?

Auch der Großvater sei für die Urheberrechtsverletzung nicht verantwortlich. Wenn ein Kind einmal beim Opa übernachte, müsse er das Kind nicht sogleich darüber aufklären, was im Internet alles verboten sei. Anlässlich eines Kurzbesuchs übertragen die Kindeseltern nicht stillschweigend Aufsichtspflicht und Erziehungsaufgaben auf den Großvater. Anders wäre dieser Punkt zu beurteilen, wenn der Junge ohne seine Eltern die großen Ferien beim Opa verbracht hätte.

Dalmatiner nicht erlaubt, aber geduldet

Kurzartikel

Hält der Mieter einer 53 qm großen Wohnung einen Dalmatiner, ohne sich um die Erlaubnis des Vermieters zu bemühen, rechtfertigt das keine Kündigung des Mietverhältnisses. Das gilt jedenfalls dann, wenn der Mieter die Genehmigung hätte verlangen können, wenn der Vermieter die Hundehaltung über längere Zeit duldete und wenn sich kein Hausbewohner über Störungen durch den Hund beklagt hat.

Kühe auf fremder Weide

Tierhaltung ohne eigene Futterproduktion stellt keinen "landwirtschaftlichen Betrieb" dar

Dass Frau F auf ihrem Grundstück im Außenbereich einen Folientunnel als Unterstand für Kühe aufgebaut hatte, rief die Baubehörde des Landratsamts auf den Plan: Ohne Baugenehmigung wäre der Unterstand nur als Provisorium zulässig, das wieder abgebaut werde. Danach sehe das Betonfundament aber nicht aus … Frau F müsse den "Offenstall" entfernen, ordnete die Behörde an. Eine nachträgliche Baugenehmigung komme nicht in Frage: Ihre Tierhaltung stelle keinen landwirtschaftlichen Betrieb dar.

Frau F wehrte sich gegen die Anordnung: Sie führe einen "landwirtschaftlichen Mutterkuhbetrieb" mit ca. 100 Rindern, dem der Unterstand diene. Auch eine Ackerfläche von 60 Hektar für die Futterproduktion sei vorhanden, wenn auch nicht auf eigenem Grund und Boden. Die Nutzung sei aber durch einen langfristigen Kooperationsvertrag mit dem Inhaber der Weiden gesichert. Sie zahle ihm Entgelt für die Nutzung seiner Flächen als Weide und für die Futtererzeugung.

Das Verwaltungsgericht Cottbus entschied den Streit zu Gunsten der Behörde (3 K 418/18). Frau F leite keinen landwirtschaftlichen Betrieb, für den ein Bauvorhaben im Außenbereich zulässig wäre. Sie halte die Tiere nicht einmal auf ihrem eigenen Grund. Das Geschäftsmodell sehe so aus: Die Kühe würden gegen Entgelt dem Inhaber der Weiden von April bis Dezember überlassen. Der Weideinhaber erhalte die dafür genehmigten landwirtschaftlichen Fördermittel. Das Futter für die übrige Zeit des Jahres werde auf seinen Flächen produziert.

Tierhaltung werde nur dann als "landwirtschaftlicher Betrieb" anerkannt, wenn der Landwirt das Futter für die Tiere überwiegend selbst erzeuge. Das setze nicht zwingend eigene Äcker voraus, der Betriebsinhaber müsse aber dauerhaft gesicherten Zugriff auf Flächen haben. Das sei auch bei Pachtland der Fall, wenn es langfristige Pachtverträge gebe. Der von Frau F vorgelegte Pensionsviehvertrag mit dem Weideinhaber könne von diesem jedoch jedes Jahr mit einer Frist von vier Wochen gekündigt werden. Das sei keine "geeignete Futtermittelgrundlage".

Dürrebeihilfe 2018

Der Antrag eines Landwirts wurde wegen zu hohen Anteils gewerblicher Nebeneinkünfte abgelehnt

Nach dem heißen Sommer 2018 sollte ein Dürrehilfsprogramm Landwirte unterstützen, die unter Ernteeinbußen zu leiden hatten. Nicht nur im konkreten Fall kam es zum Streit über die Bedingungen, gemäß denen die Betroffenen Hilfe bekommen sollten.

Antragsteller X bewirtschaftet als Einzelunternehmer rund 100 Hektar Ackerland und gab in seinem Antrag auf Dürrebeihilfe Einbußen von 35.112 Euro an. Aus Steuerbescheiden und Jahresabschlüssen wurden Gesamteinkünfte von durchschnittlich 4.373 Euro pro Jahr errechnet — darunter gewerbliche, nichtlandwirtschaftliche Einkünfte von 3.347 Euro durch Mieteinnahmen der Ehefrau.

Sein Antrag wurde mit Verweis auf die Förderbedingungen von der zuständigen Behörde abgelehnt: Eine Existenzgefährdung durch die Dürre gelte als ausgeschlossen, wenn die Summe der Einkünfte aus gewerblichen, nichtlandwirtschaftlichen Betriebszweigen über 35 Prozent des Gesamteinkommens betrage. Bei so geringen Gesamteinkünften wie den seinen könne die 35-Prozent-Grenze nicht gelten, widersprach der Landwirt.

Seine Klage gegen den Behördenbescheid hatte beim Verwaltungsgericht (VG) Stade Erfolg (6 A 1046/19). Die Verwaltungsvorschriften zum Dürrehilfsprogramm unterstellten, dass die Existenz eines Landwirts nicht gefährdet sei, wenn er landwirtschaftliche Verluste durch andere Einkünfte ausgleichen könne. Das sei möglicherweise bei Landwirten so, die nebenbei z.B. mit einer Biogasanlage gut verdienten.

Im konkreten Fall treffe das aber keineswegs zu, so das VG. Rein rechnerisch lägen die gewerblichen Einkünfte des Landwirts X zwar deutlich über der 35-Prozent-Grenze. Dabei habe aber der Sachbearbeiter außer Acht gelassen, dass X mit der Landwirtschaft nur äußerst wenig verdient oder sogar Verluste eingefahren habe. In so einem Fall sei es äußerst problematisch, die 35-Prozent-Grenze anzuwenden.

Schon geringe gewerbliche Einkünfte lägen dann über dieser Grenze und führten zum Ausschluss der Dürrebeihilfe, obwohl das Einkommen insgesamt gering sei. Hätte Landwirt X mit der Landwirtschaft mehr verdient, wäre er unter der 35-Prozent-Grenze geblieben und hätte die Dürrebeihilfe erhalten. Ihm die Hilfe zu verwehren, widerspreche dem Zweck des Programms, landwirtschaftliche Unternehmen in Not zu unterstützen.

Eigentumswohnung zu spät fertiggestellt

Kurzartikel

Übergibt der Bauträger eine Eigentumswohnung acht Monate später als vertraglich vereinbart, muss er die Unterkunftskosten der Erwerber ersetzen, die in der Zwischenzeit in Hotels und einer kleinen Ferienwohnung wohnten. Sind die Ersatzunterkünfte mit der Wohnung nicht vergleichbar, steht den Käufern zusätzlich Nutzungsausfallentschädigung zu.

Corona: Versammlung ohne Eigentümer?

Kurzartikel

Die Diskussion über Beschlussanträge ist ein wesentliches Recht der Wohnungseigentümer. Hält der WEG-Verwalter eine Versammlung ab, bei der sie "wegen Corona" nicht persönlich erscheinen, sondern schriftlich per Vollmacht abstimmen sollen, sind daher die dort gefassten Beschlüsse nichtig.

Kranke Kuh ersteigert

Der Verkäufer schuldet nur Schadenersatz, wenn er nachweislich über die Infektion Bescheid wusste

Bei einer Auktion erwarb ein Landwirt eine Kuh. Kurz vor der Lieferung rief ihn der Verein an, der die Auktion durchgeführte hatte: In einer am Vormittag gezogenen Milchprobe seien Hemmstoffe festgestellt worden. Der Landwirt brachte deshalb die Kuh abgesondert in seinem Stall unter, die Kuh nur wenig Milch gab und erhöhte Körpertemperatur hatte. Ein Tierarzt stellte eine Hemmstoff-Virusinfektion fest.

Der Landwirt verlangte daraufhin Schadenersatz vom Verkäufer des Tieres. Die Untersuchungen des Tierarztes hätten ergeben, dass die Kuh bereits vor dem Kauf infiziert gewesen sei. Nachweisbar habe der Verkäufer die Kuh vor der Auktion mit Antibiotika oder Chemotherapeutika behandelt. Dies mache ihn eindeutig ersatzpflichtig. Durch die Infektion weiterer Kühe habe er, der Käufer, erhebliche Einnahmeeinbußen beim Milchverkauf. Womöglich müsse er den gesamten Kuhbestand veräußern.

Das Oberlandesgericht Oldenburg war nicht der Ansicht, dass der Verkäufer dem Landwirt Schadenersatz schuldet (14 U 14/93). Zwar könne man tatsächlich davon ausgehen, dass die Kuh vor dem Auktionstag infiziert gewesen sei. Dieses Kriterium reiche für eine Haftung jedoch nicht aus. Schadenersatzpflichtig wäre der Verkäufer nur, wenn er vorsätzlich oder fahrlässig eine infizierte Kuh verkauft hätte.

Dass er über die Hemmstoff-Virusinfektion Bescheid gewusst habe, sei aber nicht bewiesen: Das stehe wegen der kurzen Inkubationszeit nicht mit Gewissheit fest. Der Verkäufer habe das Tier zwar mit Antibiotika behandelt, das hätte er jedoch auch wegen einer anderen, harmlosen Infektion tun können. Da er die Krankheitsentwicklung und die Ansteckung weiterer Kühe nicht voraussehen konnte, scheide eine Haftung aus.