Reise und Erholung

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Urlauber stürzt vom Kamel

Für diesen Reitunfall haftet nicht die Reiseveranstalterin

Für knapp 600 Euro hatte Herr N bei einer Münchner Reiseveranstalterin eine 14-tägige Ägyptenreise mit Nilkreuzfahrt gebucht. Auf dem Kreuzfahrtschiff meldete er sich am vierten Reisetag für einen besonderen Ausflug an, einen Kamelausritt.

Das Urlaubsvergnügen endete misslich, obwohl ein Kameltreiber das Kamel sorgsam am Zügel führte. Das Tier stolperte und stieg deshalb vor Schreck hoch, der Urlauber stürzte zu Boden.

Herr N brach sich dabei zwei Rippen und erlitt Prellungen, seine Videokamera wurde beschädigt. Von der Reiseveranstalterin verlangte er 3.378 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz. Vor lauter Schmerzen habe er sich zehn Tage lang kaum bewegen, geschweige denn tauchen können. Zwei Drittel der Reisezeit sei daher "nutzlos vertan". Die Reiseveranstalterin müsse für die Versäumnisse ihres Kameltreibers einstehen, der "keinen Finger gerührt" habe, um den Unfall zu vermeiden.

Doch das Amtsgericht München bewertete den Vorfall anders und wies die Zahlungsklage des verunglückten Reiters ab (111 C 30051/14). Herr N habe nicht schlüssig erklärt, was der Kameltreiber tun hätte sollen, um ein Aufbäumen des Kamels zu verhindern. Nach seiner eigenen Schilderung des Unfalls habe der Kameltreiber den Zügel in der Hand gehalten, um das Kamel im Schritttempo zu führen. Wenn das Tier beim Gehen plötzlich ins Stolpern gerate, sei das für den Kameltreiber ebenso unvorhersehbar wie für den Reiter.

"Ob ein-sich-in-den-Zügel-Hängen oder ein Stockschlag — oder was der Kläger sich auch immer insgeheim vorstellen mag —, das Hochgehen des Kamels und damit möglicherweise auch den Sturz des Klägers tatsächlich hätte verhindern können", sei "reine Spekulation", so das Amtsgericht. Das Verhalten von Tieren sei unberechenbar und führe daher gelegentlich zu Unfällen. Diese "typische Tiergefahr" sei nicht dem Kamelführer oder der Reiseveranstalterin anzulasten.

Todesangst beim Rückflug

Beinahe-Absturz wegen Triebwerksausfall: Urlauber können Reisepreis mindern

Ein deutsches Ehepaar verbrachte im Dezember 2012 einen entspannten Urlaub in Thailand. Doch der Rückflug entwickelte sich zu einem Höllentrip: Nach etwa 30 Minuten fiel ein Triebwerk aus, das Flugzeug sank stark ab und wurde hin- und hergerüttelt. Der Strom fiel aus, es wurde dunkel. Passagiere und Besatzungsmitglieder reagierten panisch und hatten Todesangst. Der Pilot kehrte um und sagte durch, die Lage sei "sehr ernst".

Auf den sehr unruhigen Flug folgten bange Minuten bei der Notlandung in Phuket. Mit einem lauten Knall durch platzende Reifen setzte die Maschine auf. Die Feuerwehr rückte an, um die brennenden Reifen zu löschen. Letztlich kam zwar niemand ernsthaft zu Schaden, doch alle waren mit den Nerven am Ende. Zwei Tage später klappte schließlich der Heimflug nach Deutschland.

Wegen des Katastrophenflugs forderten die Urlauber vom Reiseveranstalter den Reisepreis zurück. Ihrer Ansicht nach war der Erholungswert der Reise durch die Todesangst beim Rückflug vollständig entfallen: Das rechtfertige eine Minderung des Reisepreises um 100 Prozent. So weit wollte das Amtsgericht Frankfurt am Main nicht gehen, es hielt eine Kürzung um 40 Prozent für angemessen (30 C 1590/13).

Hier gehe es um einen Sonderfall, so das Gericht, bei dem sich die Minderung ausnahmsweise nicht an der Dauer des Reisemangels orientiere (hier: Dauer der missglückten Rückreise). Das entspräche bei einem Reisepreis pro Tag von 228 Euro einer Rückzahlung von 684 Euro. Darauf sei die Minderung hier ausnahmsweise nicht beschränkt, weil der Urlaub mit einem für die Urlauber schwerwiegenden Ereignis endete.

Der katastrophale Rückflug habe Erholung und Urlaubsfreude teilweise zunichte gemacht. Der Reiseveranstalter müsse dem Ehepaar deshalb 40 Prozent des Reisepreises zurückzahlen (1.186 Euro), allerdings auch nicht mehr. Obwohl die Rückreise zweifellos ein Desaster gewesen sei, hebe dies nicht den Erholungswert der gesamten Reise auf. Das Ehepaar habe immerhin zwölf Tage lang einen unbeschwerten Urlaub genießen können.

Flugbuchung im Internet

Reiserücktrittsversicherung darf nur per "opt-in-Verfahren" angeboten werden

Buchungswebseiten für Flüge werden meist so gestaltet, dass Kunden möglichst viele Zusatzangebote mit-buchen, oft auch unfreiwillig. Diese Methoden haben schon des öfteren die Gerichte beschäftigt. Grundsätzlich gilt: Zusätzliche Leistungen dürfen nicht auf "Opt-out"-Basis angeboten werden, d.h. so, dass der Internetnutzer eine vom Anbieter automatisch voreingestellte Option aktiv abwählen muss. Der Gedanke hinter dieser Vorschrift: Flugkunden sollen Zusatzangebote wie z.B. eine Reiserücktrittsversicherung nicht allein deswegen buchen, weil sie eine Abwahl-Möglichkeit übersehen. Sie sollen sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden.

Im konkreten Fall beanstandete der Bundesverband der Verbraucherzentralen ein weiteres Mal die Eingabemaske einer Buchungswebseite. Hier lasen die Internetnutzer auf einem gelben Balken die Warnung: "Reiseschutz nicht vergessen - ohne kann es teuer werden". Zum nächsten Buchungsschritt gelangten die Kunden nur, wenn sie eines von zwei Kästchen anklickten. Da bestand die Wahl zwischen: "Reiserücktrittsversicherung inklusive Reiseabbruch 24 Euro pro Erwachsener" und "Ich verzichte auf einen Reiseschutz und trage im Versicherungsfall alle Kosten selbst".

Da werde mit üblen Konsequenzen gedroht und der Verbraucher unsachlich beeinflusst, damit er die Versicherung abschließe, kritisierte der Bundesverband. Das Landgericht Frankfurt war ebenfalls dieser Ansicht und forderte den Betreiber der Website auf, den Buchungsvorgang anders zu gestalten. Doch der Unternehmer legte gegen das Urteil Berufung ein und hatte damit beim Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt Erfolg (6 U 33/14).

Dieses Buchungssystem enthalte kein unzulässiges "Opt-out"-Modell, so das OLG. Hier werde der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung nicht automatisch dem Warenkorb hinzugefügt, so dass der Kunde sie aktiv ablehnen müsste. Vielmehr werde den Verbrauchern eine bewusste Entscheidung zwischen zwei Alternativen abverlangt: Die gewünschte müssten sie anklicken, das sei nicht zu beanstanden. Denn beide Möglichkeiten würden dem Kunden klar vor Augen gestellt.

Richtig sei, dass der Webseitenbetreiber die Alternativen nicht "wertneutral" formuliere, räumte das OLG ein. Er lege es den Kunden nahe, eine Versicherung abzuschließen. Das setze aber die Onlinebucher nicht ungebührlich unter Druck. Verständige Verbraucher fassten die Warnung nicht als "Drohkulisse" auf, weil ihnen längst bekannt sei, dass ein Reisestorno oder ein krankheitsbedingter Reiseabbruch Kosten nach sich ziehen.

Extra-Gebühr fürs Fluggepäck

Gepäckbeförderung ist kein Service, den Airlines generell kostenlos anbieten müssen

Bei einem Flugbuchungsportal im Internet kaufte ein Kölner für sich und seinen Begleiter zwei Flugtickets von Berlin nach Tel Aviv. Die Tickets einer israelischen Fluggesellschaft kosteten zusammen 416,42 Euro. Gemäß den Geschäftsbedingungen der Airline durfte jeder Reisende — beim gebuchten Tarif — nur ein Stück Handgepäck kostenlos mitnehmen. Trotzdem berechnete das Unternehmen den beiden Fluggästen auf dem Hinflug nach Tel Aviv keine zusätzlichen Gebühren für zwei aufgegebene Koffer.

Doch beim Rückflug zwei Wochen später mussten die Reisenden bei der gleichen Fluggesellschaft für jeden Koffer 40 US-Dollar "drauflegen". Der Kölner verklagte das Unternehmen auf Rückzahlung der Zusatzgebühren. Die einschlägigen Bestimmungen in den AGB der Airline benachteiligten einseitig die Kunden, meinte er. Doch das Amtsgericht München fand daran nichts auszusetzen (159 C 12576/15).

Fluggesellschaften seien nicht verpflichtet, Gepäck der Fluggäste generell kostenlos zu transportieren, betonte das Amtsgericht. Die Liberalisierung des Marktes habe zu einem intensiven Preiskampf im Luftverkehr geführt. Das Modell der Billigfluggesellschaften bestehe darin, sparsamen Kunden attraktive, niedrige Preise anzubieten.

Da auf dem Gebiet der Sicherheit keine Kompromisse zulässig seien, senkten sie eben die Kosten beim Service. Sie konzentrierten sich auf die wesentliche Dienstleistung und böten Leistungen, die früher "inklusive" gewesen seien, nur noch gegen Entgelt als Zusatzleistungen an: die Reservierung von Sitzplätzen, Bordgastronomie, Zeitungen, Gepäckbeförderung.

Selbst etablierte Fluggesellschaften gingen zunehmend dazu über, die mit Gepäck verbundenen Kosten (abfertigen, sortieren, befördern, Gepäckausgabe) zu reduzieren und dafür Aufpreis zu verlangen. Daher dürften Fluggäste ohne entsprechende Zusicherung der Airline nicht davon ausgehen, dass das Gepäck kostenlos mit-befördert werde.

Rückflug sechs Stunden zu spät

Ein Kleinkind, das kostenlos mitreist, hat keinen Anspruch auf Ausgleichszahlung

Eine deutsche Familie hatte ihren Urlaub auf Mallorca verbracht. Weil sich der Rückflug nach München um sechs Stunden und 20 Minuten verspätete, verlangten die Eltern für sich und für ihr eineinhalb Jahre altes Mädchen von der Fluggesellschaft pro Person 250 Euro Ausgleichszahlung gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung.

In Bezug auf das Kleinkind scheiterte die Klage in allen Instanzen bis hin zum Bundesgerichtshof (X ZR 35/14). Die Eltern hätten den Pauschalurlaub inklusive Flug bei einem Reiseveranstalter gebucht, so die Bundesrichter. Laut Buchungsbestätigung habe die Fluggesellschaft dem Reiseveranstalter für das Mädchen eine Kinderermäßigung von 100 Prozent gewährt, d.h. für die Beförderung auf die Baleareninsel und zurück keine Kosten berechnet.

Die EU-Fluggastrechteverordnung gelte jedoch nur für zahlende Fluggäste. Also nicht für Kleinkinder, die ohne Anspruch auf einen eigenen Sitzplatz auf dem Schoß der Eltern — und deshalb kostenlos — befördert werden. Sie könnten daher auch keine Ausgleichszahlung von der Airline verlangen, wenn ein Flug annulliert werde oder mit mehr als drei Stunden Verspätung stattfinde.

Gebühr für missglückten Lastschrifteinzug

Unternehmen darf Kunden dafür nicht 50 Euro abknöpfen

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) beanstandete die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Unister GmbH. Sie betreibt im Internet unter anderem das Reiseportal "fluege.de". Dem vzbv ging es um folgende AGB-Klausel: Wenn ein Kunde eine Zahlung schuldete und der Lastschrifteinzug fehlschlug, verlangte die GmbH dafür vom Kunden eine Strafgebühr bis zu 50 Euro.

Dieser Betrag stehe in einem auffälligen Missverhältnis zum Aufwand, der durch einen missglückten Lastschrifteinzug tatsächlich auf das Unternehmen zukomme, kritisierten die Verbraucherschützer. Welche Kosten die Gebühr überhaupt abdecken solle, werde den Kunden nirgends erläutert. Die Regelung sei intransparent. Auf diese Weise könne die GmbH den Kunden letztlich immer 50 Euro abknöpfen.

Die AGB-Klausel sei unzulässig, befand auch das Landgericht Leipzig (08 O 2084/14). Die Gebühr solle immer dann fällig werden, wenn der Einzug vom Kundenkonto scheitere — z.B. weil die angegebene Kontonummer nicht stimme oder weil zu wenig Geld auf dem Konto sei oder weil der Kunde die Zahlung rückgängig mache.

Dafür 50 Euro zu kassieren, sei unverhältnismäßig. Die Pauschale liege weit über dem Schaden, den die GmbH durch eine Rückbuchung erleide. Selbst im schlimmsten Fall müsse das Unternehmen nicht mit Bankgebühren oder Kosten für andere Zahlungsdienstleister in Höhe von 50 Euro rechnen.

Flugpassagiere im falschen Zug

Reisende verpassen wegen Zugteilung ihren Flieger: Wer muss den Ersatzflug bezahlen?

Mit einem "Rail und Fly"-Ticket des Reiseveranstalters reiste ein Ehepaar per Bahn von Karlsruhe nach Frankfurt. Anders als üblich, fuhr ihr Zug am Reisetag in Karlsruhe statt von Gleis 8 von Gleis 2 ab. Vom Frankfurter Flughafen aus wollten die Urlauber nach Madeira fliegen. Am Flughafen kamen die Eheleute jedoch nicht an: Von ihnen unbemerkt, war in Mannheim der Zug geteilt worden. Und die Reisenden saßen in dem Zugteil, der Richtung Göttingen fuhr.

Per Mobiltelefon informierten sie den Serviceschalter des Reiseveranstalters am Flughafen, dass sie den gebuchten Flug nicht erreichen würden. Endlich am Flughafen angekommen, bot man ihnen für 1.000 Euro einen Ersatzflug am selben Tag an. Den Betrag zahlten die Urlauber — unter Vorbehalt der Rückforderung — und landeten schließlich mit acht Stunden Verspätung auf Madeira.

500 Euro Schadenersatz gestand das Amtsgericht Köln dem Ehepaar zu, das den Reiseveranstalter auf Rückzahlung der 1.000 Euro verklagte (142 C 413/13). Ihre berechtigte Forderung sei wegen Mitverschuldens um die Hälfte zu kürzen, erklärte das Gericht. Denn die Reisenden hätten vor der Zugfahrt in Erfahrung bringen können, dass der Zug CNL 478 in Mannheim geteilt werde. Der Gleiswechsel in Karlsruhe wäre Anlass genug für eine Nachfrage gewesen.

Allerdings hätte die Deutsche Bahn AG die Reisenden darüber informieren müssen, dass nur ein Teil des Zuges zum Flughafen fuhr. Flugreisende seien in besonderem Maß darauf angewiesen, pünktlich anzukommen — hier sei der Informationsbedarf daher hoch. Die Bahn habe nicht belegt, entsprechende Durchsagen organisiert zu haben. Fraglich auch, ob Anzeigetafeln darauf hinwiesen. Denn erst kurz vor Abfahrt des Zuges sei das Gleis gewechselt worden. Dass die Zugzielanzeigen rechtzeitig geändert wurden, habe die Bahn nicht nachweisen können.

Die fehlende Information stelle einen Reisemangel dar. Dafür müsse der Reiseveranstalter einstehen, weil ihm das Versäumnis der Deutschen Bahn AG zuzurechnen sei. Wenn Reiseveranstalter als Bestandteil von Pauschalreisen "Rail und Fly"-Tickets verkauften, stelle die Zugfahrt eine Reiseleistung des Veranstalters dar. Werde sie schlecht durchgeführt, hafte dafür der Reiseveranstalter. Fahrgäste mit "Rail und Fly"-Ticket befördere die Bahn nur als "Erfüllungsgehilfe" des Reiseveranstalters.

BMW in Genueser Parkhaus verkratzt

Urlauber hatte das Auto dem Parkservice eines Kreuzfahrtveranstalters anvertraut

Mit einem Münchner Kreuzfahrtveranstalter unternahm Herr P eine Mittelmeer-Kreuzfahrt. Startpunkt und Endpunkt war der Hafen von Genua. Da P mit dem BMW seiner Mutter nach Genua fahren wollte, hatte er beim Kreuzfahrtunternehmen einen Parkservice mit-gebucht. Für 90 Euro bekam er einen Stellplatz in einem öffentlichen Parkhaus.

Als er den Wagen nach dem Urlaub wieder abholte, hatte der BMW mehrere tiefe Kratzer, deren Reparatur 1.923 Euro kostete. Der Kreuzfahrtveranstalter lehnte es ab, den Schaden zu ersetzen: Für die Autos der Kunden sei er nicht verantwortlich. Schließlich vermittle er die Parkplätze des privaten Parkhaus-Betreibers nur. Dieser schließe mit den Kunden separate Mietverträge ab.

Doch das Amtsgericht München verurteilte das Kreuzfahrtunternehmen dazu, die Reparaturkosten zu tragen (122 C 21221/14). Alle Umstände sprächen dafür — objektiv und aus Sicht des Reisenden —, dass der Kreuzfahrtveranstalter den BMW in eigener Verantwortung verwahrt und nicht nur eine Parkplatzreservierung vermittelt habe. So stehe z.B. im Reisekatalog nicht, dass mit dem Auto anreisende Kunden einen Vertrag mit dem Inhaber eines Parkhauses schließen müssten.

Der Urlauber habe den Wagen im Kreuzfahrtterminal abgegeben — bei Personen, die er für Mitarbeiter des Veranstalters hielt. Etwas Gegenteiliges habe niemand mitgeteilt. Auch die 90 Euro für den Parkservice habe der Veranstalter vom Bordkonto des Reisenden abgebucht. Personal des Kreuzfahrtveranstalters habe ihm bei der Rückkehr die Fahrzeugschlüssel übergeben und außerdem bestätigt, für das Parken der Kundenautos zuständig zu sein.

Demnach sei zwischen dem Kreuzfahrtunternehmen und dem Kunden ein so genannter "Verwahrvertrag" für das Auto zustande gekommen. Das Unternehmen müsse daher für den Schaden am BMW einstehen, auch wenn der Wagen in einem öffentlichen Parkhaus geparkt war. (Der Reiseveranstalter hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.)

Bus statt Flugzeug

Vulkanausbruch verzögert Rückreise aus Marokko: kein Schadenersatz für Urlauber

Im April 2010 wurde bekanntlich der gesamte europäische Luftraum für Flugzeuge gesperrt, weil in Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausgebrochen war. Ein Vulkan-Opfer von vielen war Pauschalurlauber H, dessen Rückflug von Marokko nach Deutschland am 18.4. stattfinden sollte.

Da das unmöglich war, kündigte der Reiseveranstalter vorsorglich den Reisevertrag wegen höherer Gewalt. Gleichzeitig organisierten seine Mitarbeiter vor Ort einen Bus und beförderten die Marokko-Urlauber (am 19. und 20. April) auf dem Landweg nach Hause.

Urlauber H verlangte anschließend vom Reiseveranstalter über 9.000 Euro Schadenersatz: Er sei viel zu spät nach Hause gekommen und habe hohen Verdienstausfall zu beklagen. Anstatt zu checken, ob es Flugräume gab, die nicht gesperrt waren, habe der Reiseveranstalter die ganze Gruppe auf den Bus warten lassen.

Das Oberlandesgericht Frankfurt konnte jedoch auf Seiten des Veranstalters keine Versäumnisse erkennen und wies die Klage des Kunden ab (16 U 19/14). Am 18.4. habe niemand fliegen können. Dass es dem Reiseveranstalter nicht gelungen sei, die Urlauber wie geplant an diesem Tag nach Deutschland zu befördern, stelle angesichts der Umstände keine Pflichtverletzung dar. Er habe sie so schnell wie möglich nach Hause bringen lassen.

Am 18.4. habe niemand gewusst, wie lange der Luftraum gesperrt sein würde. Daher sei es korrekt gewesen, die Heimreise per Bus anzutreten, anstatt auf die ungewisse Möglichkeit der Öffnung des Luftraums zu hoffen. Erst ab dem 21.4. sei der Flugbetrieb in Mitteleuropa allmählich wieder in Gang gekommen. Hätte der Reiseveranstalter darauf gewartet, wäre Herr H noch später zu Hause eingetroffen. Wenn Tausende von gestrandeten Reisenden aus aller Welt auf Transport warteten, müsse der Reiseveranstalter auch nicht prüfen, ob irgendwo Flüge auf Teilstrecken möglich wären.

Flugbuchung im Internet

Airline muss die Abwahl von Zusatzleistungen auf ihrer Webseite einfach und transparent gestalten

Fluglinien und andere Anbieter versuchen bekanntlich, die Buchung von Flugtickets im Internet so zu gestalten, dass die Kunden möglichst viele Zusatzleistungen mit-buchen. Eigentlich müsste die Buchung laut EU-Richtlinie so funktionieren, dass Kunden Zusatzleistungen aktiv anklicken müssen ("opt-in"), wenn sie diese wünschen. Und Informationen über potenzielle Zusatzkosten müssen klar und eindeutig sein — die Wirklichkeit sieht meistens anders aus.

Eine Fluggesellschaft gestaltete ihren Internetauftritt so, dass die Kunden die Option Reiseversicherung eigens abwählen mussten ("opt-out"). Zudem war diese Möglichkeit in einer "Drop down box" unter der Überschrift "Wählen Sie ein Wohnsitzland" versteckt. Zwischen den Ländernamen "Latvia" und "Lithuania" fand sich die Angabe "nicht versichern". Diese mussten Kunden anklicken, um einen Flug ohne Reiseversicherung zu buchen.

Ein Verband zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, dem auch Konkurrenten der Fluggesellschaft angehören, kritisierte diese Praxis als unzulässig. Das Oberlandesgericht Frankfurt gab ihm Recht: Der Internetauftritt verstoße gegen die EU-Richtlinie (6 U 148/13).

Sinn der "opt-in"-Vorschrift sei es zu verhindern, dass Verbraucher Zusatzleistungen nur deshalb buchten, weil sie deren Abwahl (= die "opt-out"-Möglichkeit) übersehen. Sie sollten sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden. Das setze voraus, dass beide Möglichkeiten den Kunden klar präsentiert werden.

Hier sei jedoch der Weg zur Abwahl der Zusatzleistung kaum zu finden. Im Kleingedruckten stehe unauffällig der Hinweis "Wenn Sie schon versichert sind, bitte ‚Nicht versichern‘ in der Drop down box wählen". Natürlich rechne niemand damit, die Option "Flugticket ohne Reiseversicherung" in der Rubrik "Wählen Sie ein Wohnsitzland" anklicken zu müssen. Das sei völlig ungewöhnlich, auch versierte Internetnutzer könnten daran scheitern.

Das gelte umso mehr, als viele Kunden unter Zeitdruck buchten, weil günstige Flugpreise oft nur sehr kurz angeboten würden. Diese Buchungswebseite lasse nur einen Schluss zu: Sie solle es den Kunden so schwer wie möglich machen, einen Flug ohne Abschluss einer Reiseversicherung zu buchen. Die Webseite sei bewusst so gestaltet: Kunden sollten die Zusatzleistung mit-buchen, egal, ob sie daran interessiert seien oder nicht. Diese Praxis sei unlauter und verstoße gegen die Prinzipien fairen Wettbewerbs.

Darmvirus schlägt während der Kreuzfahrt zu

Krankheiten gehören zum allgemeinen Lebensrisiko und stellen keinen Reisemangel dar

Während einer Kreuzfahrt im Mittelmeer ereilte einen Passagier das Schicksal in Gestalt eines Magen-Darm-Virus. Er bekam Durchfall und Magenschmerzen, litt an starker Übelkeit. Der Schiffsarzt diagnostizierte eine Gastroenteritis, d.h. eine Magen-Darm-Infektion, und ließ den Patienten für 24 Stunden isolieren. Da hatte sich allerdings seine Frau schon angesteckt und litt einige Tage lang ebenfalls an Erbrechen und Übelkeit. Zwei Landgänge musste das Ehepaar wegen dieses Ungemachs ausfallen lassen.

Die Reiseveranstalterin, die die Kreuzfahrt organisiert hatte, zahlte den Kunden "aus Kulanz" 200 Euro Ausgleich. Der Reisende fand diesen Betrag jedoch "knickrig". Er verklagte die Reiseveranstalterin auf Ersatz für die Arztkosten (190 Euro) und Rückzahlung des Reisepreises von fast 3.000 Euro. Für ihn und seine Frau sei die Kreuzfahrt kein Urlaub, sondern eine Tortur gewesen, erklärte der Mann.

Daran zweifelte das Amtsgericht Rostock nicht (47 C 210/14). Trotzdem könnten die Kreuzfahrt-Passagiere daraus keinen Anspruch gegen die Reiseveranstalterin ableiten, urteilte das Gericht. Das Unternehmen müsse weder die Arztkosten ersetzen, noch den Reisepreis zurückzahlen - denn die Reiseleistungen seien nicht mangelhaft gewesen.

Krankheiten könnten jeden Menschen überall ereilen. Damit verwirkliche sich nur das allgemeine Lebensrisiko. Eine Magen-Darm-Grippe stelle keinen Mangel der Reise dar. Die Passagiere hätten zwar nicht an Landgängen teilnehmen können. Das habe aber an der Erkrankung der Reisenden gelegen und nicht daran, dass die Reiseveranstalterin diese Leistungen gestrichen hätte.

Reiseveranstalter verlangt 90 % Stornogebühr

Kurzartikel

Stornopauschalen müssen sich laut Gesetz am tatsächlichen Verlust orientieren, der dem Reiseveranstalter durch den Reiserücktritt eines Kunden entsteht. Das Landgericht Köln hat deshalb eine Klausel in den Reisebedingungen des Unternehmens DER Touristik gekippt, das von Kunden eine Stornogebühr in Höhe von 90 Prozent des Preises verlangte, wenn sie eine gebuchte Leistung nicht in Anspruch nahmen. Die hohe Pauschale galt unabhängig davon, ob die Kunden eine Pauschalreise, einen Flug, einen Mietwagen oder ein Hotelzimmer gebucht hatten. Das sei unzulässig, so das Landgericht: Reiseveranstalter müssten speziell für jede Reiseart die durch den Rücktritt ersparten Aufwendungen ermitteln und sie bei der Stornogebühr berücksichtigen. Sie dürfe den zu erwartenden Schaden für das Reiseunternehmen nicht übersteigen.

Eine Kreuzfahrt ist nichts für Ruhesuchende

Reisende müssen an Bord mit lautem Unterhaltungsprogramm rechnen

Ein deutsches Ehepaar gönnte sich eine zweiwöchige Alaska-Kreuzfahrt. Allerdings verlief die Reise nicht so, wie es sich die Ruhesuchenden erhofft hatten: Ihre Kabine lag ausgerechnet über dem Schiffstheater. Hier wurden abends Gewinnshows und Animationen veranstaltet, Musicals aufgeführt und natürlich übten die Künstler zwischendurch.

Die Geräuschkulisse passte den Reisenden überhaupt nicht, schließlich wollten sie sich erholen. Sie beschwerten sich beim Gästeservice, der ihnen einen Kabinenwechsel anbot — aber nur für eine Woche. Diesen Vorschlag lehnte das Paar ab. Vom Reiseveranstalter verlangte es nach dem Urlaub 20 Prozent des Reisepreises zurück (1.063,60 Euro).

Doch das Reiseunternehmen hielt die Forderung für unbegründet: Die Kreuzfahrt sei nicht mangelhaft gewesen. Vielmehr sei das Paar mit falschen Erwartungen an Bord gegangen. Auf einem großen Kreuzfahrtschiff gehe es immer lebhaft zu, für Ruhesuchende sei das kein passender Ort.

Das Amtsgericht Wiesbaden gab dem Reiseveranstalter Recht und wies die Klage der Kunden auf Minderung des Reisepreises ab (92 C 4334/14). Ein Kreuzfahrtschiff mit 3.000 Passagieren sei definitiv kein Ort der Ruhe. Das liege in der Natur der Sache — bei so vielen Menschen auf relativ kleinem Raum.

Außerdem legten die meisten Passagiere großen Wert auf das Unterhaltungsprogramm an Bord. Das Herumschippern auf dem Meer sei ja an sich "ereignisarm". Deshalb sei es auf Kreuzfahrtschiffen Standard, die Reisenden mit "kurzweiligen Veranstaltungen" zu "bespaßen" und das erwarteten sie auch. Die damit verbundenen Geräusche stellten prinzipiell keinen Reisemangel dar, sofern sie den Rahmen des Üblichen nicht sprengten.

Das wäre nur der Fall, wenn auch nach Mitternacht noch musiziert würde. Dem Lärmprotokoll der Reisenden könne man aber eindeutig entnehmen, dass der Krach abends spätestens ab 22.30 Uhr beendet gewesen sei. Dass er "unerträglich" war, stelle eine subjektive Bewertung des Ehepaares dar: Die Musik sei nicht lauter gewesen als bei Shows auf Kreuzfahrtschiffen üblich.

Fingerkuppe abgetrennt!

Unfall auf dem Hotel-Liegestuhl stellt keinen Reisemangel dar

Ausgerechnet in der schönsten Zeit des Jahres verletzte sich ein Pauschalurlauber am Hotelpool. Dabei hatte er die "schuldige" Sonnenliege vorher schon eine ganze Weile benützt, allerdings in ausgeklappter, flacher Position. An einem Urlaubstag stellte er sie in Sitzposition, um einen Schmöker zu lesen. Und dann passierte es: Plötzlich klappte die Kopfstütze der Liege nach hinten weg und trennte eine Fingerkuppe des Urlaubers ab.

Vom Reiseveranstalter forderte der Mann Schadenersatz: Die Liege sei gefährlich, weil man ihre Kopfstütze konstruktionsbedingt nicht richtig fixieren könne. Reiseveranstalter müssten die Urlauber in ihren Vertragshotels vor solchen Sicherheitsrisiken bewahren. Dass das hier versäumt wurde, stelle einen Reisemangel dar, für den der Veranstalter haften müsse.

Dem widersprach das Oberlandesgericht Düsseldorf (I-21 U 67/14). Selbstverständlich müssten Reisende in Hotels sicher sein. Reiseveranstalter müssten dafür sorgen, indem sie sicherheitsrelevante Teile der Hotelanlagen regelmäßig kontrollierten. Diese Pflicht habe aber Grenzen. Seine Mitarbeiter vor Ort müssten nicht ständig alle Einrichtungsgegenstände auf ihre Funktionsfähigkeit prüfen.

Sie müssten z.B. nicht alle Schubladen untersuchen, nur weil es im Prinzip möglich sei, sich damit Finger einzuquetschen. Sicherheitsrelevant seien etwa Treppen, Aufzüge und andere elektrische Anlagen, Rutschen im Hotelpool, Balkonbrüstungen etc. Da seien Sichtkontrollen notwendig, aber auch ausreichend. Kontrolleure müssten nicht nach verborgenen Mängeln suchen, sondern Sicherheitsrisiken feststellen, die sich bei genauerem Hinsehen jedermann offenbarten.

Offensichtlich mangelhaft könne die Liege aber nicht gewesen sein: Sonst wäre dem Urlauber der behauptete Mangel — dass die Höhe der Kopfstütze nicht richtig zu fixieren war — selbst rechtzeitig aufgefallen und der Unfall wäre nicht passiert. Die Kontrolleure hätten den Fehler also nur entdeckt, wenn sie täglich alle Sonnenliegen getestet und geprüft hätten, ob die Kopfstützen in jeder Position richtig einrasteten. So ein Aufwand sei unzumutbar.

Flieger landet sechs Stunden zu spät

Airline entschuldigt sich mit einem Brand im Hot Meal Ofen während des Vorflugs

Deutsche Reisende hatten beim Rückflug aus dem Urlaub Pech. Ihr Flugzeug startete wesentlich später als geplant und landete mit sechs Stunden Verspätung in Köln, mitten in der Nacht um 4 Uhr 51. Die Fluggäste waren der Ansicht, ihnen stehe deshalb gemäß EU-Fluggastrechteverordnung eine Ausgleichszahlung von 400 Euro pro Person zu.

Doch die Fluggesellschaft weigerte sich zu zahlen und behauptete, hier habe ein "außergewöhnlicher Umstand" vorgelegen. Die Flugverspätung sei unvermeidlich gewesen. Auf dem vorhergehenden Flug der Maschine habe es in der Kabine gebrannt. Die Crew habe eine Zwischenlandung einlegen müssen, um den Brand zu löschen. Das Feuer habe ein Mitarbeiter der Catering-Firma ausgelöst, der in einem Hot Meal Ofen einen Akku vergessen habe.

Das stelle keinen "außergewöhnlichen Umstand" dar, den die Airline nicht beherrschen konnte, urteilte das Amtsgericht Köln (142 C 600/13). Der Brand eines Akkus im Ofen sei keine Naturkatastrophe, die außerhalb des betrieblichen Bereiches angesiedelt wäre. Catering-Firmen belieferten Flugzeuge mit Essen, das gehöre zum normalen Flugbetrieb. Wenn dabei Fehler passierten, gehöre das ebenso dazu. Dass er nicht dem eigenen Personal der Fluggesellschaft passiert sei, spiele keine Rolle.

Luftfahrtunternehmen müssten für alle Probleme und Störungen einstehen, die zum typischen Betriebsrisiko in der Branche gehörten. Der Brand sei schon beim vorhergehenden Flug aufgetreten. Die Verspätung sei der Art und Weise geschuldet, wie der Flugbetrieb organisiert sei. Jede Fluggesellschaft laste ihre Flugzeugflotte bestmöglich aus. Je dichter die Flüge hintereinander durchgeführt würden, desto wahrscheinlicher werde es, dass sich eine Verzögerung beim "Vorflug" auf die nachfolgenden Flüge auswirke.

Dieses Risiko durch den engen Zeitplan nehme die Airline bewusst in Kauf — das dürfe sie dann aber nicht auf die Passagiere abwälzen. Die Urlauber hätten Anspruch auf eine Ausgleichszahlung, weil das Flugzeug mit einer Verspätung von mehr als drei Stunden am Zielflughafen gelandet sei.

Reisepreis falsch kalkuliert

Reiseveranstalter weigert sich aus diesem Grund, eine gebuchte Reise durchzuführen

Schon im Februar erkundigte sich die Mutter einer 17-jährigen Schülerin im Reisebüro nach Pauschalreisen in den Sommerferien. Ihre Tochter wollte mit drei Schulfreundinnen ein paar Tage wegfahren. Der "Family-Knüller" eines Reiseveranstalters stach der Frau sofort ins Auge: eine Woche Kroatien für 476 Euro pro Nase mit Vollpension.

Der Preis erschien so unglaublich günstig, dass eine Mitarbeiterin des Reisebüros vorsichtshalber beim Reiseveranstalter anrief und nachfragte, ob das so "in Ordnung gehe". Das wurde mündlich und schriftlich bestätigt. Die Mutter bezahlte den Reisepreis von 1904 Euro. Doch zwei Wochen später teilte der Reiseveranstalter mit, der gebuchte "Family-Knüller" sei nur für Ehepaare mit zwei Kindern bis 11 Jahren möglich.

Für Erwachsene und Jugendliche lag der Reisepreis bei 1.397 Euro pro Person. Damit war die Reisegruppe nicht einverstanden. Der Kroatienurlaub fiel ins Wasser, stattdessen kam es zum Rechtsstreit. Die Kundin forderte vom Veranstalter den Reisepreis zurück und darüber hinaus Entschädigung für die "vereitelte Reise".

Zu Recht, wie das Oberlandesgericht Frankfurt urteilte (16 U 12/14). Das Reiseunternehmen habe die Reise aufgrund eines falsch kalkulierten Angebots gestrichen. Also gehe es auf die Kappe des Veranstalters, dass die vier Schülerinnen ihre Ferien ohne Kroatienreise verbringen mussten. Da keine Ersatzreise gebucht wurde, entfalle dieser Orientierungspunkt für die Höhe der Entschädigung.

Das Einkommen der Jugendlichen sei dafür ebenfalls kein Maßstab, dann wäre ihr Anspruch gleich Null. Doch hier gehe es schließlich darum, die entgangene Urlaubsfreude auszugleichen — unter diesem Gesichtspunkt stehe auch Schülern eine Entschädigung zu. Angemessen sei die Hälfte des ursprünglich gebuchten Reisepreises für vier Personen, also 952 Euro.

Rückflug einen Tag zu spät

Flugzeug musste auf dem Flug nach Ägypten notlanden: Ausgleichszahlung?

Ein deutsches Ehepaar machte Urlaub im ägyptischen Hurghada. Der Rückflug nach Deutschland startete mit 26 Stunden Verspätung, weil die eigentlich für diesen Flug vorgesehene Maschine auf dem Hinflug in Tirana (Albanien) notlanden musste. Die Fluggesellschaft schickte eine Ersatzmaschine. Die Urlauber forderten 400 Euro pro Person (gemäß EU-Fluggastrechteverordnung) als Ausgleich für die verspätete Beförderung.

Dieses Verlangen wies die Airline zurück. Ihre Begründung: Der Flieger, der die Urlauber abholen sollte, habe aus Sicherheitsgründen landen müssen, denn nach dem Durchqueren einer Gewitterfront sei in der Kabine Brandgeruch aufgetreten. Das sei kein technischer Defekt, für den sie verantwortlich wäre, sondern ein außergewöhnlicher Umstand im Sinne der Fluggastrechteverordnung, den sie nicht verhindern könne.

Das Landgericht Darmstadt gab der Fluggesellschaft Recht und wies die Klage der Urlauber auf Ausgleichszahlung ab (7 S 208/12). Wenn extreme Wetterverhältnisse die Flugsicherheit beeinträchtigten, sei das nicht dem Flugunternehmen zuzurechnen. Auch wenn der Brandgeruch auf einen technischen Defekt hindeute: Auslöser dafür seien die außergewöhnlich starken Turbulenzen gewesen, in die das Flugzeug gewitterbedingt geraten sei.

Hohe Vibrationen führten zu Abschleifungen an den Triebwerksschaufeln. Triebwerkszapfluft werde in das Flugzeuginnere gesogen: Dadurch sei der beißende Brandgeruch entstanden, der den Piloten veranlasste, in Albanien zu landen.

So ein Geschehen könne ein Flugunternehmen weder durch intensive Wartung, noch durch andere organisatorische Maßnahmen vermeiden oder "in den Griff kriegen". Am Flughafen Tirana gebe es keine Monteure, die diesen Flugzeugtyp warten oder reparieren könnten. Daher habe es für die Fluggesellschaft keine andere Möglichkeit gegeben, als eine Ersatzmaschine mit qualifizierten Technikern nach Tirana zu schicken.

Mit dieser Maschine habe sie die in Albanien gestrandeten Passagiere nach Ägypten weiter geflogen und in Hurghada die auf den Rückflug nach München wartenden Fluggäste abgeholt. Damit habe die Fluggesellschaft alles getan, was in ihrer Macht stand, um die Verspätung möglichst gering zu halten. Sie müsse nicht auf allen planmäßig angeflogenen Flughäfen einsatzbereite Flugzeuge in Reserve halten — das wäre der Ruin jeder Airline — und schon gar nicht auf Flughäfen in Albanien, die nicht einmal zu ihren Flugzielen zählten.

Business-Class gebucht, Economy geflogen

Flugzeug ohne Business-Class kommt den Reiseveranstalter teuer zu stehen

Für sich, ihren Ehemann und ihre Tochter buchte eine Frau eine einwöchige Pauschalreise auf die Malediven. Inklusive Hin- und Rückflug in der Economy-Class, Inlandsflug, Bootstransfer, Unterkunft und Verpflegung kostete die Reise stolze 14.428 Euro. Dann überlegte sich die Frau, dass ihr die Economy-Class bei so einem langen Flug zu unbequem wäre. Gegen einen Aufpreis von 4.790 Euro buchte sie alle Tickets um auf Business-Class.

Dennoch musste die Familie auf dem Rückflug mit der Economy-Class vorliebnehmen. Beim Einchecken am Flughafen von Male erklärte man den Reisenden, das heute eingesetzte Flugzeug habe keine Business-Class. Eine Alternative gab es am Abreisetag nicht, also flog die Familie mit. Danach verklagte die Kundin den Reiseveranstalter auf Rückzahlung des Business-Class-Zuschlags für den Rückflug (2,874 Euro) plus 1.665 Euro Entschädigung für die Unannehmlichkeiten.

Das Landgericht Frankfurt sprach ihr diese Beträge zu (2-24 O 225/13). Die Reiseleistung des Veranstalters sei mangelhaft gewesen, weil die Urlauber auf dem Rückflug nicht wie gebucht in der Business-Class befördert wurden. Der Anspruch der Kundin auf Minderung des Reisepreises lasse sich hier genau beziffern, weil er dem vereinbarten Mehrpreis für die Beförderung in der Business-Class entspreche.

Zudem stehe der Kundin Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreude zu. Durch den Rückflug in der Economy-Class sei die Reise am letzten Tag erheblich beeinträchtigt worden. Bei einem Langstreckenflug mit einer Dauer von ca. zehn Stunden komme den Vorteilen der Business-Class besondere Bedeutung zu, insbesondere dem größeren Sitzabstand.

Je länger ein Flug dauere, desto mehr vermisse man diesen Komfort. Den lasse sich die Fluggesellschaft (und der mit ihr kooperierende Veranstalter) ja auch mit einem gewaltigen Preiszuschlag vergüten. Auch deshalb könnten Fluggäste erwarten, dass dieser Teil des Reisevertrags erfüllt werde.

Reiseveranstalter bucht Flug um

Dem Flugreisenden steht wegen "verweigerter Beförderung" eine Ausgleichszahlung zu

Eine deutsche Urlauberin hatte über einen Veranstalter von Pauschalreisen einen Hin- und Rückflug an den Urlaubsort gebucht. Am Tag vor dem Rückflug teilte ihr ein Mitarbeiter des Reiseveranstalters vor Ort mit, sie werde auf einen anderen Flug umgebucht. Der startete wesentlich früher, die Urlauberin war empört. Doch sie protestierte vergeblich gegen die Änderung.

Zu Hause angekommen, forderte die Frau von der Fluggesellschaft 400 Euro Ausgleichszahlung. Zu Recht, entschied das Amtsgericht Düsseldorf (23 C 6252/13). Der von der Urlauberin gebuchte Flug sei vom Flugunternehmen wie geplant durchgeführt worden. Wenn man den Fluggast gegen dessen Willen auf einen anderen Flug umbuche, verweigere man ihm/ihr damit die geschuldete Beförderung.

Laut EU-Fluggastrechteverordnung begründe das einen Anspruch des Fluggastes auf Ausgleichszahlung von der Fluggesellschaft. Dass die Airline die Umbuchung nicht selbst vorgenommen habe, ändere daran nichts: Sie hafte für die Nichtbeförderung auch dann, wenn dafür der mit ihr kooperierende Reiseveranstalter verantwortlich sei. Es stehe dem Flugunternehmen frei, den Betrag anschließend vom Reiseveranstalter zurückzufordern (juristisch: "Regress").

Das sei so geregelt worden, weil Fluggesellschaften nicht beförderte Reisende am besten betreuen könnten — denn sie seien direkt an den Flughäfen präsent. Außerdem sei für Fluggäste meist gar nicht klar, wer für eine Nichtbeförderung bzw. Umbuchung verantwortlich sei. Wenn Reisende das erst klären müssten, bevor sie Unterstützung von der Airline bekommen, könnten sie ihre Rechte gar nicht effektiv wahrnehmen. Dann würde das mit der EU-Verordnung angestrebte hohe Schutzniveau für Fluggäste verfehlt.

Panamakanal bei Nacht

Höhepunkt einer Schiffsreise fiel ins Wasser: Urlauber kann den Reisepreis mindern

Über 8.000 Euro hatte der Kunde für die Schiffsreise nach Mittelamerika bezahlt. Der Münchner Reiseveranstalter stellte im Reiseprospekt die Passage des Panamakanals als besonderen Höhepunkt der Kreuzfahrt heraus: Das Schiff werde am achten Tag in Colon schon frühmorgens die Anker lichten, um die ca. 80 Kilometer lange Fahrt durch den Kanal zu beginnen.

Die Wirklichkeit sah dann zum Frust des Reisenden etwas anders aus: Erst gegen 16 Uhr nachmittags startete das Schiff. Der überwiegende Teil der Kanal-Durchfahrt, insbesondere die Querung des attraktiven Gatun-Sees, fand in der Dunkelheit statt. Nur die Schleusen waren mit Flutlicht hell erleuchtet, ansonsten war nichts zu sehen.

Aus diesem Grund forderte der enttäuschte Urlauber vom Reiseveranstalter einen Teil des Reisepreises zurück und darüber hinaus Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit. Freiwillig rückte das Unternehmen allerdings nur 400 Euro als Ausgleich für den Reisemangel heraus. Das Amtsgericht München sprach dem Kunden weitere 1.224 Euro zu (182 C 15953/13).

Laut Reiseprospekt sei dieser Programmpunkt das einzige und absolute "Highlight" der Schiffsreise. Zweifellos handle es sich um einen Mangel der Kreuzfahrt, wenn ihr touristischer Höhepunkt ausfalle. Eine Kanalfahrt bei Nacht sei in keiner Weise mit einer am hellen Tag vergleichbar. Die Beleuchtung der Schleusen ändere daran nichts, denn den Urlaubern komme es auf die Natur in der Umgebung an und nicht auf die Besichtigung der Schleusen.

Entfalle das "Highlight" der Reise, sei dieser Mangel mit 20 Prozent des Reisepreises angemessen gewichtet. So viel müsse der Reiseveranstalter erstatten. Schadenersatz für vertane Urlaubszeit stehe dem Kunden jedoch nicht zu: Denn der Reisemangel habe nicht die Reise insgesamt entwertet. Sie habe den Schiffsreisenden immerhin die Küsten Panamas und Costa Ricas mit kulturellen Höhepunkten und interessanten Orten geboten.