Reise und Erholung

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Metallstange vom Himmel gefallen

Flugzeug startet verspätet, weil der Pilot einen möglichen Defekt abklären will: Ausgleichszahlung?

Am 18.11.2014 sollte um 17.30 Uhr ein Flugzeug starten. Allerdings hob die Maschine erst um 20.56 Uhr ab, also mit mehr als drei Stunden Verspätung. Der Grund: Ein Landwirt hatte gemeldet, dass er auf einem Feld im Anflugsektor des Flughafens eine Metallstange gefunden hatte, die "vom Himmel gefallen sei". Da diese auch vom betreffenden Flugzeug stammen konnte, verschob der Pilot den Start.

Der Flugkapitän beauftragte ein Technikerteam mit der Überprüfung und forderte ein Foto von der Metallstange an. Erst als feststand, dass die Stange nichts mit seiner Maschine zu tun hatte, flog er ab. Eine Passagierin forderte von der Fluggesellschaft wegen der Verspätung 250 Euro Ausgleichszahlung. Zu Recht, entschied das Amtsgericht Köln (142 C 119/15).

Der Frau stehe ein finanzieller Ausgleich zu, da das Flugzeug sein Ziel mehr als drei Stunden zu spät erreicht habe. Die Fluggesellschaft könne sich hier nicht auf "außergewöhnliche Umstände" berufen, die "von ihr nicht beeinflussbar" und unvermeidlich eine Verspätung nach sich zogen. Es sei darum gegangen, die im Anflugsektor aufgefundene Metallstange zu prüfen, also einen technischen Defekt abzuklären.

Technische Probleme seien in der Regel nicht als "außergewöhnlicher Umstand" einzustufen (anders z.B. bei verdeckten Produktionsfehlern eines Flugzeugs). Sie gehörten zum normalen Flugbetrieb von Luftfahrtunternehmen und zu deren Betriebsrisiko. Für Störungen in diesem Bereich müssten die Fluggesellschaften einstehen. Hätte sich im konkreten Fall der Verdacht des Piloten bestätigt, dass das Metallteil von seiner Maschine stammte, hätte ein technischer Defekt vorgelegen und kein "außergewöhnlicher Umstand" im Sinne der Fluggastrechteverordnung.

Hotel-Vergleichsportal gibt mächtig an

Kurzartikel

Wettbewerbshüter klopften einem Preisvergleichsportal für Hotelübernachtungen "auf die Finger", das in Google-Anzeigen mit unlauteren Methoden Reklame machte. Gab ein Winterurlaub planender Internetnutzer bei der Suchmaschine Google die Stichworte "Hotel" und z.B. den Ort Sölden in Österreich ein, erschien in der Ergebnisliste eine Anzeige des Preisvergleichsportals: Sölden - 610 buchbare Hotels! Das war schwer übertrieben. Wer sich über den Link in der Anzeige bis zur eigenen Website des Unternehmens durchklickte, erfuhr dort, dass aktuell nur 82 Hotels in den Preisvergleich einbezogen und über das Portal zu buchen waren. Das Landgericht verurteilte das Unternehmen, die irreführende Anzeigenwerbung zu unterlassen. Der Verbraucher gehe aufgrund der Google-Anzeige davon aus, dass er die Gesamtzahl der über das Portal buchbaren Hotels am Ort erfahre - zumal er an diesem Punkt der Hotelsuche noch keine zusätzlichen Suchkriterien in die Suchmaschine eingegeben habe.

Unlautere Reklame für Schiffsreise

Der Gesamtpreis für eine Kreuzfahrt muss auch die Servicepauschale enthalten

Ein Unternehmerverband, der gegen unlautere Wettbewerbsmethoden kämpft, beanstandete die Reklame eines Reiseveranstalters als wettbewerbswidrig: Der im Inserat angegebene Gesamtpreis für eine Kreuzfahrt enthalte die Servicepauschale nicht. Laut Preisangabenverordnung müssten Anbieter in der Werbung für Waren und Dienstleistungen den Gesamtpreis angeben und dabei alle Preisbestandteile einbeziehen, die auf den Kunden zwangsläufig zukommen (siehe auch OnlineUrteile-Artikel Nr. 53663).

Das Landgericht gab den Wettbewerbshütern Recht. Gegen dieses Urteil legte der Reiseveranstalter Berufung ein und verwies auf seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB): Da sei geregelt, dass die Servicepauschale keinen obligatorischen Bestandteil des Reisepreises darstelle, sondern eine freiwillige Leistung des Reisenden. Außerdem könne man wegen der Währungsschwankungen zwischen Euro und US-Dollar die Servicepauschale nicht vernünftig im Voraus berechnen.

Beim Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt unterlag das Reiseunternehmen erneut (6 U 69/14). Anders als beim Trinkgeld könnten die Schiffsreisenden nicht wählen, ob sie die Servicepauschale zahlten, erklärte das OLG. Denn die Reederei belaste das Bordkonto jedes Reisenden pro Reisetag automatisch mit zwölf Dollar. Also sei die Servicepauschale eben keine "freiwillige Leistung" und müsse in den Gesamtpreis einbezogen werden.

Sie verliere ihren verpflichtenden Charakter nicht schon deshalb, weil Kreuzfahrt-Teilnehmer die Pauschale gemäß einer AGB-Klausel des Veranstalters reduzieren dürften, wenn sie beim Bordpersonal erfolglos Mängel angezeigt hätten. Diese Option bleibe ein Ausnahmefall, geknüpft an Beschwerden über schlechten Service an Bord.

Währungsschwankungen bedeuteten nicht, dass man die Servicepauschale nicht berechnen könne. Daraus ergebe sich lediglich ein Kalkulationsrisiko für den Reiseveranstalter, das er durch einen Preisänderungs-Vorbehalt auffangen könne. Das sei in dieser Branche üblich und ändere nichts an der Pflicht, den Gesamtpreis korrekt anzugeben.

Gesamtpreise sollten die Angebote verschiedener Reiseveranstalter für die Kunden vergleichbar machen und so für Transparenz sorgen. Das funktioniere nur, wenn alle Kreuzfahrtunternehmen die Servicepauschale einbeziehen, gleichgültig, ob sie diese in Euro oder in US-Dollar abrechneten.

Raue See in der Arktis!

Passagiere können den Reisepreis mindern, wenn eine Kreuzfahrtroute wesentlich geändert wird

Im Herbst 2014 führte ein Reiseveranstalter eine 17-tägige Kreuzfahrt durch, für die er im Internet mit dem schönen Titel "MS (…) auf arktischem Kurs" warb: Sechs "Entspannungstage auf See" und elf Tage mit Ausflügen sollten in Montreal/Kanada enden. Ein Ehepaar buchte noch einen Aufenthalt in Toronto dazu, die Schiffsreise allein kostete 14.340 Euro.

Auf Grönland waren mehrere Landausflüge geplant, darunter auch der Besuch von Städten. Doch es fand nur ein Landgang statt, danach verschlechterte sich das Wetter. Der Kapitän konnte wegen der rauen See und Sichtweiten unter 1.000 Metern nicht mehr alle im Meer schwimmenden Eisbrocken orten. Weil das für das Schiff gefährlich ist, änderte der Kapitän die Reiseroute und nahm direkt Kurs auf Neufundland.

Dass fast alle Grönland-Ausflüge ausfielen, wollten die Urlauber nicht akzeptieren. Das Ehepaar verlangte vom Reiseveranstalter einen Teil des Reisepreises zurück (3.585 Euro): Mit den Landausflügen seien für sie die Höhepunkte der Kreuzfahrt entfallen. Das Amtsgericht Frankfurt gab den Urlaubern im Prinzip Recht, sprach ihnen allerdings nur 1.434 Euro zu (31 C 511/15 (83)).

Auf Grundlage des Angebots im Internet hätten die Parteien eine Kreuzfahrt mit Landausflügen auf der Insel Grönland vertraglich vereinbart, die ersatzlos gestrichen wurden. Das sei nicht bloß eine Unannehmlichkeit, sondern eine wesentliche Leistungsänderung, die den Gesamtzuschnitt der Reise verändere: von einer überwiegend von Landausflügen geprägten Kreuzfahrt hin zu einer überwiegend von Seetagen geprägten Schiffsreise.

Ungeachtet der Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, in der sich der Reiseveranstalter vorbehalte, bei ungünstigen Wetterverhältnissen in der Arktis die Route zu ändern, liege hier ein Reisemangel vor. Dass der Reiseveranstalter die wetterbedingte Abweichung vom vereinbarten Angebot nicht zu verantworten habe, spiele keine Rolle. Da an vier Tagen der vereinbarte Landausflug entfiel, könnten die Kunden den Tagesreisepreis (717 Euro) für diese vier Tage um die Hälfte kürzen.

Schlaflose Nacht auf Mallorca

Eine Ratte im Hotelzimmer stellt nicht unbedingt einen Reisemangel dar

Ein Familienvater buchte für sich, seine Frau und zwei Kinder eine zehntägige Reise nach Cala d’Or auf Mallorca: ein "Superior"-Familienzimmer und Verpflegung "all-inclusive" für insgesamt 2.186 Euro. Am Reiseziel angekommen, schien alles in Ordnung — auch wenn das gebuchte Familienzimmer über einem Garagenhof lag, in dem Mülltonnen standen.

Als die Urlauber den Raum im Hochparterre abends lüfteten, spazierte über Vordach und Balkon eine Ratte herein. Zwei weitere Tiere sollen auf dem Vordach unterwegs gewesen sein. Der Familienvater rief einen Hotelmitarbeiter zu Hilfe, der das Tier schließlich aus dem Zimmer vertreiben konnte. So jedenfalls die Version des Urlaubers.

Dagegen berichtete später der Hotelier, der Gast habe eine Ratte gemeldet — der Mitarbeiter jedoch keine gefunden. Fest steht: Die Urlauber zogen um in ein viel kleineres Zimmer. Einen zweiten Umzug in ein anderes Familienzimmer lehnten sie ab, weil es über dem ersten Zimmer lag und die Gäste erneuten Rattenbesuch befürchteten.

Wegen dieser unschönen Begleitumstände verlangte der Vater nachträglich vom Reiseveranstalter, den Reisepreis um die Hälfte zu mindern. Doch das Reiseunternehmen zahlte nicht und bekam vom Amtsgericht Köln Recht (142 C 78/15). Selbst wenn der Vortrag des Urlaubers zutreffe — was der Hotelier bestreite —, läge hier kein Reisemangel vor.

Man müsse unterscheiden zwischen ernsthaften Mängeln, die den Urlaubszweck in Frage stellten, und Unannehmlichkeiten, die eine Reise geringfügig beeinträchtigten. Was als "geringfügig" zu bewerten sei, hänge von objektiv berechtigten Erwartungen des Reisenden und von ortsüblichen Besonderheiten ab.

Hotels und andere Unterkünfte müssten natürlich im Prinzip frei von Ungeziefer sein. Ungeziefer sei aber nicht per se als Reisemangel einzustufen, sondern nur bei intensivem Befall und wenn die Unterkunft selbst betroffen sei. Der Urlauber habe auf ein Urteil verwiesen, in dem eine Ratte im Hotelzimmer als Reisemangel bewertet wurde. Die Fälle seien aber nicht vergleichbar: Da habe die Ratte längere Zeit im Zimmer "gehaust" und Kleider angenagt.

Im konkreten Fall sei aber die Ratte, wenn überhaupt, von außen in das Zimmer eingedrungen. Das könne überall passieren: In südlichen Urlaubsregionen seien Ratten ja kein außergewöhnliches Phänomen. Das stelle kein generelles Problem des Hotels dar, es handle sich vielmehr um einen — unangenehmen, aber zufälligen — Vorfall, wie er im Umfeld von Hotels immer vorkommen könne, sogar bei sauber geführten Hotels.

Buffet statt Galadinner

Lockt der Reiseprospekt mit weihnachtlichem Galadinner in Dubai, ist das Bestandteil des Reisevertrags

Für 3.196 Euro buchte ein Ehepaar bei einem Münchner Reiseveranstalter eine Flugpauschalreise nach Dubai, vom 10. bis 27. Dezember 2013. Im Reisepreis inklusive: stattliche 700 Euro für ein festliches Galadinner an Heiligabend. Laut Reiseprospekt war die Teilnahme obligatorisch. Den Kunden war es recht: Sie träumten von Weihnachten unter Palmen und vom Galadinner als Höhepunkt der Reise auf die berühmte Palmeninsel.

Die Wirklichkeit fiel dann etwas prosaischer aus. Das Fünf-Sterne-Luxusresort bot nämlich an Weihnachten wie an allen anderen Abenden ein Buffet. Allerdings wurden die Urlauber für Getränke und ein paar zusätzliche Leckereien nochmals zur Kasse gebeten: 185 Euro pro Person mussten sie "drauflegen". Das enttäuschte Ehepaar forderte vom Reiseveranstalter die 700 Euro für das ausgefallene Galadinner zurück und eine Minderung des Reisepreises um 600 Euro.

Der Reiseveranstalter war jedoch der Ansicht, dass hier kein Reisemangel vorlag. Das weihnachtliche Dinner habe aus einem üppigen Festbuffet bestanden und sei vom Hotel nur versehentlich berechnet worden. Das Unternehmen habe sich sofort bereit erklärt, die 370 Euro zu erstatten, aber die Kunden hätten ihre Kreditkartendaten nicht mitgeteilt.

So einfach kam der Reiseveranstalter jedoch nicht davon: Das Amtsgericht München verurteilte ihn dazu, 1.179 Euro zurückzuzahlen (213 C 18887/14).

Das Galadinner an Heiligabend sei Bestandteil des Reisevertrags gewesen: Die Reisenden hätten es mitbuchen und bezahlen müssen. Unter einem Galadinner für den stolzen Preis von 350 Euro pro Person stelle sich der Kunde zu Recht ein mehrgängiges Menu vor, das in festlichem Rahmen mit Bedienung serviert werde. Diese Leistung habe das Hotel nicht geboten, den Zuschlag müsse der Reiseveranstalter daher erstatten.

Darüber hinaus beeinträchtige es auch die Reise insgesamt, wenn der geplante Höhepunkt ausfalle. Bei einer Reise über Weihnachten wünschten sich Urlauber, den Heiligabend in besonderer Atmosphäre zu verbringen — und nicht so wie an allen anderen Urlaubstagen. Weihnachten unter Palmen mit Galadinner habe eine Krönung der Reise darstellen sollen. Stattdessen habe das Hotel den Urlaubern für ein aufgehübschtes Buffet noch einmal Geld abgeknöpft. Dieser Reisemangel rechtfertige eine Minderung des Reisepreises um 15 Prozent.

Einbruch im Hotelzimmer

Wird aus einem Hotelsafe Geld gestohlen, stellt das keinen Reisemangel dar

Im November 2014 flog ein Ehepaar für zwei Wochen in die Dominikanische Republik. Nach zehn Tagen Urlaub kam es zu einem einschneidenden Ereignis: Im Hotelzimmer der Eheleute wurde eingebrochen. Bargeld verschwand aus dem Safe, 666 Euro und 108 Dollar.

An Entspannung war anschließend nicht mehr zu denken. Einen halben Tag verbrachte das Paar bei der Polizei, um den Diebstahl anzuzeigen. Und auch danach konnten die Reisenden aus Angst vor weiteren Einbrüchen den Urlaub nicht mehr genießen.

Schon als sie ankamen, habe er an der Zimmertüre alte Einbruchspuren gesehen, erklärte der Mann. Aus diesem Grund hätte der Münchner Reiseveranstalter Sicherheitsvorkehrungen treffen müssen, um die Hotelgäste zu schützen. Da er dies versäumt habe, stehe ihnen Schadenersatz für den Verlust zu und obendrein Entschädigung für vertanen Urlaub, 20 Prozent des Reisepreises für die letzten Tage.

Es kam zum Rechtsstreit, weil sich der Reiseveranstalter weigerte zu zahlen. Das Amtsgericht München ließ die Kunden abblitzen (275 C 11538/15). Auch wenn ein Einbruch sicher den Urlaubsgenuss beeinträchtige: Ein Diebstahl aus dem Hotelsafe stelle keinen Reisemangel dar, sondern gehöre zum allgemeinen Lebensrisiko jedes Reisenden. Dafür sei nicht der Reiseveranstalter verantwortlich.

Besondere Maßnahmen zur Sicherheit der Hotelgäste müssten Reiseunternehmen nur treffen, wenn ein Partnerhotel besonders unsicher sei. Angebliche Einbruchsspuren an der Zimmertüre belegten das nicht. Um ein Verschulden des Reiseveranstalters zu beweisen — nur dann läge ein Reisemangel vor —, hätten die Urlauber konkret darlegen müssen, dass es in dem Hotel tatsächlich aufgrund von Sicherheitsmängeln wiederholt zu Einbrüchen gekommen sei und dass der Veranstalter darüber Bescheid gewusst habe.

Wegen Autopanne Fähre verpasst

Wenn Urlauber wegen eines geplatzten Reifens eine Reise absagen, müssen sie die Stornokosten selbst tragen

Ein Ehepaar hatte eine Woche Urlaub auf der Insel Bornholm gebucht. Gleichzeitig mit dem Reisevertrag schloss die Frau eine Reiserücktrittsversicherung ab. Mit dem Auto fuhren die Eheleute nach Rügen, wo die Fähre nach Bornholm ablegte. Da hatten sie Pech: Bevor sie den Hafen erreichten, platzte ein Hinterreifen des Autos. Die Urlauber riefen die Pannenhilfe des ADAC. Die half ihnen aus der Patsche, doch danach war die Fähre weg.

Weil das nächste Schiff nach Bornholm erst Tage später fuhr, stornierte die Frau die Reise. Dafür berechnete der Reiseveranstalter 2.170 Euro Stornogebühr, die die Versicherungsnehmerin von der Reiserücktrittsversicherung verlangte. Doch das Unternehmen verwies auf seine Versicherungsbedingungen: Versichert seien Reisende, wenn sie eine Reise wegen einer unerwarteten, schweren Erkrankung, Tod oder wegen eines schweren Unfalls absagen müssten. Nichts davon treffe hier zu.

Mit ihrer Klage gegen die Versicherung hatten die Eheleute beim Amtsgericht Peine keinen Erfolg (5 C 523/14). Jeder Versicherungsnehmer, der sich um Verständnis des Versicherungsvertrags bemühe, könne der Aufzählung der versicherten Ereignisse entnehmen, dass sie sich auf Personen beziehen. Tod, Krankheit, Unfall beträfen Personen und nicht Sachen. Personen seien hier aber glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen.

Ein Reifenplatzer sei eine Autopanne und kein schwerer Unfall im Sinne der Versicherungsbedingungen. Unter einem Unfall verstehe man ein äußeres Ereignis, das auf die versicherte Person so einwirke, dass sie unfreiwillig einen Gesundheitsschaden erleide.

Die Reiserücktrittsversicherung müsste also nur einspringen, wenn der Reifenplatzer z.B. zu einem Zusammenstoß zweier Autos geführt hätte und dabei eine versicherte Person verletzt worden wäre. Was die Anreise der Urlauber verzögert und die Stornierung der Reise ausgelöst habe, sei aber nur eine Autopanne gewesen. Dafür müsse die Versicherung nicht einstehen.

Flieger zu spät gelandet

Fluggesellschaft darf unter bestimmten Bedingungen die Ausgleichszahlung für Passagiere kürzen

Ein Flug nach Cancun in Mexiko landete mit einer Verspätung von drei Stunden und 41 Minuten. Aus diesem Grund forderten zwei Passagiere von der Fluggesellschaft eine Ausgleichszahlung von 1.200 Euro gemäß EU-Fluggastrechteverordnung. Das Unternehmen zahlte den Reisenden allerdings nur 600 Euro. Und das zu Recht, erfuhren sie beim Anwaltsgerichtshof Hessen, der ihre Klage auf Zahlung des Differenzbetrags abwies (31 C 1623/14 (83)).

Im Prinzip stehe den Passagieren — bei einer Flugverspätung von mehr als drei Stunden und einer Entfernung von über 3.500 Kilometern (Langstrecke) — eine Ausgleichszahlung von 600 Euro pro Person zu, räumte das Gericht ein. Jedoch sehe die Fluggastrechteverordnung, welche die Rechte der Passagiere schütze, auch vor, dass Flugunternehmen die Ausgleichszahlung für einen annullierten Flug unter Umständen halbieren dürften.

Nämlich dann, wenn es ihnen gelinge, die Passagiere mit einem Alternativflug ans Ziel zu befördern, der höchstens vier Stunden später lande als ursprünglich geplant. Auch diese Regelung solle den Fluggästen nützen, indem sie für die Flugunternehmen einen finanziellen Anreiz biete, die Passagiere in solchen Fällen schnell anderweitig zu befördern. Warum sollte man diese Regelung nicht auf eine Flugverspätung von mehr als drei, aber weniger als vier Stunden übertragen?

Denn aus Sicht des Passagiers mache es keinerlei Unterschied, ob er mit dem gleichen Flieger (durchgeführt gemäß der ursprünglichen Flugplanung) oder mit einem Alternativflug drei bis vier Stunden zu spät lande. Die Ausgleichszahlung für die Flugverspätung um 50 Prozent zu kürzen, sei daher auch bei einer Flugverspätung zulässig, sofern sie unter vier Stunden bleibe.

Im konkreten Fall habe der Flieger laut Auskunft der Airline die Parkposition um 22.16 Uhr Ortszeit erreicht, drei Stunden und 41 Minuten nach der geplanten Ankunft. Selbst wenn man das Öffnen der Flugzeugtür als Maßstab für die Dauer der Verspätung nehme, liege sie noch unter vier Stunden: Vom Erreichen der Parkposition bis zum Aussteigen vergingen keine 19 Minuten, das hätten nicht einmal die Fluggäste behauptet. Da sie demnach mit weniger als vier Stunden Verspätung am Zielort ankamen, müssten sie sich mit 300 Euro Ausgleichszahlung pro Person begnügen.

"Mutter-Kind-Reihe" im Flieger

Kundin storniert eine Reise, weil sie den gewünschten Sitzplatz für den Flug nicht bekommt: Stornogebühren?

Eine Frau buchte im Reisebüro für sich, ihren Lebensgefährten und den kleinen Sohn eine Pauschalreise: Flug und Aufenthalt in einem Ferienhaus. Besonderen Wert legte die Kundin auf einen Flugzeug-Sitzplatz in einer "Mutter-Kind-Reihe". Das sind Plätze mit etwas Raum vor den Sitzen, damit Kleinkinder auf dem Boden spielen können. Das Reisebüro gab den Wunsch nicht an den Reiseveranstalter, sondern direkt an die Fluggesellschaft weiter.

Die Airline sagte erst zu, wechselte jedoch später das Flugzeugmodell für den betreffenden Flug. Der nun vorgesehene Flieger habe keine Mutter-Kind-Reihe in der Economy-Class, teilte sie der Kundin mit, ein Upgrade in die Premium-Class wäre mit einem Aufpreis verbunden. Daraufhin stornierte die Frau kurzerhand die Reise, fünf Monate vor dem Urlaub. Vom Reiseveranstalter forderte sie 2.064 Euro Anzahlung zurück.

Der Reiseveranstalter zahlte nur die Hälfte und behielt den Rest als Stornogebühr. Er habe der Kundin keinen bestimmten Sitzplatz zugesagt, das habe das Reisebüro nur mit der Fluggesellschaft abgesprochen. Daraufhin klagte die Kundin die restliche Anzahlung ein und verlangte außerdem 4.000 Euro Schadenersatz für "vereitelten Urlaub". Beim Landgericht Frankfurt erreichte sie nur einen Teilerfolg (2-24 O 227/12).

Zweifellos könne die Frau die gesamte Anzahlung zurückfordern. Da die Reise erst im August stattfinden sollte, aber schon im März abgesagt wurde, hätte der Reiseveranstalter die Reise problemlos anderweitig "an den Mann bringen können". Reiseleistungen habe die Kundin ohnehin nicht in Anspruch genommen. Eine zusätzliche Entschädigung stehe ihr dagegen nicht zu.

Da der Reiseveranstalter keinen bestimmten Sitzplatz im Flugzeug zugesichert habe, liege kein Reisemangel vor. Auf Wunsch der Kundin habe sich das Reisebüro um diese Reservierung gekümmert. Könne dieser Wunsch nicht erfüllt werden, müsse sich das nicht der Veranstalter zurechnen lassen, der davon nichts wusste. Reiseveranstalter hafteten nicht für den Wegfall von Reiseleistungen, wenn ihnen den Wunsch des Kunden nicht einmal übermittelt wurde.

Reiserücktritt wegen Waldbrand

Urlauber cancelt Russlandreise aus Angst vor Atemwegsproblemen: Wer trägt die Stornokosten?

Im August 2008 sollte für Herrn S und seine Lebensgefährtin ein Traum in Erfüllung gehen: Sie buchten im Reisebüro eine Flusskreuzfahrt von St. Petersburg nach Moskau. Doch im Sommer brachen in der Region Moskau schwere Waldbrände aus. Da kamen dem Mann Bedenken, ob er den Urlaub antreten sollte, da er an einem chronischen Atemwegsinfekt leidet. Zwei Tage vor dem Abflug fragte S im Reisebüro, ob er die Reise stornieren könne.

Sein Arzt bescheinigte, dass sich die Atemwegsprobleme in einer Region mit brennenden Wäldern verschlechtern könnten. Daher sei vom Urlaub abzuraten. Die Mitarbeiterin des Reisebüros stornierte für Herrn S die Kreuzfahrt und meldete der Reiserücktrittsversicherung einen Reiserücktritt wegen einer unerwarteten schweren Erkrankung. Die Versicherung übernahm jedoch die Stornogebühren von rund 5.000 Euro nicht: Ein chronischer Infekt komme nicht plötzlich und unerwartet. Zudem habe der Reiseveranstalter die Route geändert.

Herr S verlor den Rechtsstreit mit der Versicherung und versuchte anschließend, die Stornogebühren vom Reisebüro einzutreiben. Begründung: Er habe sich extra im Reisebüro nach Möglichkeiten erkundigt, die Reise zu stornieren. Die Beraterin dort habe gesagt, die Reiseversicherung werde schon zahlen. Darauf habe er sich verlassen. Doch auch die Klage gegen das Reisebüro scheiterte, weil das Landgericht Braunschweig eine Pflichtverletzung der Beraterin verneinte (8 O 1695/12 (166)).

Die Versicherung gegen Reiserisiken falle in die Eigenverantwortung des Kunden, er müsse die Stornokosten selbst tragen. Ein Reisebüro vermittle nur den Reisevertrag zwischen Kunden und Reiseveranstaltern. Zu seinen Aufgaben gehöre es nicht, die Kunden über ihre Rechte als Versicherungsnehmer aufzuklären, z.B. darüber, unter welchen Umständen sie den Reisevertrag kündigen dürften. Wenn die Reiseberaterin dazu Ratschläge gebe, übernehme sie damit keine Garantie für deren Richtigkeit.

Das gelte erst recht, wenn der Kunde zwei Tage vor der Reise umfassende Rechtsauskunft über schwierige Fragen bekommen wolle. Trotzdem habe die Beraterin alles versucht, was in der kurzen Zeit möglich war: Der Reiseveranstalter habe ihr versichert, der Waldbrand werde die Reise nicht beeinträchtigen. Wer storniere, müsse daher Stornogebühr zahlen. Danach habe sich die Beraterin an die Versicherung gewandt. Da habe ihr ein unbekannter Mitarbeiter am Telefon mitgeteilt, ein Atemwegsinfekt könne einen Reiserücktritt rechtfertigen. Darauf habe die Reiseberaterin ihrerseits vertrauen dürfen.

Marokko-Reise wegen Terrorgefahr storniert

Allgemein bekannte Gefahren rechtfertigen keinen Reiserücktritt wegen höherer Gewalt

Bereits im Juni 2014 hatte ein Ehepaar aus Nürnberg bei einem Münchner Reiseveranstalter eine Rundreise in Marokko gebucht. Im April 2015 wollte es die Städte Rabat, Marrakesch und Casablanca besichtigen.

Doch im November 2014 stornierte das Ehepaar "wegen der gesamtpolitischen Lage" die Buchung. Sie habe sich wegen unvorhersehbarer Terroraktionen verschlechtert, schrieben die Kunden dem Reiseveranstalter. Außerdem könnte auch die in Afrika grassierende Ebola-Epidemie auf Marokko übergreifen. Der Veranstalter habe vor diesen Gefahren nicht gewarnt.

Der Reiseveranstalter antwortete, seit dem so genannten arabischen Frühling seien mehrere Urlaubsländer allgemein anschlagsgefährdet, darunter Tunesien, die Türkei, auch Marokko. Eine konkrete Gefahr, die einen Reiserücktritt rechtfertigen würde, liege jedoch nicht vor. Das Unternehmen verrechnete die Anzahlung von 435,20 Euro mit einer Stornogebühr in Höhe von 20 Prozent des Reisepreises.

Zu Unrecht, fanden die Kunden: Sie hätten den Reisevertrag "wegen höherer Gewalt" kündigen dürfen und müssten dafür keine Stornogebühr zahlen. Dem widersprach das Amtsgericht München (231 C 9637/15). Unter "höherer Gewalt" verstehe die Rechtsprechung Naturkatastrophen oder sich zuspitzende bürgerkriegsähnliche Zustände in einem Land, so das Gericht.

Davon müsse man das allgemeine Lebensrisiko unterscheiden. Dazu zählten auch politische Krisen, die schon länger "schwelten" und nicht direkt eine konkrete Reise unmöglich machten. In Marokko bestehe keine Gefahr eines Bürgerkriegs oder von Zuständen, die speziell den Tourismus gefährdeten. Richtig sei, dass sich die allgemeine Sicherheitslage vor allem durch den IS-Terrorismus verschlechtert habe, wie den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes zu entnehmen sei.

Das gelte jedoch nicht nur für Marokko, sondern für viele Länder, und auch in Europa. Seit 2011 bestehe die Gefahr terroristischer Anschläge mit islamistischem Hintergrund. Aber diese Situation sei, ebenso wie die Ebola-Epidemie, im November 2014 nicht wesentlich schlimmer gewesen als im Juni 2014.

Der Reiseveranstalter müsse Kunden über diese Lage auch nicht aufklären. In der Öffentlichkeit werde darüber ständig berichtet. Wie sich die Sicherheitslage speziell in Marokko entwickle, wisse der Reiseveranstalter ebenso wenig wie die Kunden. Die müssten sich darüber beim kompetenteren Auswärtigen Amt informieren.

Rüffel für Germania

Airline muss die Kunden auf ihrer Website richtig über die Fluggastrechte belehren

Die Fluggesellschaft Germania informiert ihre Kunden auf der Internetseite flygermania.de über Flüge, Buchungsverfahren und Konditionen. Hier findet sich auch ein Informationsblatt, das die Fluggäste über ihre Ansprüche aufklärt, falls ein Flug zu spät landet, annulliert wird oder überbucht ist.

Es wurde vom Bundesverband der Verbraucherzentralen als unklar kritisiert. Zum Teil würden die Rechte der Verbraucher sogar falsch wiedergegeben. Der Bundesverband, Verteidiger der Verbraucherinteressen, mahnte die Fluggesellschaft ab und forderte, die irreführenden Informationen zu korrigieren. Dazu sah Germania allerdings überhaupt keinen Grund, weil das Informationsblatt die Ansprüche der Passagiere superkorrekt erläutere.

Das Landgericht Berlin sah das anders und entschied den Rechtsstreit zu Gunsten der Verbraucherschützer (52 O 103/15). Im Informationsblatt fehle beispielsweise der Hinweis, dass der Fluggast bei einem überbuchten Flug nicht nur das Recht habe, den Preis des Flugtickets ersetzt zu bekommen oder wahlweise auf andere Weise befördert zu werden. Die Kunden könnten bei kombinierten Flügen auch verlangen, dass man sie zum ersten Abflugort zurückbringt.

Die Auskunft zu eventuell nötigen Zwischen-Übernachtungen sei ebenfalls missverständlich. Sei ein Flug überbucht oder annulliert worden, und müssten Passagiere deshalb übernachten, hätten sie nicht nur "notfalls" Anspruch auf ein Hotelzimmer. Vielmehr seien Fluggesellschaften verpflichtet, gestrandeten Fluggästen eine Übernachtung im Hotel anzubieten. Die Formulierung "notfalls" tue so, als wäre dies der Ausnahmefall — und eigentlich müssten sich die Kunden selbst darum kümmern oder auf dem Flughafen schlafen.

Auf das Recht der Fluggäste, bei einer Flugverspätung von mehr als drei Stunden eine Entschädigung zu erhalten, werde auch nicht hingewiesen. Dieser Anspruch ergebe sich zwar nicht direkt aus dem Gesetz, sondern aus der Rechtsprechung: Die aber sei für Verbraucher besonders wichtig. So eine Information dürfe man nicht unterschlagen, wenn es um die Folgen von Flugverspätungen gehe. Die Fluggesellschaft müsse die Forderung des Bundesverbandes erfüllen und diese Schwachstellen des Informationsblatts korrigieren.

Mietwagen in Italien beschädigt

Mieter rief nicht die Polizei, um seinen Rückflug nicht zu verpassen

Jedes Mal, wenn Herr P seine Ferienwohnung in Italien aufsuchte, mietete er über einen deutschen Reiseveranstalter einen Wagen. Am Ankunftsflughafen holte er ihn beim italienischen Autovermieter ab, der mit dem Reiseveranstalter zusammenarbeitete. Im Sommer 2014 hatte P am italienischen Wohnort doppeltes Pech. Ausgerechnet am Abreisetag stieß vormittags eine Italienerin mit ihrem Fiat gegen das — korrekt geparkte — Mietauto und beschädigte das Heck.

Die Frau hängte einen Zettel mit Anschrift und Telefonnummer an den Wagen. Herr P, dessen Rückflug um 13.30 Uhr starten sollte, bemerkte das Malheur erst gegen 11 Uhr, als er zum Flughafen fahren wollte. Um den Flieger nicht zu verpassen, holte Herr P nicht die Polizei, sondern brach wie geplant zum Flughafen auf. Als er dort den Mietwagen beim Autovermieter zurückgab, meldete er den Unfall und überreichte auch die Daten der Unfallverursacherin.

Der Autovermieter nahm Kontakt zu ihr auf und behielt die von P hinterlegte Kaution von 900 Euro ein. P verlangte den Betrag vom Reiseveranstalter zurück. Der zahlte nicht, sondern verwies auf die Vermittlungsbedingungen im Vertrag: Nur bei einem nachweislich unverschuldeten Unfall bekomme der Automieter die Kaution zurück. Deshalb müsse er/sie bei jedem Unfall die Polizei einschalten und einen polizeilichen Unfallbericht vorlegen.

Dazu wäre P verpflichtet gewesen, bestätigte das Amtsgericht München: Es wies seine Zahlungsklage gegen den Reiseveranstalter ab (233 C7550/15). Herr P habe weder Anspruch auf die Kaution, noch auf Ersatz für seine Rechtsanwaltskosten. Denn nach dem eindeutigen Wortlaut des Mietvertrags müssten sich Automieter bei einem Unfall mit dem Mietwagen genau an die vorgeschriebene Prozedur halten, um die Kaution nicht zu verlieren.

Also hätte P die Polizei verständigen und einen Unfallbericht vorlegen müssen. Das gelte auch dann, wenn der Unfallgegner bekannt und die Zeit knapp sei. In so einem Ausnahmefall müsse er es auch in Kauf nehmen, unter Umständen ein Flugzeug zu verpassen. Schon möglich, dass es länger gedauert hätte, wenn er die Polizei eingeschaltet hätte. Dieser widrige Umstand mache jedoch die vertraglich vereinbarten Bedingungen nicht gegenstandslos.

Gericht rüffelt opodo.de

Kurzartikel

Internethändler müssen Verbrauchern mindestens eine "gängige und zumutbare unentgeltliche Zahlungsmöglichkeit" eröffnen. Das Landgericht Hamburg hat deshalb die Buchungswebsite opodo.de gerüffelt. Denn die Verkäuferin von Flugtickets bietet ihren Kunden als einzige gebührenfreie Möglichkeit die Kreditkartenzahlung mit "Visa Entropay" an, einer Prepaid-Karte. Dieses Zahlungsmittel sei in Deutschland kaum bekannt, geschweige denn im Umlauf, so das Landgericht. Dieses "Angebot" sei also in Wirklichkeit keines, es mache vielmehr für die meisten Kunden eine gebührenfreie Zahlung unmöglich.

Bettwanzen im Hotel

Gericht klärt die Ansprüche einer Urlauberfamilie auf Entschädigung

Ein Ehepaar verbrachte mit seinem Sohn den Sommerurlaub auf den Kanarischen Inseln. Doch die "schönste Zeit des Jahres" war wenig erholsam. Bereits nach der ersten Nacht im Hotel entdeckten die Urlauber Blutspuren auf den Bettlaken, Insektenbisse übersäten ihre Körper. Für das Paar stand fest: Hier sind Bettwanzen zugange! Erst nach drei langen Nächten konnte die Familie in ein ungezieferfreies Hotel umziehen. Sie litten jedoch noch einige Tage unter dem starken Juckreiz.

Der Familienvater verlangte vom Reiseveranstalter den gesamten Reisepreis zurück, denn sie hätten sich "null" erholt. 500 Euro bekomme der Urlauber, entschied das Landgericht. Denn abgesehen von den ersten drei Tagen sei die Reise ja in Ordnung gewesen. Damit waren die Urlauber nicht einverstanden — und auch das Oberlandesgericht Celle nicht (11 U 249/14).

Dass im Hotel "noch nie Bettwanzen aufgetreten" seien, wie der Reiseveranstalter versicherte, widerlege nicht den Verdacht, dass der Ungezieferbefall durch mangelnde Hygiene verursacht wurde. Damit Ungeziefer möglichst schlechte Lebensbedingungen vorfinde, müsse ein Hotel sauber sein. Zudem müssten Hoteliers das Personal anweisen, bei jedem Bettwäschewechsel auf typische Spuren von Bettwanzen zu achten.

Ungeziefer im Zimmer stelle einen Reisemangel dar: Die Lichtbilder von den Insekten, die Biss- und Blutspuren sprächen eindeutig für Bettwanzen. Auch das Hotel scheine dieser Ansicht zu sein, habe es doch nach dem Umzug der Familie einen Kammerjäger beauftragt. Die Insektenbisse hätten den Urlaub nicht nur drei Tage beeinträchtigt: Die ganze Familie, vor allem aber die Frau, habe noch tagelang unter einer Vielzahl von Quaddeln auf der Haut gelitten.

Wegen der Ekzeme habe die Frau den Strand nicht aufsuchen können. Allerdings sinke damit der Erholungswert der Reise nicht auf "Null": Auch jenseits von Stränden könne man Freizeit auf der Insel erholsam verbringen. Es sei deshalb angemessen, wenn der Reiseveranstalter den Reisepreis — insgesamt 3.317 Euro — um weitere 964 Euro mindere. Darüber hinaus stehe der Frau ein Schmerzensgeld von 1.000 Euro zu, da sie übermäßig auf die Stiche reagiert habe.

Fäkalien im Meer

Kläranlage am Urlaubsort defekt: An Brechdurchfall erkrankte Familie bekommt Schadenersatz

Eine deutsche Familie verbrachte im August 2014 zwei Wochen in einem türkischen 5-Sterne-Hotel bei Side. Doch die Pauschalreise verlief anders als erwartet: Die Eltern und die zwei Kinder erkrankten schon in den ersten Urlaubstagen an einer akuten Magen-Darm-Entzündung. Der Grund: Die örtliche Kläranlage war defekt, so dass das gesamte Abwasser mit den Fäkalien ins Meer floss — nicht weit entfernt vom Hausstrand des Hotels.

Nicht nur die deutsche Familie landete im Krankenhaus: 129 Hotelgäste litten an Magen-Darm-Grippe. Die Reiseleitung hatte vor dem Baden im Meer nicht gewarnt. Vermutlich habe das Hotel auch Speisen mit Wasser voller Keime zubereitet, vermuteten die Urlauber. Nach acht Tagen konnte die deutsche Familie in ein Hotel an einem anderen Ort umziehen.

Vom Veranstalter der Pauschalreise verlangte der Familienvater Minderung des Reisepreises, Schadenersatz für vertane Urlaubszeit und Schmerzensgeld. Doch der Reiseveranstalter sah dafür überhaupt keinen Grund: Er könne das Funktionieren der Kläranlage nicht beeinflussen. Da er für die Misere nicht verantwortlich sei, liege kein Reisemangel vor. Mit diesem Argument war das Landgericht Köln nicht einverstanden (2 O 56/15).

Auch vom Reiseveranstalter nicht beeinflussbare Risiken könnten einen Reisemangel begründen, wenn sie sich unmittelbar auf die geschuldete Reiseleistung auswirkten. Ein Brechdurchfall verhindere alle Urlaubsaktivitäten, die Nahrungsaufnahme sowieso. Von Erholungsurlaub könne angesichts der hygienischen Zustände in der ersten Woche überhaupt keine Rede sein.

Der Defekt der Kläranlage sei natürlich nicht dem Reiseveranstalter anzulasten. Aber das Unternehmen hätte sich über die aktuelle Lage vor Ort informieren und die Urlauber kurzfristig auf eine andere türkische Region umbuchen müssen. Schon Anfang August seien die ersten Urlauber erkrankt, zehn Tage bevor die Familie anreiste. In Internetforen sei das Problem diskutiert worden, sogar die deutsche Presse habe darüber berichtet. Alles in allem stehe der Familie ein Betrag von 10.351 Euro zu.

In den falschen Fernbus eingestiegen

Ehepaar muss Ersatztickets für eine Irrfahrt quer durch die Republik bezahlen

Ein Ehepaar wollte im Sommer 2014 mit dem Fernbus von Hamburg nach Hagen und zurück fahren. Die Tickets für je 15 Euro buchten die Reisenden im Internet bei einem Münchner Busunternehmen. Am Nachmittag gegen 15.30 Uhr stiegen sie in Hamburg in den Bus und zeigten dem Fahrer ihre Fahrkarten. Bei einem Halt in Hannover wurde das Ehepaar stutzig. Der Mann ging zum Busfahrer und fragte, wann der Bus denn in Hagen ankomme. Gar nicht, lautete die Auskunft.

Die bittere Wahrheit: Das Paar war aus Versehen in den Bus nach Frankfurt eingestiegen. Nicht genug damit: Nun weigerte sich der Fahrer auch noch, die Reisenden weiterhin zu befördern. Sie mussten die Fahrt mit der Eisenbahn fortsetzen, das Ticket von Hannover nach Hagen kostete pro Person 90 Euro. Der Zug erreichte das Ziel erst gegen 22.30 Uhr, so dass es keine Möglichkeit mehr gab, mit der Bahn zurückzufahren. Die Eheleute mussten die Fahrt mit einem Taxi zurücklegen, was noch einmal mit 45 Euro zu Buche schlug.

Diese Mehrkosten wollten sie nicht auf sich sitzen lassen: Das Busunternehmen müsse wenigstens 180 Euro erstatten, meinten die Eheleute. Denn der Busfahrer sei letztlich für die Irrfahrt verantwortlich. Schließlich habe er die Tickets nach Hagen gesehen und nichts gesagt. Doch den Prozess gegen das Fernbusunternehmen verloren die Kunden beim Amtsgericht München (122 C 7088/15).

Wer nicht aufpasse und in den falschen Fernbus einsteige, sei selbst daran schuld. Daher könne das Paar keinen Schadenersatz verlangen. Dass dem Fahrer das Ziel "Hagen" auf den Tickets nicht aufgefallen sei, sei bedauerlich, begründe aber keine Haftung des Unternehmens. Es sei nämlich nicht dazu verpflichtet, Passagiere beim Einsteigen zu beaufsichtigen.

Wäre die Busfahrt nach Hagen annulliert worden, hätten die Fahrgäste aufgrund des Beförderungsvertrags Anspruch auf eine Entschädigung. Doch diese Fahrt habe planmäßig stattgefunden.

In die Hose gepinkelt

Defekte Zugtoilette mit peinlichen Folgen: Bahnreisende erhält kein Schmerzensgeld

Im Oktober 2014 reiste eine Dame mit der Deutschen Bahn von Düsseldorf nach Trier. Weil ihr Zug am Umsteigebahnhof Koblenz zu spät eintraf, erreichte sie den planmäßigen Anschlusszug nicht mehr und nahm eine Regionalbahn. Schon am Bahnsteig spürte die Reisende leichten Harndrang, stieg aber in die Bummelbahn, um keine Zeit mehr zu verlieren. Dann kam es, wie es kommen musste: Die einzige Zugtoilette war defekt.

Zwar gelang es der Dame während der zweistündigen Fahrt gerade noch, den immer stärkeren Harndrang zu unterdrücken. Doch am Bahnhof Trier schaffte sie es nicht mehr bis zur Toilette. Ihren Worten nach ging auf dem Bahnsteig "alles in die Hose und darüber hinaus".

Von der Deutschen Bahn AG verlangte die Kundin 400 Euro als Entschädigung für den quälenden Harndrang und die "entwürdigende Situation" in Trier. In Koblenz hätte man sie vor der Abfahrt des Zuges darauf hinweisen müssen, dass die Zugtoilette nicht funktionierte.

Doch das Landgericht Trier war der Ansicht, die Dame sei für ihr Missgeschick selbst verantwortlich (1 S 131/15). Bei öffentlich zugänglichen Toiletten seien Funktionsstörungen häufig: Die Deutsche Bahn AG könne nicht jedes Mal sofort den Zug austauschen, um sie zu beheben. Reisende müssten mit Störungen rechnen und sich vor der Abfahrt erkundigen, ob die Zugtoiletten funktionierten.

Im Regionalverkehr entlang der Mosel verkehrten Züge in kurzen Abständen und hielten alle paar Minuten an einer Haltestelle. Daher sei es nicht zwingend erforderlich, den Fahrgästen im Zug den Toilettengang zu ermöglichen. Die Reisende hätte die Fahrt jederzeit unterbrechen können, was sie aber nicht getan habe. Da sie den Harndrang selbst als quälend beschreibe, habe ihr das damit verbundene Risiko bewusst sein müssen.

Unverständlich fand das Gericht das Argument, sie habe wegen ihrer Unsicherheit als allein reisende Frau nicht aussteigen wollen. Die Bahnkundin sei am Nachmittag gefahren. Die Bahnhöfe an dieser Strecke seien keine menschenleeren "Geisterbahnhöfe", sondern lägen in touristisch erschlossenem Umfeld mit vielen Gaststätten. Hätte die Dame die Möglichkeit wahrgenommen, unterwegs eine Toilette aufzusuchen, wäre ihr die erniedrigende Situation am Trierer Bahnhof erspart geblieben. Anspruch auf Entschädigung bestehe daher nicht.

Flugzeug defekt: 29 Stunden Verspätung

Gehört das zu den "außergewöhnlichen Umständen", die eine Airline von der Ausgleichszahlung an Fluggäste befreit?

Eine Holländerin reiste nach Südamerika (Ecuador). Sie hatte den Hin- und Rückflug — von Amsterdam nach Quito und zurück — bei der niederländischen Fluggesellschaft KLM gebucht. Der Rückflug verzögerte sich um mehr als einen Tag (um 29 Stunden), weil technische Teile des Flugzeugs defekt waren: Die Kraftstoffpumpe und die hydromechanische Einheit mussten ausgetauscht werden. Die Urlauberin verlangte für den verspäteten Flug eine Ausgleichszahlung gemäß EU-Fluggastrechteverordnung.

Dagegen pochte KLM darauf, das Malheur sei für sie nicht vorhersehbar gewesen. Es habe sich um einen "außergewöhnlichen Umstand" gehandelt, für den sie nicht verantwortlich sei. Damit sei sie von der Ausgleichspflicht befreit. Die defekten Teile habe sie, die Fluggesellschaft, per Luftfracht aus Amsterdam liefern und dort einbauen müssen. Diese Teile hätten ihre durchschnittliche Lebensdauer bei weitem nicht erreicht gehabt. Der Hersteller habe auch keinerlei Hinweis auf Mängel ab einem bestimmten Alter gegeben.

Das Amsterdamer Gericht, das den Rechtsstreit entscheiden sollte, legte ihn dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Klärung vor (C-257/14). Dabei ging es im Wesentlichen um die Frage, ob unerwartet auftretende technische Probleme, die nicht auf fehlerhafte Wartung zurückgehen, zu den "außergewöhnlichen Umständen" zählen, die der Airline nicht zuzurechnen sind.

Das gelte nur in Ausnahmefällen, so der EuGH: nämlich bei Problemen, die ein Luftfahrtunternehmen aufgrund ihrer Natur oder Ursache nicht im Griff habe. Zum Beispiel, wenn der Flugzeughersteller entdecke, dass eine Maschine einen versteckten Fabrikationsfehler aufweise, der die Flugsicherheit beeinträchtigen könne. Oder bei technischen Defekten durch Sabotageakte. Prinzipiell seien aber technische Probleme nicht als "außergewöhnlicher Umstand" einzustufen.

Die Fliegerei bringe unausweichlich technische Probleme mit sich, auch unerwartete Mängel gehörten zum betrieblichen Alltag einer Fluggesellschaft. Diese komplexen Systeme, die oft bei extremen Wetterbedingungen eingesetzt werden, seien anfällig. Kein Flugzeugteil habe eine unbegrenzte Lebensdauer. Mit Ausfällen müssten die Unternehmen ständig rechnen, auch wenn sie dem durch gründliches Warten vorbeugten. KLM müsse deshalb die Kundin für die Flugverspätung entschädigen. Es stehe dem Unternehmen frei, sich beim Hersteller der defekten Teile schadlos zu halten.