B2B (Beziehungen zw. Unternehmen)

Es kann nur einen "Mustang" geben ...

Schuhproduzent und Jeanshersteller streiten um geschützte Marke

Die "Mustang Bekleidungswerke GmbH" gehört zu Deutschlands bekanntesten Jeansherstellern, vertreibt aber auch Sportbekleidung und Schuhe. Auf der Fachmesse "Interjeans" 1998 in Köln bemerkten Mitarbeiter der Firma verblüfft, dass auch ein anderer Produzent Schuhe mit dem Zeichen "Mustang" ausstellte. Es handelte sich um die spanische Schuhfirma "Mustang Inter S.L.".

Der deutsche Hersteller zog vor Gericht und pochte auf seine älteren Markenrechte: Seit 1959 ist die Wortmarke "MUSTANG" für Bekleidung geschützt, seit 1981 auch für Schuhe. Der spanische Konkurrent dürfe das Zeichen MUSTANG daher nicht mehr verwenden und müsse zudem seine Marke "Sixtyseven by Mustang Inter" löschen lassen. Der Bundesgerichtshof gab dem deutschen Unternehmen Recht (I ZR 204/01). Auch wenn die spanische Firma das Wort Mustang nur als einen Bestandteil des Namens führe, sei dieses Wort doch das prägende. ("Inter" ist nur eine Abkürzung für "International" und "S.L." die Angabe der Rechtsform des Unternehmens (Sociedad Limitada).)

Beide Produzenten stellten Schuhe her. Eine Vielzahl von Unternehmen kennzeichne Schuhe mit dem Namen des Herstellers, Marke und Firmenname seien oft identisch. Also müssten die Verbraucher hier wegen der Namensübereinstimmung fälschlicherweise von wirtschaftlichen Zusammenhängen zwischen den Unternehmen ausgehen. Das Wort "Mustang" stehe für eine bestimmte Qualität. Verbraucher erwarteten, dass alle mit diesem Zeichen verkauften Waren unter der Kontrolle eines einzigen Unternehmens hergestellt werden, das für diese Qualität verantwortlich sei.

Wem gehört die Online-Welt?

Springer-Verlag kämpft um Domainnamen "weltonline.de"

Die Axel Springer AG gibt u.a. die Zeitung "Die Welt" heraus, ein als Marke geschützter Titel. Im Internet ist die Zeitung ebenfalls präsent, sie publiziert ihre elektronische Ausgabe "DIE WELT online" unter der Domain "welt.de". Dass eine GmbH die Domainnamen "welt-online.de" und später "weltonline.de" für sich registrieren ließ, missfiel dem Springer-Verlag. Die GmbH bereitet nach eigenen Angaben einen Internet-Führer vor und hat aus diesem Grund eine Vielzahl von Domainnamen eintragen lassen (Sachbegriffe, geographische Angaben, Automarken mit dem Zusatz "-boerse" etc.).

Der Bundesgerichtshof sah keinen Anlass, der GmbH die Benutzung der fraglichen Domain zu verbieten (I ZR 207/01). Wer eine Domain zuerst anmelde, der bekomme sie - einmal abgesehen von geschützten Marken. Die Zeitung "Die Welt" sei auf den Domainnamen "weltonline.de" nicht angewiesen, da ihre Internetseite unter "welt.de" zugänglich sei. Anders wäre die Sache zu beurteilen, wenn die GmbH durch ihre Geschäftspraktiken die Bekanntheit der Marke "Die Welt" in unlauterer Weise ausbeutete. Doch das sei im Moment nicht abzusehen. Wie die GmbH die Internetadresse "weltonline.de" im geschäftlichen Verkehr nutzen werde, sei bisher offen.

Werbung auf dem Friedhof?

Nicht jedes Firmenlogo auf Arbeitsmitteln eines Bestattungsunternehmers ist sittenwidrig

Ein Münchner Bestattungsunternehmer bekam Ärger mit einem Konkurrenten. Dem war es ein Dorn im Auge, dass der Unternehmer auf Friedhöfen mit Lastern und Containern arbeitete, die groß und auffällig den Firmenschriftzug "Trauerhilfe X" trugen. Das sei sittenwidrig, beanstandete der Konkurrent: Nach allgemeiner Auffassung in der Branche habe Werbung auf Friedhöfen nichts zu suchen.

Reklame sei im Leben von heute allgegenwärtig, konterte der gescholtene Unternehmer: Der Schriftzug auf seinen Fahrzeugen sei außerdem so bescheiden, dass ihn die Trauernden nur am Rande wahrnähmen. Im Übrigen müsse er schließlich sein Eigentum kennzeichnen. Das Oberlandesgericht München erklärte (nur) das Firmenzeichen auf den Containern für den Erdaushub für unzulässig (29 U 5753/01).

Ein auffälliger Schriftzug habe immer die Funktion, auf den Anbieter von Waren oder Dienstleistungen aufmerksam zu machen. Wer nur sein Eigentum kennzeichnen wolle, habe andere Möglichkeiten als ein großes Logo. Zudem ständen die Container längere Zeit in unmittelbarer Nähe der Grabstelle. Von allen Seiten sei der Schriftzug "Trauerhilfe X" gut lesbar, die Trauergemeinde könne sich diesem Eindruck gar nicht entziehen.

Auch wenn Werbung ansonsten allgegenwärtig sei: Besucher eines Friedhofs erwarteten dort eine werbefreie Zone, um in würdiger Weise der Toten zu gedenken. Im Unterschied zu dem Logo auf den Containern störe die Reklame auf den Lastern nicht: Diese parkten nämlich immer nur kurzfristig im Friedhof und auch nicht neben den Gräbern, sondern abseits auf einem Weg. Dort könnten Besucher die Aufschrift überhaupt nur lesen, wenn sie eigens diesen abgelegenen Teil des Friedhofs aufsuchten.

"Altenburger Ziegenkäse"

Käseproduzent darf die geschützte Herkunftsbezeichnung nicht verwenden, wenn er die Milch nicht aus der Region bezieht

Es handelt sich um einen Weichkäse mit einem Mindestanteil von 15 Prozent Ziegenmilch. Die Ursprungsbezeichnung "Altenburger Ziegenkäse" ist geschützt; nur zwei Produzenten stellen ihn her. Über einen Streit zwischen diesen beiden Herstellern hatte das Oberlandesgericht (OLG) Köln zu entscheiden (6 U 166/06).

Einer warf dem anderen vor, er habe für den Käse Milch von Ziegen verwendet, die außerhalb des Ursprungsgebiets gehalten werden. Der Betriebssitz seines Milchlieferanten spiele doch keine Rolle, konterte der Gescholtene. Wichtig sei nur, dass die Ziegen das kleereiche Futtergras der Altenburger Region zu Fressen bekämen.

Das OLG Köln war nicht so großzügig. Es treffe zwar zu, dass der geografische Bezug anknüpfe an die hügelige Agrarlandschaft rund um Altenburg und seinen kleereichen Futtergrasanbau, räumten die Richter ein. Wenn der einzige Bezug des Produkts zum Ursprungsgebiet allerdings darin liege, dass das Futter für die Ziegen von dort komme, dürfe der Käsehersteller die geschützte Herkunftsbezeichnung nicht mehr verwenden.

Trage ein Agrarerzeugnis eine geschützte Herkunftsbezeichnung, bedeute dies, dass es in dem "begrenzten geografischen Gebiet erzeugt, verarbeitet und hergestellt" werde. Bei Käse sei Milch der Hauptinhaltsstoff und müsse daher aus dem Ursprungsgebiet stammen; das Milchvieh müsse innerhalb dieses Gebiets gehalten, gefüttert, getränkt und gemolken werden.

"Gütesiegel" einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ...

... für Unternehmen erweist sich als falsch: 1 Million Euro Schadenersatz

2004 prüfte eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft den Jahresabschluss einer GmbH. Die Prüfer fanden alles in Ordnung und sagten voraus, das Unternehmen werde sich im kommenden Jahr weiterhin positiv entwickeln. Das erwies sich schon wenige Monate später als verhängnisvoller Irrtum: Die GmbH musste Insolvenz anmelden.

Nun verklagte der Insolvenzverwalter die Wirtschaftsprüfer auf Schadenersatz: Sie hätten schlampig gearbeitet und so großen Schaden angerichtet. Denn bei korrekter Prüfung wäre die desolate Finanzsituation des Unternehmens viel früher erkannt worden. Dann hätte es nicht weitere Verbindlichkeiten in Millionenhöhe angehäuft. Das Landgericht München I prüfte die Prüfer und kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass sie ihre Pflichten sträflich vernachlässigt hatten (14 O 8038/06).

Dass die Finanzlage des verschuldeten Unternehmens bedrohlich war, könne man schon den Zahlen des Jahresabschlusses selbst entnehmen. Darüber hinaus sei den Prüfern entgangen, dass zwölf Prozent der Bilanzsumme (angeblich ein Wert von 2,2 Millionen Euro) aus "Patenten" bestanden, die nichts wert waren. Dabei handelte es sich nur um Patentanmeldungen (technisch weitgehend ohne Neuheitswert und entsprechend geringer Chance, tatsächlich ein Patent zu erhalten).

Das hätten die Prüfer anhand des "Patent"-Kaufvertrags und einer kurzen Internet-Recherche leicht klären können, so das Landgericht. Dann hätten sie statt des ausgewiesenen Gewinns von 475.000 Euro einen Verlust von einer Million Euro festgestellt. Da die Wirtschaftsprüfer die wirtschaftliche Lage der GmbH dramatisch falsch einschätzten und ihre Pflichten als Abschlussprüfer erheblich verletzten, müssten sie für den dadurch verursachten finanziellen Verlust einstehen - bis zur gesetzlichen Höchstgrenze von einer Million Euro. (Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.)

"100-Prozent-Ökostrom"

Diese Werbung eines Energieversorgers führt Verbraucher nicht in die Irre

Ein Energieversorger versprach seinen Kunden, sie mit "100-Prozent-Ökostrom" zu versorgen. Das ärgerte einen Konkurrenten, der ihm vorhielt, die Verbraucher mit dieser Werbemasche zu täuschen: Ins Netz werde Strom ganz unterschiedlicher Herkunft eingespeist. Was aus der Steckdose komme, sei immer ein Mix aus verschiedenen Energieträgern - Strom stamme nie nur aus erneuerbaren Energien.

Der Konkurrent wollte die Werbung verbieten lassen, scheiterte damit jedoch beim Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe (6 U 140/08). Wer den Anbieter wechsle, beziehe als Endkunde weiterhin Strom, der aus einem "Energiemix" gewonnen werde, räumte das OLG ein.

Doch darüber seien die Verbraucher nach zahlreichen Debatten in der Öffentlichkeit über die Liberalisierung des Energiemarktes gut informiert. Ein verständiger Verbraucher nehme die Werbeaussage nicht wörtlich und werde deshalb auch nicht in die Irre geführt: Dass die Energie, die bei ihm aus der Steckdose komme, unmittelbar aus einer erneuerbaren Energiequelle gewonnen werde, glaube wohl kaum jemand.

Aus der Sicht des Verbrauchers, der sich für "Ökostrom" entscheide, sei es wesentlich, dass er Energie aus erneuerbaren Energiequellen fördern wolle. Und das könne er mit dem Wechsel durchaus: Anbieter von Ökostrom verpflichteten sich nämlich, im gleichen Umfang, wie ihre Kunden Strom abnehmen, Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz einzuspeisen. Wer zum Ökostromversorger wechsle, steigere also die Nachfrage nach erneuerbaren Energien.

AdWord-Werbung bei Google

Reklame im Anzeigenblock neben der Trefferliste stört ein Unternehmen

Wer bei der Internetsuchmaschine Google Suchworte eingibt, erhält eine Trefferliste mit Texten/Websites, welche die Suchworte enthalten. Rechts von der Trefferliste erscheint ein Anzeigenblock mit Werbung, die entsprechend den Suchworten des Internetnutzers ausgewählt wird. Die Auswahl können die Werbenden beeinflussen, indem sie Schlüsselwörter angeben, d.h. Suchworte, zu denen ihre Reklame inklusive Link auf ihre Website eingespielt werden soll (= AdWord-Anzeigen).

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte über Fälle zu entscheiden, in denen Werbende die Unternehmensbezeichnung eines Konkurrenten als Schlüsselwort verwendeten. Es ging um die Frage, ob diese Praxis ein "geschütztes Kennzeichen verletzt" (sprich: den Unternehmensnamen), was vom BGH verneint wurde (I ZR 139/07 und I ZR 30/07).

Die Beta Layout GmbH stellt Leiterplatten her (Montageplatten für elektronische Bauelemente). Sie verklagte zwei Wettbewerber. Für die Firma ist die Marke "PCB-POOL" geschützt. Konkurrent 1 hatte bei Google die Buchstaben "pcb" als Schlüsselwort angemeldet, was von Fachkreisen als Abkürzung für "printed circuit board" verstanden wird (englisch: Leiterplatte).

Folge: Gab ein Internetnutzer "PCB-POOL" bei Google ein, erschien im Anzeigenblock eine Anzeige für Produkte des Konkurrenten 1. Das Markenrecht sah der BGH dadurch aber nicht verletzt: "PCB" sei die Abkürzung eines allgemeinen technischen Begriffs, dessen Verwendung niemand verbieten könne.

Konkurrent 2 hatte bei Google als Schlüsselwort die Bezeichnung "Beta Layout" angemeldet. Daher erschien immer dann, wenn sich ein Google-Benutzer für die Firma Beta Layout interessierte, eine Anzeige für Produkte des Konkurrenten 2. Auch hier verneinten die Bundesrichter einen Anspruch der Beta Layout GmbH auf Unterlassung. Es bestehe keine Gefahr, die zwei Unternehmen zu verwechseln. Die Anzeige enthalte weder das Schlüsselwort, noch sonst einen Hinweis auf die Beta Layout GmbH.

Premiere contra Kathrein-Werke

Unternehmen soll Vorrichtungen zum "Schwarzsehen" des Pay-TV-Senders hergestellt haben

Die Kathrein-Werke KG stellte von 2003 bis 2007 Receiver her, mit denen man das Programm des Bezahl-Fernsehsenders Premiere empfangen konnte. Das geschah im Einverständnis mit Premiere. Der Rosenheimer Antennenspezialist hatte sich vertraglich verpflichtet, keine Vorrichtungen zum "Schwarzsehen" des Premiere-Programms zu produzieren. Ansonsten drohte eine Vertragsstrafe von 50.000 Euro.

Nun verklagte Premiere die Kathrein-Werke KG und forderte 26.000.000 Euro Entschädigung. Das Unternehmen sei personell mit einer Firma Z verflochten, die Hunderttausende dieser Vorrichtungen aus China eingeführt und an gewerbliche Händler weiterverkauft habe. Es könne nicht sein, dass der Hauptgesellschafter der Kathrein-Werke davon nichts gewusst habe. Das Handeln der Firma Z sei auch den Kathrein-Werken zuzurechnen, die somit die Vertragsstrafe für 527 Verstöße zu zahlen habe.

Das Landgericht München I wies die Zahlungsklage ab, weil die Vorwürfe nicht belegt wurden (7 O 17548/08). Die Kathrein-Werke selbst hätten keine so genannten "Umgehungsvorrichtungen" verkauft. Dass die Geschäftsleitung davon gewusst und den Verstoß gebilligt habe, habe der Fernsehsender zwar behauptet, aber nicht nachgewiesen. Es gebe auch keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Mitarbeiter von Kathrein über den Handel der Firma Z mit Receivern zum Schwarzsehen des Premiere-Programms Bescheid wussten. (Die Premiere Fernsehen GmbH hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.)

Miese Fischdosendeckel?

Patentschrift eines Konkurrenten beschreibt Nachteile eines Produkts

Firma D, Produzentin von Fischdosendeckeln, meldete 1993 ein Patent an: für einen Dosen-Aufreißdeckel aus Blech. Wie in Patentschriften üblich, beschrieb Firma D darin den Stand der Technik. Dabei benannte sie auch Nachteile eines Aufreißdeckels des Konkurrenten R, die der Fischdosendeckel von D überwinde ...

Das Patent wurde 2002 erteilt, die Patentschrift 2003 veröffentlicht. Grund genug, um gegen die "Verleumdung" einzuschreiten, fand Unternehmer R: Sein Produkt werde geschäftsschädigend herabgesetzt, damit verstoße Firma D gegen die Regeln des fairen Wettbewerbs. Firma D müsse die einschlägigen Stellen der Patentschrift vom Patentamt löschen lassen.

Dem widersprach der Bundesgerichtshof: Hier gehe es um ein Patentverfahren. Daher sei eine Klage, die sich auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb stütze, unzulässig (I ZR 46/07). Unternehmer R könne den Inhalt einer Patentschrift nicht mit einer Wettbewerbsklage beeinflussen. Patente würden nur nach den Regeln des Patentgesetzes erteilt - und Rechtsstreitigkeiten seien nur nach dem im Patentgesetz vorgesehenen Verfahren auszutragen.

Anders läge der Fall, wenn Firma D die nachteiligen Aussagen über das Produkt von R unabhängig vom Patentverfahren öffentlich wiederholen würde, etwa in Werbeanzeigen. Das wäre als unlauterer Wettbewerb einzustufen. Doch gebe es dafür keinerlei Anhaltspunkte.

ATU darf nicht mit VW-Marke werben

Werkstattkette kann anders auf ihre Dienstleistungen hinweisen

Die ATU Auto-Teile-Unger Handels GmbH & Co. KG betreibt in Deutschland markenunabhängige Reparaturwerkstätten für Autos. In ihrer Werbung für die Inspektion von Fahrzeugen verwandte sie u.a. die Bildmarke der Volkswagen AG: das VW-Zeichen in einem Kreis.

Das verletze ihr Markenrecht, beanstandete die Volkswagen AG; zudem sei die Werbung wettbewerbswidrig, da sie selbst identische Dienstleistungen (Wartung von VW-Fahrzeugen) anbiete. So sah es auch der Bundesgerichtshof und verbot es dem Werkstattunternehmen, mit der Bildmarke des Automobilherstellers für sich Reklame zu machen (I ZR 33/09).

Die Reklame solle einen Imagetransfer - von den Qualitätsautos eines renommierten Herstellers auf die Werkstatt - bewirken und schwäche die Werbefunktion der Marke für den Hersteller, der gleichfalls Fahrzeuge repariere und warte. Um in der Werbung die von ihr angebotenen Dienstleistungen zu konkretisieren, könne die ATU ohne weiteres auf das Wort "Volkswagen" oder auf die Buchstaben "VW" zurückgreifen. Sie sei nicht auf die Bildmarke angewiesen.

"Oberpfälzer Bierkönigin"

Brauereien streiten um Werbegag: Königinnenwahl ist kein unlauterer Wettbewerb!

Eine Oberpfälzer Brauerei kürte auf einer PR-Veranstaltung mit großem Tamtam eine "Oberpfälzer Bierkönigin". Eine hübsche junge Frau wurde gewählt und absolvierte danach Werbeauftritte für die Brauerei. Das rief eine Brauerei aus dem Landkreis Cham auf den Plan, die gegen die Werbekampagne protestierte.

Da werde der falsche Eindruck erweckt, die "Bierkönigin" repräsentiere die Biere der gesamten Oberpfalz. Dabei mache sie nur Reklame für eine von siebzig Oberpfälzer Brauereien. So täusche man die Verbraucher. Das Oberlandesgericht Nürnberg sah jedoch keinen Grund, die Werbung zu verbieten (3 U 2521/10).

Zwar weise die Brauerei nicht ausdrücklich darauf hin, dass sie die Wahl nur zu Werbezwecken veranstalte. Das sei aber so offenkundig, dass die Reklame nicht als unlauterer Wettbewerb anzusehen sei. Sie beeinträchtige die Konkurrenten nicht: Das Auftreten der gewählten "Hoheit" werde von den Verbrauchern nicht als Aussage über die Qualität der beworbenen Biere (miss-)verstanden.

Selbst wenn einige Leute glauben sollten, die Bierkönigin werde von einer neutralen Stelle gekürt - z.B. von einem Gremium, das alle Oberpfälzer Brauereien repräsentiere -, so durchschauten doch alle Verbraucher, dass diese Wahl eng mit dem Absatzinteresse der betreffenden Brauerei verbunden sei. Das sei ein gelungener Werbegag, darüber täusche sich niemand.

Inzwischen ahmten viele Unternehmen diese Art Werbekampagne nach: Die beklagte Brauerei habe jedoch nichts unternommen, um die Inthronisation weiterer Bierköniginnen durch andere Brauereien zu verhindern. Ihre Reklame setze die Konkurrenz auch nicht durch Vergleiche herab. Allein dadurch, dass eine Bierkönigin bei Veranstaltungen einer Brauerei auftrete, würden die Produkte anderer Brauereien nicht als minderwertig dargestellt. Fazit: Die Aktion stelle keinen unlauteren Wettbewerb dar.