Auto und Verkehr

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Ast demoliert Autodach

Muss der Hausverwalter einer Wohneigentumsanlage für Schaden durch eine Rotbuche einstehen?

Frau A besuchte einen Bekannten, der in einer Wohnanlage lebt. Sie parkte ihren Wagen direkt neben dem Gebäude unter einer Rotbuche. Als sie zurückkam, war ein Ast heruntergefallen und hatte das Autodach demoliert. Rund 9.000 Euro musste Frau A ausgeben, um den Schaden reparieren zu lassen.

Für diesen Betrag forderte sie Schadenersatz von der Hausverwaltung, die von der Eigentümergemeinschaft den Auftrag hatte, die Wohnanlage zu pflegen — inklusive Garten und Baumbestand. Der Hausverwalter habe den maroden Baum ungenügend kontrolliert, fand die Autobesitzerin, er hätte fachmännischen Rat einholen müssen.

In dieser Ansicht fühlte sich Frau A bestätigt, als im Prozess um Schadenersatz ein Experte erläuterte, die Buchenrinde sei an Astgabelungen länglich verdickt, was Instabilität anzeigen könne. Trotzdem verlor sie den Prozess.

Das Oberlandesgericht Oldenburg räumte zwar ein, dass Baumeigentümer sich prinzipiell darum kümmern müssten, dass ihre Bäume niemanden gefährdeten (12 U 7/17). Sie müssten daher regelmäßig ihre Standfestigkeit prüfen und sie auf Krankheiten bzw. Schäden untersuchen (lassen), vor allem dann, wenn Bäume nahe an Straßen oder Gehsteigen wurzelten. Städte und Gemeinden müssten dafür qualifiziertes Personal einsetzen.

Bei Privatleuten sei allerdings nicht so ein strenger Maßstab anzulegen. Sie müssten nur in angemessenen Intervallen eine äußere Sichtprüfung der Bäume durchführen. Da könne es nur um Probleme gehen, die auch für einen Laien erkennbar seien — z.B. abgestorbene Teile, Rindenverletzungen oder sichtbarer Pilzbefall eines Baumes.

Wenn der Hausverwalter solche Phänomene festgestellt hätte, hätte er in der Tat einen Fachmann hinzuziehen müssen. Das sei aber nicht der Fall: Dass die Rotbuche bereits instabil war, hätte nur ein Experte mit forstwirtschaftlichem Wissen, nicht aber ein Laie mit prüfendem Blick erkennen können. Den Hausverwalter treffe daher kein Vorwurf. Frau A müsse die Reparaturkosten selbst tragen.

"Für 15 kannste ihn haben"

Onlinegeschäft: Durch eine klar scherzhaft gemeinte Aussage kommt kein Kaufvertrag über ein Auto zustande

Auf einem Internetportal bot Herr A seinen Gebrauchtwagen zum Verkauf an. Der Kaufpreis lag bei ca. 11.000 Euro, was nach einem später erstellten Gutachten dem tatsächlichen Verkehrswert des Autos entsprach. In seiner Anzeige bat A Interessenten darum, von alternativen Preisvorschlägen oder Tauschangeboten abzusehen. Der Wagen sei "sein Geld echt wert".

Interessent B meldete sich und machte trotzdem ein Tauschangebot. Die zähen Verhandlungen blieben ohne Ergebnis. Dann sandte der leicht frustrierte Anbieter A an B folgende Mail: "Also für 15 kannste ihn haben". B antwortete sofort "Guten Tag, für 15 Euro nehme ich ihn" und fragte, wohin er das Geld überweisen solle und wo er das Auto abholen könne. Darauf wieder A: "Kannst Kohle überweisen, Wagen bringe ich dann."

B forderte den Anbieter noch einmal auf, seine Kontodaten zu schicken — natürlich erfolglos. Anschließend schaltete B seinen Anwalt ein und klagte auf Herausgabe des Gebrauchtwagens für 15 Euro. Das Landgericht Limburg wies die Klage ab: A habe sich einen Scherz erlaubt, dadurch komme kein Kaufvertrag zustande.

Das Oberlandesgericht Frankfurt bestätigte diese Entscheidung (8 U 170/16). A habe seine Mail offensichtlich nicht ernst gemeint und habe umgekehrt auch B‘s Antwort ("… für 15 nehme ich ihn …") nicht als Annahme des Angebots ernstnehmen müssen. Dafür sei der Preis von 15 Euro doch zu abwegig. A habe die Reaktion von B als ein "Sicheinlassen auf eine Scherzkonversation" gedeutet und angesichts der eindeutigen Umstände auch so verstehen dürfen.

Interessent B hätte ohne weiteres erkennen können, dass A keine verbindliche Erklärung abgeben wollte — auch wenn A die fehlende Ernsthaftigkeit der Mail nicht durch Icons oder dergleichen unterstrichen habe. Für die Annahme, dass A sein Auto für 15 Euro verkaufen wollte, gebe es keinen nachvollziehbaren Grund. Wer unter diesen Umständen einen Anwalt einschalte, verkenne offenkundig die Rechtslage. Oder er handle nach dem Motto: Mit einer Rechtsschutzversicherung im Hintergrund, die die Prozesskosten übernimmt, kann man es ja "einfach mal probieren".

Audi-Motor brummelt leicht im 7. Gang

Ist ein Betriebsgeräusch ein Mangel, der den Autokäufer zum Rücktritt vom Kaufvertrag berechtigt?

Für rund 40.000 Euro hatte der Kunde beim Audi-Vertragshändler einen Audi Q3 2,0 TDI Quattro gekauft. Ein Jahr später brachte er den Wagen zum Händler und beschwerte sich über Betriebsgeräusche: Bei einer Geschwindigkeit von ca. 70 bis 80 km/h im siebten Gang grolle oder brumme der Motor. Der Händler sollte diesen Mangel beheben. Doch der unternahm nichts, sondern bestritt jeglichen Sachmangel.

Nun beauftragte der Käufer einen Kfz-Sachverständigen. Trotz gründlicher Untersuchung fand der Experte keinen triftigen Grund für das Geräusch. Das Brummen höre sich an wie ein Getriebeschaden, so sein Ergebnis, aber technisch funktioniere alles einwandfrei. Dennoch verlangte der Käufer vom Händler, das Geschäft rückgängig zu machen und den Kaufpreis (abzüglich Nutzungsentschädigung für gefahrene Kilometer) zurückzuzahlen.

Das Landgericht Münster entschied den Streit zu Gunsten des Autohändlers (15 O 152/15). Zwar könne ein Betriebsgeräusch einen Sachmangel darstellen, der den Käufer zum Rücktritt berechtige, räumte das Landgericht ein. Ausnahmsweise sogar dann, wenn kein technischer Defekt vorliege, das Geräusch aber den Verdacht auf einen Defekt nahelege. Denn unter diesen Umständen könne der Käufer das Auto kaum weiterverkaufen, weil das Geräusch Interessenten abschrecken würde. So liege der Fall hier aber nicht.

Das Gericht hatte den Audi selbst inspiziert und fand weder die Lautstärke, noch die Frequenz des Betriebsgeräuschs übermäßig störend. Fazit: Obwohl bei einem Fahrzeug der Spitzenklasse strenge Kriterien angelegt werden müssten, sei das beanstandete Geräusch nicht als erheblicher Sachmangel einzustufen. Es trete sowieso nur im siebten Gang und nur vorübergehend bei einer bestimmten Geschwindigkeit auf. Seien Radio oder Klimaanlage eingeschaltet, sei das Geräusch kaum zu hören. Nur wer sehr aufmerksam lausche, könne den leicht veränderten Klang des Motors zwischen 70 und 80 km/h überhaupt wahrnehmen.

Hindernisse im Parkhaus

Wer im Parkhaus rückwärts einparkt, muss besondere Vorsicht walten lassen

Ein Autofahrer aus Hohenschäftlarn wollte in einem Nürnberger Parkhaus seinen BMW abstellen. Als er in der Tiefgarage rückwärts einparkte, übersah er einen knallrot lackierten Schutzbügel: Der Bügel war rund um ein Regenfallrohr angebracht, das senkrecht an der Wand verlief, und sollte das Rohr vor Kollisionen schützen.

Diesen Zweck erfüllte er: Der Autofahrer stieß gegen den Schutzbügel. Von der Hausverwaltung des Parkhauses forderte der BMW-Fahrer Ersatz für die Reparatur des Heckschadens (Kostenpunkt: 1.336 Euro). Sie hätte die Gefahrenstelle mit gelb-schwarzen Streifen kennzeichnen müssen, meinte er. Die Hausverwaltung winkte ab und ließ es auf einen Rechtsstreit ankommen.

Beim Amtsgericht München zog der Autofahrer den Kürzeren (122 C 5010/16). Er müsse die Reparaturkosten selbst tragen, so das Amtsgericht. Der Hausverwaltung sei kein Versäumnis vorzuwerfen, denn das Hindernis sei sehr gut zu erkennen. Wer rückwärts einparke, müsse besondere Vorsicht walten lassen. In engen Parkhäusern und bei schlechten Lichtverhältnissen gelte das erst recht.

So eine Situation müsse für Autofahrer allemal Grund genug sein, strikt auf Sicht zu fahren und sehr langsam einzuparken. Notfalls müssten sie auch einmal aussteigen und eine unübersichtliche Parklücke vorher in Augenschein nehmen. Wenn es ein Autofahrer schwierig finde, sich einem Hindernis wie dem Schutzbügel rückwärts anzunähern, müsse er oder sie eben vorwärts einparken.

Autofahrerin bremst wegen Martinshorns

Der Auffahrende haftet für die Folgen, außer der vordere Fahrer bremste "ohne zwingenden Grund"

Zwei Autos warteten hintereinander vor einer roten Ampel. Im vorderen Wagen saß eine Pastorin in ihrem Dienstfahrzeug. Als die Ampel "grün" anzeigte, fuhr sie los — und bremste sofort wieder, weil sie das Martinshorn eines Rettungswagens hörte. Autofahrer R im nachfolgenden Wagen fuhr auf das Dienstfahrzeug auf.

Vom Schaden am Auto einmal abgesehen: Die Pastorin erlitt ein Schleudertrauma und war wochenlang arbeitsunfähig. Ihr Arbeitgeber, die evangelische Kirche, forderte von R und dessen Kfz-Haftpflichtversicherung Schadenersatz für die Autoreparatur, die Heilbehandlungskosten und die während der Krankschreibung der Pastorin gezahlten Dienstbezüge.

Die Kfz-Versicherung erstattete nur einen Teilbetrag und wandte ein, die Unfallgegnerin habe den Zusammenstoß mit-verursacht: Ohne zwingenden Grund habe sie überraschend eine Vollbremsung eingeleitet. Nach dem Unfall sei kein Fahrzeug mit Blaulicht und/oder Martinshorn an der Kreuzung vorbeigefahren.

Mit dieser Argumentation war das Landgericht Hamburg nicht einverstanden (306 O 141/16). Bei Auffahrunfällen spreche alles dafür, dass der Auffahrende nicht aufgepasst habe oder zu dicht aufgefahren sei. Daher hafte in der Regel der Auffahrende zu 100 Prozent für die Unfallfolgen. Ausnahmen bestätigten die Regel, z.B. wenn der vordere Fahrer "ohne zwingenden Grund" abrupt bremse. Die Pastorin habe jedoch nicht grundlos gebremst, sondern weil sie — wie auch andere Zeugen — das Signal eines Martinshorns gehört habe.

In so einer Situation müssten sich Autofahrer möglichst schnell orientieren, d.h. stehen bleiben oder an den Straßenrand fahren und feststellen, aus welcher Richtung sich der Rettungswagen nähere. Wenn der Rettungswagen nicht direkt an der Kreuzung vorbeikomme, bedeute das nicht, dass es falsch gewesen sei anzuhalten.

Da R behaupte, er habe kein Signal vernommen, sei das Bremsmanöver für ihn wohl überraschend gekommen. Das widerlege aber nicht die Aussage der Pastorin, dass sie wegen eines Martinshorns gebremst habe. Daher sei ihr kein Mitverschulden am Auffahrunfall anzukreiden.

Skater fährt Radfahrer um

Mündet ein Nebenweg in einen ausgebauten Fußgänger- und Radweg, gilt dort nicht die Regel "rechts vor links"

An einem schönen Abend im Mai war Herr X auf dem kombinierten Fußgänger- und Radweg am Frankfurter Mainufer unterwegs. Mit seinem edlen Rennrad fuhr er von der Arbeit nach Hause. Aus einem (von einer Hecke verdeckten) Nebenweg kam plötzlich von rechts ein Inlineskater herangerollt, bog auf den Radweg ein und krachte in voller Fahrt gegen den Rennradfahrer.

Herr X stürzte, verletzte sich an der Hand und erlitt eine Gehirnerschütterung. Der Rettungsdienst brachte ihn ins Krankenhaus. Auch sein Rennrad im Wert von ca. 3.500 Euro, Helm und Sonnenbrille wurden bei dem Zusammenstoß beschädigt. Die Haftpflichtversicherung des Inlineskaters zahlte dem verletzten Radfahrer 1.150 Euro als Ersatz für die Schäden und 1.000 Euro Schmerzensgeld.

Der Radfahrer forderte höheres Schmerzensgeld und bekam vom Amtsgericht Frankfurt weitere 500 Euro zugesprochen (32 C 3057/15). Der Inlineskater hafte zu 100 Prozent für die Unfallfolgen, so das Amtsgericht. Vor dem Abbiegen hätte er sich vergewissern müssen, ob er gefahrlos in den Radweg einbiegen konnte. Er hätte sich der Einmündung vorsichtig nähern oder sogar anhalten müssen, um festzustellen, ob der Weg frei war. Das gelte umso mehr, als es mit Skates schwieriger sei als für einen Jogger, auszuweichen oder stehen zu bleiben.

Der gut ausgebaute Fuß- und Radweg verlaufe vollkommen gerade: Also hätte der Skater den Radfahrer kommen sehen, wenn er sich richtig verhalten hätte. Die Vorfahrtsregel "rechts vor links" gelte hier nicht: Denn der Skater sei aus einem Nebenweg — einem kurzen Verbindungsstück zur Fußgängerampel — gekommen, der in Funktion und baulicher Ausführung dem Radweg klar untergeordnet sei. Den Radfahrer treffe keine Mitschuld an der Kollision: Er habe gegen keine Verkehrsregel verstoßen und außerdem den Skater hinter der Hecke nicht bemerken können.

"Navi" aus dem Auto geklaut

Kaskoversicherung muss bei älteren Geräten nicht den Neupreis ersetzen

Im September 2014 wurde der BMW 5er Touring von Frau D aufgebrochen und das integrierte Navigationssystem gestohlen. Reparatur und Einbau eines neuen Geräts kosteten fast 9.000 Euro. Die Kfz-Kaskoversicherung überwies der Versicherungsnehmerin D 6.323 Euro und begründete die Differenz mit ihren Versicherungsbedingungen.

Im Schadensfall werde der Neupreis mitversicherter Audio- oder Navigationssysteme innerhalb von 18 Monaten nach Erstzulassung ersetzt. Danach werde ein Abzug vorgenommen: ein Prozent pro Monat. Der Vertrag sei 2008 nach der Erstzulassung des Wagens abgeschlossen worden - so komme die Differenz zustande.

Diese Vertragsklausel benachteilige die Versicherten unangemessen, fand Frau D und klagte den Differenzbetrag ein. Doch das Landgericht Düsseldorf fand an der strittigen Klausel nichts auszusetzen und wies die Klage ab (9 S 26/16). Elektronische Geräte verlören nach dem Kauf sehr rasch an Wert. Daher gehe die Regelung nicht einseitig zu Lasten der Versicherungsnehmer, zumal die Versicherung den Abzug vom aktuellen Neupreis vornehme. Das sorge für einen gerechten Interessenausgleich.

Zu berücksichtigen sei hier auch die Tatsache, dass neuere Geräte in der Regel aufgrund erweiterter Funktionen teurer seien als das ursprünglich verbaute Navigationssystem. Nach 118 Monaten — d.h. nach ca. zehn Jahren, was der normalen Lebensdauer dieser Geräte entspreche — ersetze die Versicherung gar nichts mehr. Dann seien Software und Kartenmaterial ohnehin veraltet. Bekanntlich gebe es ständig neue Navigationsgeräte mit neuen Funktionen: Deshalb warteten die Hersteller die Systeme nach Ablauf eines bestimmten Zeitraums auch nicht mehr und nähmen keine Updates mehr vor.

"Rettungstat" ist gesetzlich unfallversichert

Motorradfahrer stürzte bei dem Versuch, einem Radfahrer auszuweichen: Rettungstat?

Der Motorradfahrer fuhr gerade zu einem Supermarkt, als ihm ein Radfahrer die Vorfahrt nahm. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, wich der Motorradfahrer aus und stieg gleichzeitig voll auf die Bremse. Dabei stürzte er und brach sich beide Schultergelenke. Später forderte der Verletzte Leistungen von der gesetzlichen Unfallversicherung: Wer bei einem Unglücksfall Nothilfe leiste, sei doch gesetzlich versichert, meinte er.

Von einer absichtlichen Rettungstat könne hier keine Rede sein, fand die Unfallversicherung und lehnte es ab, den Unfall als Quasi-Arbeitsunfall anzuerkennen. Letztlich habe sich der Motorradfahrer selbst schützen wollen und in Sekundenbruchteilen instinktiv gehandelt. Da werde er wohl kaum daran gedacht haben, die Unfallfolgen für den Radfahrer abzuwenden.

Das ändere nichts daran, dass der Motorradfahrer mit seinem Ausweichmanöver den Radfahrer gerettet habe, urteilte das Sozialgericht Dortmund (S 17 U 955/14). Ohne das Ausweichmanöver hätte er den Unfallgegner schwer oder sogar tödlich verletzt. Auch eine Rettungstat, die ohne gründliches Überlegen ausgeführt werde, sei gesetzlich versichert.

Gefahrensituationen träten typischerweise immer ziemlich überraschend auf und ließen kein Nachdenken zu. Daher könne angesichts der konkreten Gefahrenlage auch reflexartiges Ausweichen eine versicherte Nothilfe sein.

Bei einer Kollision mit dem Radfahrer wäre der Motorradfahrer selbst womöglich glimpflicher davongekommen. Vielleicht wäre er gar nicht gestürzt, wenn er geradeaus in das Fahrrad hineingefahren wäre. Schließlich sei das Motorrad viel schwerer. Das könne aber offen bleiben: Wenn der Mann auch sich selbst hätte schützen wollen, stände das dem Versicherungsschutz nicht entgegen. Hier komme es nur darauf an, dass er eine Kollision verhindert habe, bei der der Radfahrer mit Sicherheit schwer verletzt worden wäre.

Rußpartikelfilter verstopft

Altersbedingter Verschleiß eines Gebrauchtwagens oder technischer Defekt?

Für den sechs Jahre alten Skoda (Octavia RS Combi 2.0 TDI, 181.000 km Fahrleistung) hatte der Käufer im November 2013 8.950 Euro gezahlt. Schon nach wenigen Fahrten beschwerte er sich beim Autohändler darüber, dass der Motor schlecht ansprang, beim Fahren ruckelte und sehr laut war. In der Werkstatt des Händlers wurde der Wagen repariert. Mit dem Ergebnis war der Käufer jedoch unzufrieden und beschloss, den Skoda zurückzugeben.

Darauf ließ sich der Autohändler nicht ein: Die beanstandeten Symptome belegten keinen Mangel des Skoda, das sei bei einem älteren Fahrzeug ein ganz normaler Verschleiß. Im Rechtsstreit vor dem Landgericht erläuterte ein Kfz-Sachverständiger, die Ursache der unrunden Fahrweise sei ein verstopfter Rußpartikelfilter. Das Landgericht bewertete das wie der Verkäufer — als "altersbedingte Verschleißerscheinung" — und wies die Klage des Käufers auf Rückzahlung des Kaufpreises ab.

Beim Oberlandesgericht (OLG) Hamm hatte der Käufer mit seiner Berufung Erfolg (28 U 89/16). Zwar verstopfe mit zunehmender Kilometerzahl bei Dieselfahrzeugen der Rußpartikelfilter, was durchaus als üblicher Verschleiß anzusehen sei, räumte das OLG ein. Doch im konkreten Fall hänge das Phänomen auch mit einem technischen Defekt zusammen, wie dem Sachverständigengutachten zu entnehmen sei.

Diese Skoda-Modellreihe weise einen werkseitigen Bauteilfehler an den Pumpen-Düsen-Elementen auf: Er führe zur Überfettung des Brennstoffgemischs und in der Folge dazu, dass der Partikelfilter stärker als üblich mit Ruß gefüllt werde und schneller verstopfe. Das sei als Sachmangel anzusehen, zumal der defekte Drucksensor des Filters die bedenkliche Ablagerung nicht anzeige. Somit sei der Skoda beim Kauf nicht so beschaffen gewesen wie vergleichbare Gebrauchtfahrzeuge mit dieser Laufleistung, was den Käufer dazu berechtige, das Geschäft rückgängig zu machen.

Unfall auf dem Nürburgring

Hobbyfahrer, der auf der "Nordschleife" mit dem Auto verunglückt, erhält kein Geld von der Kaskoversicherung

Im Juni 2015 nahm ein Autofahrer mit seinem Ford Focus am so genannten "Freien Fahren" auf der Nordschleife des Nürburgrings teil. Das ist kein offizielles Autorennen, bei dem Rennfahrer gegeneinander antreten. Vielmehr dürfen beim "Freien Fahren" Hobbyfahrer — gegen eine "geringe Gebühr", versteht sich — ausprobieren, was "ihre Kiste hergibt". Für den Focus-Fahrer ging es jedenfalls zu schnell. Er kam in einer Kurve ins Schleudern und krachte gegen eine Begrenzung.

Von seiner Vollkaskoversicherung verlangte er die Reparaturkosten von 8.200 Euro ersetzt. Doch der Versicherer lehnte ab und verwies auf die Versicherungsbedingungen: Für "Touristenfahrten auf offiziellen Rennstrecken" bestehe kein Versicherungsschutz.

Dagegen klagte der Versicherungsnehmer. Mit seinem originellen Argument, der Nürburgring sei beim "Freien Fahren" keine offizielle Rennstrecke, sondern sozusagen eine "mautpflichtige Einbahnstraße", konnte er bei der Justiz jedoch nicht punkten.

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm wies die Zahlungsklage des Autofahrers ab (20 U 213/16). Die Ausschlussklausel in den Versicherungsbedingungen sei wirksam, so das OLG. Der Versicherer bringe hier klar zum Ausdruck, dass er das Risiko von Touristenfahrten auf Rennstrecken nicht abdecke. Dass damit auch "Freies Fahren" außerhalb offizieller Rennveranstaltungen gemeint sei, könnten auch Versicherungsnehmer ohne juristische Kenntnisse verstehen.

Wie der konkrete Fall zeige, gehe es auch bei diesen Hobbyfahrten darum, eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen. Das steigere eindeutig das Unfallrisiko. Dass die Betreiber des Nürburgrings in der Werbung von "Freiem Fahren" sprächen und nicht wortwörtlich von "Touristenfahrten auf einer offiziellen Rennstrecke" — wie in ihren Sicherheitsregeln —, ändere daran nichts. Eine Rennstrecke bleibe eine Rennstrecke, auch wenn gerade kein Autorennen im engeren Sinne stattfinde. Für den öffentlichen Verkehr sei der Nürburgring allemal gesperrt.

Handyverbot beim Autofahren

Wird ein Mobiltelefon "verbotswidrig genutzt", wenn der Fahrer es zum Aufladen in die Hand nimmt?

Das "Handyverbot" beim Autofahren beschäftigt weiter die Gerichte. Erneut wurde einem Autofahrer eine Geldbuße aufgebrummt, weil er während der Fahrt sein Mobiltelefon verbotswidrig genutzt habe. Dabei hatte er sein Handy nur angefasst, um es in die Ladeschale zu stecken — das behauptete jedenfalls der Verkehrssünder, der sich gegen die Geldstrafe wehrte.

Das Amtsgericht Landstuhl stellte sich auf seine Seite und ersparte ihm die 60 Euro Bußgeld: Wer das Mobiltelefon nur aufnehme, um es zum Laden anzuschließen, verstoße nicht gegen das Benutzungsverbot (2 OWi 4286 Js 12961/16).

Anders hatte das Oberlandesgericht Oldenburg entschieden (2 Ss OWi 290/15, Beschluss vom 7.12.2015 — Onlineurteile-Artikel Nr. 54557). Das Verbot gelte auch für Handgriffe wie das Aufladen, die das Benutzen des Mobiltelefons nur vorbereiten sollten, so das Oberlandesgerichts Oldenburg: Denn auch solche Handgriffe lenkten den Fahrer ab, der sich auf den Straßenverkehr konzentrieren solle.

Damit hat das Oberlandesgericht nach Ansicht des Amtsgerichts Landstuhl den Wortlaut der einschlägigen Vorschrift (§ 23 Abs. 1a Straßenverkehrsordnung) unzulässig erweitert. Obwohl der Autofahrer keine Funktion des Smartphones genutzt habe, unterstelle man ihm den bösen Willen, sein Mobiltelefon widerrechtlich während der Autofahrt einzusetzen.

Dabei sei es doch sogar erlaubt, beim Fahren mit Headset oder Freisprechanlage zu telefonieren und dabei das Telefon in die Hand zu nehmen. So habe es zumindest das Oberlandesgericht Stuttgart entschieden (4 Ss 212/16, Beschluss vom 25.4.2016).

Unfalltod des Ehemannes

Psychische Belastung durch Trauer kann zu höherem Schmerzensgeld führen

Ein Autofahrer geriet bei Regen auf die Gegenfahrbahn und stieß frontal mit einem Wagen zusammen, in dem eine schwangere Frau mit Ehemann und Sohn saß. Die Familie stammte aus Bosnien und war vor dem Balkankrieg nach Deutschland geflohen. Der am Steuer sitzende Ehemann kam bei dem Unfall ums Leben. Die anderen Familienmitglieder überlebten verletzt und wurden mit dem Hubschrauber in eine Frankfurter Klinik gebracht.

Es stellte sich nun die nicht nur rechtlich, sondern auch menschlich schwierige Frage, ob die Frau von der Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers ein höheres Schmerzensgeld verlangen kann, weil ihr Mann gestorben war. Die Gerichte lehnen dies normalerweise ab: Schmerzensgeld soll nämlich die Wirkungen einer Körperverletzung ausgleichen, seelischer Schmerz beim Tod eines nahen Angehörigen stellt aber keinen gesundheitlichen Schaden im engeren Sinn dar.

Das Oberlandesgericht Frankfurt berücksichtigte in diesem Fall dennoch die psychischen Störungen der Frau (8 U 86/95). Zu den besonderen Belastungen durch den Tod ihres Mannes sei auch noch die Sorge um das ungeborene Kind gekommen. Die damit einhergehende Hilflosigkeit und Verzweiflung wirkten sich in der ungeklärten Situation in einem fremden Land naturgemäß besonders stark aus. Daher sei hier ein Schmerzensgeld von 18.000 DM angemessen.

Schraube an der Hinterachse locker

Kfz-Fachwerkstatt muss Kunden über Rückrufaktionen "ihres" Autoherstellers informieren

Unternehmen X hatte im Herbst 2010 ein amerikanisches Fahrzeug erworben, einen Dodge Ram Truck 1500. Der Autohersteller hat in Deutschland keine eigenen Niederlassungen, aber einige autorisierte Service-Fachwerkstätten. In so einer Fachwerkstatt für Autos der Marke Dodge ließ das Bochumer Unternehmen X Inspektionen und Reparaturen durchführen.

Weil eine Schraubenmutter im Getrieberad der Hinterachse nicht ausreichend gesichert war, startete der Hersteller Chrysler Dodge im Februar 2013 eine Rückrufaktion. Betroffen waren auch das Fahrzeugmodell und die Baureihe des X-Firmenwagens. Da der Wagen als "Grauimport" aus den USA eingeführt worden war, wurde der deutsche Kfz-Halter von Chrysler Dodge nicht über die Rückrufaktion informiert.

Im Oktober 2013 brachte ein Mitarbeiter von X das Fahrzeug wieder zur Inspektion. Doch die Fachwerkstatt kümmerte sich nicht um die lockere Schraubenmutter — sie wusste von der Rückrufaktion nichts. Einige Monate später wurde der Dodge Ram Truck erheblich beschädigt, weil die Hinterachse während der Fahrt blockierte. Wären die vom Hersteller im Rahmen des Rückrufs empfohlenen Arbeiten ausgeführt worden, wäre der Schaden nicht entstanden.

Von der Kfz-Fachwerkstatt verlangte Unternehmen X Schadenersatz für die Reparaturkosten von 6.800 Euro. Zu Recht, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Hamm (12 U 101/16). Wenn der Werkstatt-Inhaber meine, der Kfz-Halter müsse sich selbst nach Rückrufaktionen erkundigen, verkenne er die Pflichten einer Werkstatt, erklärte das OLG. Ein Auftrag zur Inspektion schließe ein, dass sich die Werkstatt über sicherheitsrelevante Rückrufaktionen und gebotene Reparaturen informiere, z.B. auf der Internetseite des Herstellers.

In ihrer Werbung bezeichne sich die Werkstatt als autorisierte Service-Fachwerkstatt für die Automarke Dodge — ohne dies auf offiziell importierte Fahrzeuge zu beschränken. Daher dürften die Kunden davon ausgehen, dass die Werkstatt "über alle notwendigen Kenntnisse für die Verkehrs- und Betriebssicherheit der Dodge-Fahrzeuge verfüge bzw. sich diese vor dem Durchführen von Inspektionsarbeiten verschaffe".

Der Werkstatt-Inhaber habe gewusst, dass der Wagen ein "Grauimport" gewesen sei. Das ändere aber nichts an seinen Informationspflichten gegenüber dem Kunden, im Gegenteil. Denn bei "Grauimporten" würden die Kunden nicht offiziell vom Hersteller über Rückrufaktionen unterrichtet. Schon deswegen hätte sich die Fachwerkstatt kundig machen müssen. Da sie dies versäumt und die gebotenen Reparaturen unterlassen habe, müsse die Werkstatt dem Unternehmen X die dadurch entstandenen Kosten ersetzen.

Gebrauchtwagen "unfallfrei"

Gewerbliche Autohändler dürfen sich auf die Angaben privater Verkäufer nicht verlassen

Ein Gebrauchtwagenhändler studierte das Angebot der Internetplattform "mobile.de" und fand einen zwei Jahre alten Dacia Sandero, den er haben wollte. Angeblich war der Gebrauchtwagen "unfallfrei". Der Besitzer, ein Privatmann, bot ihn für 7.900 Euro an. Der Autohändler einigte sich per Mail mit dem Verkäufer und schickte einen Mitarbeiter mit Kaufvertrag zu ihm, um das Auto abzuholen.

Im Vertragsformular hatte der Händler handschriftlich hinzugefügt "unfallfrei, Beschreibung wie bei mobile". Das böse Erwachen folgte, als der Händler den Dacia mit einem Kfz-Mechaniker prüfte. Im Frontbereich entdeckten sie einen erheblichen Unfallschaden, der nicht fachgerecht instandgesetzt war. Daraufhin forderte der Autohändler den Verkäufer vergeblich auf, das Geschäft rückgängig zu machen.

Auch seine Klage blieb erfolglos, obwohl das Oberlandesgericht (OLG) Saarbrücken ausdrücklich feststellte, dass der Wagen mangelhaft war (2 U 54/15). Gebrauchtwagenkäufer könnten erwarten, dass diese — abgesehen von Bagatellen — frei von Unfallschäden seien. Weil der Händler das Auto aber trotz eines gravierenden Mangels gekauft habe, dürfe er es nicht zurückgeben, urteilte das OLG.

Wie Fotos vom Dacia belegten, musste einem Kfz-Profi schon bei oberflächlichem Hinsehen auffallen, dass ein Unfallschaden vorlag. Offenbar habe der Händler den Wagen deshalb sofort nach dem Kauf checken lassen. Doch zum Ankauf habe er eine unerfahrene Aushilfskraft geschickt, die nichts bemerkt habe. Also habe der Autohändler bewusst darauf verzichtet, den Wagen vor dem Abschluss des Kaufvertrags zu untersuchen. Dann dürfe er sich aber nicht nachträglich über den schlechten "Deal" beschweren.

Gewerbliche Autohändler dürften sich nicht auf die Angaben privater Verkäufer zum Zustand eines Gebrauchtwagens verlassen. Zumindest eine Sichtkontrolle sei vor dem Ankauf nötig. Wenn ein privater Anbieter im Internet schreibe, das Fahrzeug sei unfallfrei, übernehme er damit gegenüber dem Profi-Ankäufer keine Beschaffenheitsgarantie.

Den Verkäufer treffe kein Vorwurf: Der Dacia habe ihm nicht lange gehört. Dass der Unfall in dieser Zeit stattgefunden habe, sei nicht bewiesen. Vermutlich habe er das Auto schon mit dem Schaden erworben und nicht als Unfallfahrzeug identifiziert — ein Händler verfüge da über weitaus größere Sachkunde als ein Laie.

Wildunfälle und die Folgen

Autofahrer müssen nach einem Wildunfall nicht für das Entsorgen verendeter Wildtiere zahlen

Nach einigen Wildunfällen verschickte die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Kostenbescheide an die betroffenen Autofahrer. So landete der "schwarze Peter" wieder bei denen, die das Pech gehabt hatten, auf einer Bundes- oder Landesstraße unfreiwillig ein Wildtier zu erlegen. Und die anschließend ganz korrekt den jeweiligen Jagdpächter verständigt hatten. Die Jäger entsorgten die Kadaver — und stellten die Kosten der Verkehrsbehörde in Rechnung.

Die "sparsame" Verkehrsbehörde wollte nun das Geld von den Autofahrern wieder eintreiben. Begründung: Wenn nach einer Kollision mit einem Wagen verendete Wildtiere am Straßenrand liegen bleiben, verschmutze das die Straße. Die Autofahrer hätten sie sofort beseitigen müssen. Weil sie das versäumt hätten, müssten sie stattdessen die Kosten für das Bergen und Entsorgen der Kadaver tragen.

Dafür gebe es keine Rechtsgrundlage, erklärte das Verwaltungsgericht (VG) Hannover (7 A 245/16 u.a.). Es hob die Kostenbescheide auf, gegen die einige Autofahrer geklagt hatten. Verendetes Wild gehöre laut Jagdrecht dem zuständigen Eigentümer oder Pächter einer Jagd, stellte das VG fest.

Wenn ein Autofahrer einen Jäger zum Unfallort rufe und der das tote Wildtier berge, dürfe der Autofahrer davon ausgehen, dass von ihm keine Straßenreinigung erwartet werde. Aus den Vorschriften zur Straßenreinigung sei jedenfalls nicht abzuleiten, dass von einem Wildunfall betroffene Verkehrsteilnehmer verpflichtet wären, für das Entsorgen toter Wildtiere zu zahlen.

Bei Streitigkeiten zwischen Jägern und Autofahrern um die Entsorgungskosten hätten im Übrigen die Zivilgerichte bisher überwiegend die Ansicht vertreten, dass "Jagdausübungsberechtigte" nach einem Wildunfall vom beteiligten Autofahrer bzw. dessen Kfz-Haftpflichtversicherung keinen Ersatz verlangen könnten. Dann könne die Verkehrsbehörde so einen Anspruch gegen die Autofahrer aber auch nicht auf Umwegen durchsetzen.

Neuwagen entpuppt sich als "Schluckspecht"

Autokäuferin kann ein neues Fahrzeug wegen überhöhten Benzinverbrauchs zurückgeben

Für rund 16.000 Euro hatte die gewerbliche Käuferin 2013 den Neuwagen beim Autohändler erworben. Laut Herstellerprospekt sollte das Auto innerorts auf 100 km 7,2 Liter Benzin verbrauchen, außerhalb von Ortschaften 5,1 Liter und kombiniert 5,8 Liter. Tatsächlich "schluckte" es wesentlich mehr Kraftstoff. Erfolglos forderte die Käuferin den Händler zur Nachbesserung auf, verlangte anschließend den Kaufpreis zurück und zusätzlich Schadenersatz für überhöhte Benzinkosten.

Zu Recht, entschied das Landgericht Düsseldorf (15 O 425/13). Auch wenn sich der Kaufvertrag nicht ausdrücklich auf die Angaben des Herstellerprospekts beziehe, seien sie ein Maßstab dafür, wie der Neuwagen beschaffen sein sollte. Zwar wisse ein verständiger Käufer, dass die Daten im Prospekt auf einem standardisierten Messverfahren beruhten, während der tatsächliche Kraftstoffverbrauch von vielen Einflüssen abhänge: von der Fahrweise, vom Zustand der Reifen etc.

Käufer könnten aber zumindest erwarten, dass die im Prospekt genannten Werte unter Testbedingungen reproduzierbar seien. Im konkreten Fall sei das nicht gelungen. Zwei Kfz-Sachverständige, die beruflich häufig Verbrauchstests durchführten, hätten den Benzinverbrauch auf einem Testgelände überprüft und folgende Werte ermittelt: innerorts 30,5 Prozent Mehrverbrauch (9,4 Liter auf 100 km), außerorts 15,7 Prozent (5,9 Liter) und kombiniert 24,1 Prozent (7,21 Liter). Dabei hätten die Sachverständigen Einflüsse durch Reifenzustand oder Wartung ausgeschlossen.

Käufer dürften vom Kaufvertrag nur zurücktreten, wenn der Verbrauch erheblich höher sei als angegeben. Eine erhebliche Abweichung liege erst dann vor, wenn der im Verkaufsprospekt genannte kombinierte Verbrauchswert um mehr als zehn Prozent überschritten werde. Die 10-Prozent- Grenze berücksichtige die — angesichts steigender Preise und erhöhten Umweltbewusstseins — zunehmende Wichtigkeit des Kraftstoffverbrauchs für die Verbraucher, ohne "allzu kleinlichen Gewährleistungswünschen" Vorschub zu leisten.

Im konkreten Fall sei der kombinierte Verbrauchswert um 24,1 Prozent höher als im Prospekt angegeben. Daher könne die Käuferin den Wagen zurückgeben und den Kaufpreis zurückfordern (abzüglich einer Nutzungsentschädigung für gefahrene Kilometer). Obendrein stehe ihr Schadenersatz für Benzin-Mehrkosten in Höhe von 751 Euro zu.

"Faustrecht" per Autotür

Racheaktion gegen Radfahrer: Autofahrer und Beifahrer wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verurteilt

Zwei Männer waren in Paderborn mit einem Mercedes unterwegs, der dem 21-jährigen Fahrer gehörte. Der Wagen stand an einem Sommertag auf der Mühlenstraße. Genau in dem Moment, in dem der Autofahrer startete, überholte ihn rechts und recht flink ein Radfahrer. Knapp vor dem Mercedes bog er nach rechts ab. Der Mercedesfahrer, der ebenfalls rechts abbiegen wollte, musste bremsen, um nicht mit dem Fahrrad zusammenzustoßen.

Voller Wut über die riskante Fahrweise des Radfahrers beschlossen die beiden Männer, ihm eine Lektion zu erteilen und ihn "vom Rad zu holen". Der Fahrer beschleunigte und hupte. Beim Überholen lenkte er den Mercedes abrupt nach rechts, um dem "Übeltäter" den Weg abzuschneiden. Sein 34-jähriger Begleiter riss gleichzeitig die Beifahrertür auf und erreichte damit den Zweck der Racheaktion: Nach Notbremsung und Ausweichmanöver prallte der Radfahrer gegen einen geparkten Wagen und stürzte vom Rad.

Dabei zog er sich Prellungen und Schürfwunden zu. Obendrein war das Rad beschädigt und die linke Tür des geparkten Opel verkratzt. Ohne sich darum zu kümmern, fuhren die zwei Männer im Mercedes weiter. Das Amtsgericht Paderborn verurteilte sie wegen "gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung" zu jeweils acht Monaten Gefängnis auf Bewährung. Die Rechtsmittel der Angeklagten blieben erfolglos.

Das Oberlandesgericht Hamm bestätigte das Strafurteil (4 RVs 159/16). Der Beifahrer sei als Mittäter anzusehen. Auch wenn eine Person nicht am Lenkrad sitze, könne sie auf gefährliche Weise "in den Straßenverkehr eingreifen". Auch der Beifahrer habe das Fahrzeug als Mittel eingesetzt, um den Radfahrer vorsätzlich zu nötigen und zu verletzen: Er habe die Autotür geöffnet, um gemeinsam mit dem Fahrer — der den Mercedes schräg nach rechts lenkte — den Radfahrer abzudrängen und zu Fall zu bringen.

Gemeinsam hätten die beiden Männer den Wagen bewusst zweckwidrig und mit "verkehrsfeindlicher Einstellung" verwendet: nicht zur Fortbewegung, sondern um den Radfahrer zu bestrafen. Diesen Vorwurf habe der Beifahrer im Strafprozess sogar selbst nochmals eindringlich bekräftigt: Wäre der Radfahrer nicht gestürzt, hätte er ihn "totgeschlagen", habe der Angeklagte ausgesagt. Daher sei das Strafmaß angemessen.

Zusammenstoß im Parkhaus

In einem Parkhaus müssen auch Vorfahrtsberechtigte vorsichtig fahren

Im Parkhaus eines großen Möbelhauses ereignete sich ein Unfall. Autofahrer A fuhr mit seinem Passat geradeaus: auf einer Straße, die durch das ganze Parkhaus führt und von der links und rechts "Querstraßen" abzweigen. Autofahrerin B fuhr mit ihrem Skoda aus einer Querstraße auf den Passat zu. Aus Sicht von Herrn A kam sie von rechts. Auf der Kreuzung stießen die Fahrzeuge zusammen.

Frau B forderte von der Kfz-Versicherung des A Schadenersatz für die Reparaturkosten (5.138 Euro). A sei deutlich zu schnell gefahren und habe die Vorfahrt missachtet. Schließlich gelte dort der Grundsatz "rechts vor links". Die Kfz-Versicherung zahlte freiwillig die Hälfte des Betrags. Damit gab sich Frau B jedoch nicht zufrieden und klagte den Restbetrag ein.

Doch das Amtsgericht München ließ sie abblitzen (333 C 16463/13). Für den Unfallschaden hafteten die Beteiligten jeweils zur Hälfte. Also habe die Kfz-Versicherung bereits gezahlt, was Frau B zustehe. Zwar habe sie in der Tat Vorfahrt gehabt, räumte das Amtsgericht ein. Weil die Straßen in diesem Parkhaus ziemlich breit ausgebaut seien, gelte hier wie im Straßenverkehr "rechts vor links", wenn die Vorfahrt nicht anders geregelt sei.

Gleichzeitig bestehe in einem Parkhaus aber in besonderem Maße die Pflicht, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Hier müssten sich alle Verkehrsteilnehmer sehr vorsichtig bewegen. Auf Parkplätzen und in Parkhäusern müssten die Nutzer jederzeit mit ein- und ausparkenden bzw. ein- und ausfahrenden Autos rechnen. Autofahrer dürften sich hier nicht blind auf ihr Vorfahrtsrecht nach der "rechts vor links"-Regel verlassen.

A sei auf der Straße gefahren, die geradeaus durch das Parkhaus führe. Alle Autofahrer müssten sie benutzen, um die Ausfahrt zu erreichen. Deshalb hätte sich Frau B an der fraglichen Kreuzung auf "Begegnungen" einstellen und bremsbereit sein müssen, anstatt auf ihrer Vorfahrt zu bestehen. Daher treffe sie an dem Unfall ein Mitverschulden von 50 Prozent.

Betrug beim Online-Autokauf

Käufer fälschte Bankbescheinigung: Verkäufer um den Kaufpreis für Mercedes geprellt

Im Mai 2015 bot ein Bremer auf einem Internetportal seinen Mercedes Benz E 200 CDI zum Verkauf an. Auf seine Anzeige hin meldete sich per E-Mail ein Interessent. Er benutzte, wie sich später herausstellen sollte, den Namen eines Dritten: den Namen eines Herrn X aus Hannover, der von nichts wusste. Der Bremer schloss mit dem vermeintlichen Herrn X schriftlich einen Kaufvertrag.

Er schicke einen Transporter, um das Auto abzuholen, schrieb "X", vorher überweise er den Kaufpreis auf das Girokonto des Verkäufers. Postwendend erhielt der Bremer per Mail eine (gefälschte) Bankbescheinigung, die den Überweisungsauftrag des Herrn X bestätigte. Im Vertrauen darauf übergab der Verkäufer dem Transportunternehmen das Fahrzeug. Das Geld kam natürlich nie auf seinem Konto an. Der Bremer erstattete Strafanzeige, nach dem Mercedes wurde gefahndet.

In der Zwischenzeit hatte der Betrüger das Auto auf einem Gebrauchtwagenmarkt für 15.500 Euro an Herrn Y verkauft. Der angebliche Eigentümer besaß die Fahrzeugpapiere und Schlüssel und wies sich mit einem serbischen Reisepass aus. Die Namen in den Papieren stimmten zwar nicht überein. Aber Herr Y dachte sich nichts dabei und zahlte bar. Als er den Wagen auf seinen Namen anmelden wollte, beschlagnahmte die Polizei den Mercedes.

Herr Y erklärte, er habe geglaubt, dass der Wagen dem Verkäufer auf dem Gebrauchtwagenmarkt gehörte. Bezahlt habe er auch, also sei der Mercedes jetzt sein Eigentum. Doch der Bremer forderte den Wagen zurück und gewann den Rechtsstreit vor dem Landgericht Essen und beim Oberlandesgericht (OLG) Hamm: Der Bremer sei immer noch Eigentümer des Autos, urteilten die Gerichte (5 U 69/16). Herr Y könne sich nicht darauf berufen, den Mercedes "in gutem Glauben" erworben zu haben.

Denn in den Fahrzeugpapieren stand nicht der Name des serbischen Verkäufers, sondern der Name der Ehefrau des Bremers. Wenn ein Verkäufer nicht als Halter in den Fahrzeugpapieren eingetragen sei, müsse der Käufer prüfen, ob der Verkäufer berechtigt sei, den Wagen zu verkaufen. Er dürfe sich nicht auf die Angaben des Verkäufers verlassen, als Zwischenhändler habe er den Mercedes einer Frau abgekauft, die ihn unbedingt loswerden wollte.

Wenn der Verkäufer die Fahrzeugpapiere und -schlüssel besitze, mache dies die gebotene Überprüfung durch den Käufer keineswegs überflüssig. Generell sei bei Fahrzeugkäufen per Internet ohne jeden persönlichen Kontakt Vorsicht geboten, warnte das OLG Hamm. Überweisungsaufträge und Bankbescheinigungen würden "gerne" gefälscht. Dass das vermeintlich angewiesene Geld auf dem Empfängerkonto ankommen werde, belegten sie nicht.

Radfahrer bringt Radfahrerin zu Fall

Beim Überholen auf einem Radweg müssen Radfahrer ausreichenden Seitenabstand einhalten

An einem schönen Nachmittag im Mai unternahm eine Frau einen Radausflug von K nach W. Der Radweg — eine Sand-Schotter-Piste — war etwa zwei Meter breit. Ein schnellerer Radfahrer überholte die Frau, die etwas rechts von der Mitte des Wegs fuhr. Dabei berührte der Mann mit seiner rechten Schulter die linke Schulter der Radfahrerin. Sie stürzte und zog sich einen komplizierten Bruch des Oberarms zu, der mehrmals operiert werden musste.

Vom Radfahrer forderte die Verletzte Schadenersatz und Schmerzensgeld. Das stehe ihr zu, entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (9 U 115/15). Denn der Mann habe beim Überholen nicht genug Seitenabstand eingehalten, wozu er nach der Straßenverkehrsordnung verpflichtet sei. Dabei hätte er problemlos weiter links fahren können. Generell müssten Radfahrer beim Überholen immer mit Schwankungen der vor ihnen Fahrenden rechnen. Auf einem unebenen Schotterweg gelte das erst recht.

Kurz vor dem Überholvorgang sei die Frau in ca. 70 cm Abstand zum rechten Wegesrand gefahren, während der Mann angebe, vom rechten Rand 164 cm entfernt gewesen zu sein. Berücksichtige man die jeweilige Körperbreite von 65 cm, habe der Radfahrer die Frau in einem Abstand von ca. 30 cm überholt. Das sei auch auf einem geteerten Weg knapp. Auf einem Schotterweg reiche dieser Abstand auf keinen Fall aus, um gefahrlos zu überholen.

Auf relativ schmalen Radwegen sei es zudem ratsam, sich vor dem Überholen zu verständigen, d.h. zu klingeln oder zu rufen, um sicherzustellen, dass der Vorausfahrende wahrnehme, dass jemand zum Überholen ansetze. Dann werde sich der Vorausfahrende darauf einstellen und sich rechts halten, und alle Beteiligten seien auf der sicheren Seite. Der Radfahrer habe zwar angeblich geklingelt: Die Radfahrerin habe aber nichts gehört — vielleicht, weil in der Nähe ein Rasenmäher lärmte —, und den Überholer nicht bemerkt.

Die Frau treffe kein Mitverschulden: Anders als der Unfallverursacher meine, sei sie nicht zu weit in der Mitte gefahren. Da Radfahrer, wie ausgeführt, auf einem Schotterweg ständig Schwankungen ausgleichen müssten, sei es sogar notwendig, auch zum rechten Wegesrand Abstand zu halten. (Weil die Heilbehandlung des Unfallopfers während des Prozesses noch nicht abgeschlossen war, wurde über die Höhe der Entschädigung erst später entschieden.)